Wo Ökostrom drauf steht, steckt auch Ökostrom drin?

Zu einem Ökostromanbieter zu wechseln ist kinderleicht – so heißt es. Eine Nachricht an den neuen Anbieter per Brief beziehungsweise übers Internet oder Telefon reicht aus, in der man seine Adresse, Zähler- und Kundennummer und den gewünschten Termin des Stromwechsels angibt. Den Rest übernimmt der neue Wahlanbieter – inklusive der Kündigung des alten Vertrags. Tatsächlich funktioniert ein derartiger Stromwechsel reibungslos. Doch steckt da, wo Ökostrom drauf steht auch immer Ökostrom drin?

Wer zu Ökostrom wechselt, möchte damit für gewöhnlich ein Zeichen setzen: weg von Kohle- und Atomstrom, hin zu umweltfreundlichem Strom aus regenerativen Quellen. Denn der Strom, der im Haushalt ankommt, ist zwar auch nach einem Wechsel der gleiche. Aber die Stromkosten bezahlt der Verbraucher an einen Stromanbieter, der umwelt- und klimafreundlich erzeugte Energie ins Netz einspeist.

Etwa 12,5 Prozent der deutschen Haushalte bezogen 2012 ihren Strom von einem Ökostromanbieter. Doch „Ökostrom“ ist kein geschützter Begriff und viele Angebote halten nicht, was sie auf den ersten Blick versprechen. So gibt es Anbieter von Ökostrom, die darüber hinaus auch direkt oder indirekt – über ihre Mutterfirmen – mit Kohle- beziehungsweise Atomstrom handeln. Andere versäumen es wiederum, den Ausbau der erneuerbaren Energien durch Investitionen in neue Anlagen zu fördern und so einen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Und „von manchen Stromanbietern muss schlichtweg aus Verbraucherschutzgründen abgeraten werden, weil die Vertragsbedingungen undurchsichtig beziehungsweise nicht verbraucherfreundlich sind oder die Anbieter irreführende Werbung machen“, heißt es in einem Recherchebericht der Umwelt- und Naturschutzorganisation Robin Wood.

Die Nichtregierungsorganisation empfiehlt vier Ökostromanbieter uneingeschränkt:
– Elektrizitätswerke Schönau GmbH
– Greenpeace Energy eG
– Lichtblick SE
– Naturstrom AG

Sie sind nicht mit Konzernen verflochten, die Atom- oder Kohlekraftwerke betreiben und bieten ausschließlich „grünen Strom“ an (mindestens 50 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien und maximal 50 Prozent aus gasbetriebenen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen). Außerdem sind sie bundesweit tätig, sodass jeder Stromkunde, der in Deutschland lebt, zu ihnen wechseln kann. (Regionale Ökostromanbieter wurden in der Robin Wood-Studie nicht erfasst.)

Darüber hinaus empfiehlt Robin Wood auch die beiden Anbieter:
– Mann Naturenergie GmbH & Co KG
– Polarstern GmbH
Kleine Abstriche in der B-Note gab es bei ihnen jedoch dafür, dass ihre Strompreise regional unterschiedlich sind.

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Eine weitere Orientierungshilfe sind die beiden Ökostrom-Label „ok-power“ und „Grüner Strom Label (GSL)“. Sie garantieren, dass der Ökostrom der Stromanbieter tatsächlich aus erneuerbaren Energiequellen stammt und sich die Anbieter am Bau neuer Erneuerbare-Energien-Anlagen beteiligen. Die Labels garantieren jedoch nicht, dass die Anbieter von zertifiziertem Ökostrom darüber hinaus auch herkömmlichen Strom verkaufen. Schließlich – das muss man bedenken – haben die beiden Vereine, die die Zertifikate anbieten, ja auch ein Interesse daran, Zertifikate auszustellen. Denn damit verdienen sie ihr Geld.

106 Ökostrom-Tarife stehen jedem Kunden im Durchschnitt zu Auswahl, viele davon sind regional begrenzt. Doch „echte“ Ökostromanbieter sind selten. Wer also hohe Anforderungen an seinen Ökostrom stellt, ist wohl mit den Empfehlungen von Robin Wood am besten beraten.

Corinna Lang

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