Zu viel Licht in der Nacht

Chicago bei Nacht

Es ist schon alltäglich, dass es nachts in größeren Städten eigentlich überall hell ist, und man beim Blick nach oben selbst in wolkenlosen Nächten wenige oder sogar keine Sterne am Himmel sieht. Diese Aufhellung des Nachthimmels durch künstliche Lichtquellen wie Straßenlaternen oder Leuchtreklamen in Ballungszentren wird Lichtverschmutzung genannt.

Die Abnahme der Dunkelheit stellt, abgesehen von ihrem Energieverbrauch, eine besondere Art der Umweltverschmutzung dar, die Pflanzen, Tiere und auch den Menschen beeinträchtigen kann.
Folgen hat die zunehmende Helligkeit zum Beispiel für beleuchtete Laubbäume, die ihre Blätter deswegen im Herbst später verlieren, was zu vermehrten Frostschäden führt. Auch stirbt jede Nacht eine große Anzahl nachtaktiver Insekten in Laternen, weil sie vom Licht “angezogen” wurden. Das beeinflusst das ökologische Gleichgewicht, denn diese Tiere fehlen dann in der Nahrungskette und auch als Bestäuber für Pflanzen.

Nachtaktiven Zugvögeln erschwert das künstliche Licht die Orientierung und die Navigation. Für den Menschen kann die zunehmende nächtliche Helligkeit – allein in Deutschland steigt sie um etwa sechs Prozent pro Jahr – zu Störungen des Hormonhaushaltes führen. Das Hormon Melatonin, das den Tag-Nacht-Rhythmus steuert, wird nur nachts gebildet, und dieser kann durch fehlende Dunkelheit aus der Bahn kommen. Auch der weibliche Mensturationszyklus scheint beeinflusst zu werden. Weitere vermutete Folgen, wie ein erhöhtes Krebsrisiko, sind noch Gebiet aktueller Forschung.

Kulturell gesehen geht durch das Fehlen des Nachthimmels für Stadtbewohner auch ein Stück Naturerfahrung verloren, welches früher ganz selbstverständlich war. Denn um zum Beispiel die Milchstraße erkennen zu können braucht es mehr Dunkelheit.

Trotz diesen negativen Aspekten findet das Problem der zunehmenden Lichtverschmutzung bis jetzt kaum öffentliches Interesse, und mögliche Lösungen werden wenig diskutiert. Eine Ausnahme ist das bayrische Augsburg, das auf diesem Gebiet als Modellstadt gilt. Hier werden gerade nach und nach alle Leuchten der Straßenlaternen durch moderne Natriumhochdrucklampen ersetzt. Diese strahlen in einem wärmeren Gelb als konventionelle Lampen, und Licht in diesem Wellenlängenbereich ist weniger anziehend für Insekten.

Zudem sind die Lampen nach oben abgeschirmt, damit kein unnötiges Steulicht abgestrahlt wird und in verkehrsarmen Zeiten können sie zusätzlich gedimmt werden. Damit spart die Stadt Energie und Geld, und kann hoffentlich auch als positives Vorbild für andere Städte dienen. So dass vielleicht einmal auch in dicht besiedelten Gegenden wieder mehr Sterne zu sehen sein werden.

Maria Martin

1 Kommentar