Wegwerfware Lebensmittel

Das Angebot in deutschen Supermärkten ist gigantisch, bis zu 40.000 Produkte sind in großen Märkten zu finden. Längst nicht alles kommt aus heimischen Landen, vieles hat eine halbe Weltreise hinter sich, bevor es auf der Ladentheke landet. Kein Wunder, dass Käufer die Qual der Wahl trifft und dazu verleitet, viel zu viel einzukaufen.

Die Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO sind erschrecken. Rund zehn bis 20 Millionen Tonnen Lebensmittel im Wert von fast 20 Milliarden Euro landen in Deutschland jedes Jahr auf dem Müll. Umgerechnet sind das pro Haushalt und Jahr etwa 400 Euro, die in der Tonne landen. Noch erschreckender ist die Zahl der in den gesamten Industriestaaten jährlich weggeworfenen Lebensmittel: 220 Millionen Tonnen!

Und der Lebensmittel-Müllberg wird immer größter, Umwelt und Klima immer mehr belastet. Eine unnötige Verschwendung von Ressourcen, dessen Auswirkung auf die Umwelt längst nicht das größte Problem ist, sondern angesichts des Welthungers auch einen großen ethischen Konflikt darstellen. Kaum fassbar, dass die Verschwendung von Lebensmitteln in einer so fortschrittlichen Gesellschaft fast gänzlich unhinterfragt wird.

Überall entlang der Wertschöpfungskette entstehen vermeidbare Abfälle. Was bei der Erzeugung beginnt, zieht sich über die Lebensmittelverarbeitung und den Handel bis hin zum letzten Glied der Kette, den Verbraucher. Erstmals sollen innerhalb einer umfassenden Studie des Bundeslandwirtschaftsministeriums nun genaue Zahlen ermittelt werden, auch die Gründe für die steigenden Lebensmittel-Müllberge soll die Studie untersuchen. Bis Ende des Jahres werden die ersten Ergebnisse erwartet.

Eine Umfrage des Ministeriums ergab bereits, dass der Hauptgrund für das Wegwerfen von Nahrungsmitteln ein Verderb und das überschrittene Verfallsdatum von Lebensmitteln ist. Bei rund 84 Prozent der Befragten landen Nahrungsmittel aus diesem Grund im Müll, bei 19 Prozent ist es die zu groß dimensionierte Verpackung und bei 16 Prozent der Befragten entscheidet einzig und allein der Geschmack über den Weg in den Müll. Dabei würde eine richtige Planung des Einkaufs nicht nur Abfall sparen und die Umwelt schonen, sondern auch gleichzeitig den Geldbeute entlasten.

Zudem lässt sich Biomüll, richtig eingesetzt, zur Energieerzeugung nutzten. Brot zum Beispiel hat einen ähnlichen Brennwert wie Holz. Rund zwölf Prozent der täglich produzierten Backwaren kommen als Retoure zurück, ein Teil geht am nächsten Tag als „Brot vom Vortag“ zum reduzierten Preis über die Ladentheke oder wird von Armen- und Obdachlosentafeln genommen. Was dann noch übrig bleibt, wird zu Paniermehl verarbeitet, der Rest geht in den Tierfuttercontainer – rausgeschmissenes Geld und traurige Verschwendung. Nicht so beim Hildener Bäcker Roland Schürer, der sein Restebrot verheizt und damit den CO2-Ausstoß in seinem energieintensiven Bäckergeschäft um rund 91 Prozent senkt.

Ob es nun ethisch korrekt ist, sei dahingestellt. So lange beim Endverbraucher kein Umdenken erfolgt und er auch kurz vor Ladenschluss noch auf sein „Lieblingsbrot“ besteht, wird der Bäcker wohl auch weiterhin zu viel Brot produzieren – das dann aber zumindest beim Energiesparen hilft.

Judith Schomaker

Add comment

Über das CleanEnergy Project

Das CleanEnergy Project ist ein non-profit Online-Magazin für alle Menschen auf der Suche nach mehr Nachhaltigkeit.

Das Team von CleanEnergy Project will Gestalter und nicht nur Zuschauer unserer Zeit sein.

Wir heißen alle willkommen, die sich uns als Autoren unserer Zeit anschließen möchten und bieten dafür unsere Plattform, das CleanEnergy Project.