Was wollen die Deutschen?

Laut der am 1.9.2009 veröffentlichten emnid Umfrage im Auftrag von Greenpeace, setzen die meisten Bundesbürger auf den Ausbau der erneuerbaren Energien. 85 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, dass erneuerbare Energieträger in Zukunft Vorrang geniessen sollten. Zehn Prozent setzen auf die Atomenergie, was sich im aktuellen Wahlergebnis, nach dem künftig CDU/CSU und FDP gemeinsam die Bundesrepublik regieren, kaum widerspiegelt. Ihr Wahlprogramm propagandiert das vorläufige Festhalten an der Atomenergie als Übergangslösung, Laufzeitverlängerungen von bestehenden Reaktoren inbegriffen.

Aber wie stellt sich die mehrheitliche Stimme in Deutschland den Ausbau der Erneuerbaren überhaupt vor? Atomenergie nein Danke, Windenergie gerne, aber nicht vor der eigenen Haustür und eine Solaranlage auf dem Nachbaracker – auch nicht unbedingt das Nonplusultra. Wo, wenn nicht vor Ort sollten also ihrer Meinung nach die erneuerbaren Energien ausgebaut werden? Im Ausland? Auch keine Lösung, lange Transportwege wären für preislich attraktive Energiekosten eher ungünstig und von neuen Arbeitsplätzen im eigenen Land wäre dann wohl kaum die Rede. Dann doch lieber Atomenergie? Das verschandelt dann wenigstens nicht die Landschaft, über die Nachteile kann man schließlich hinwegsehen. Aber so ist der Mensch nun einmal. Gerne befürwortet er den Ausbau regenerativer Energiequellen, Hauptsache, sie sind weit genug weg und er sieht sie nicht. Soll sich doch ein Anderer an dem Anblick erfreuen.

Das Protestieren scheint geradezu „in“ zu sein, längst verfolgt die Protestfraktion dabei neue Ziele, Atomstrom und Kohlekraftwerke waren gestern, heute wird gegen „Verspargelung“ und strahlende Solaranlagen aufbegehrt. Dabei wird die Furcht der Bürger vor jeglicher Art der Energiegewinnung schamlos ausgenutzt. Mit erschreckenden Flugblättern und einprägsamen Solgans werden diffuse Ängste vor Windparks, Biogasanlagen oder Solarfeldern geschürt. Immer öfter führen Bürgerentscheide zum Scheitern geplanter Projekte zum Ausbau der erneuerbarer Energien, werden immer mehr Bürgerinitiativen gegen Windenergie und Co. gebildet. Alleine im windreichen Schleswig-Holstein gibt es bereits mehr als 50 Bürgerinitiativen gegen Windmühlen. Am deutlichsten sind die Hürden bei den Offshore Windparks zu erkennen, die, um das Landschaftsbild nicht negativ zu beeinflussen, erst in einer Entfernung von 30 Kilometer zum Festland aufgestellt werden dürfen – für die Betreiber ein teures Vergnügen. Das alles trägt nicht gerade zum Ausbau der erneuerbaren Energien bei, sondern stellt sich ihnen direkt in den Weg.

Ein Umdenken hat, wie das Ergebnis der Umfrage zeigt, zwar bereits eingesetzt, doch müssen sich die Bundesbürger ganzheitlich entscheiden und entsprechende Abstriche machen. Sie sollten hinter ihrer Entscheidung für einen Ausbau der Erneuerbaren stehen und das auch vor der eigenen Haustür.

Judith Schomaker

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