Virtuelles Wasser – Tipps für den verantwortungsbewussten Konsum

Kaffeeplantage

Die Ressource Wasser benötigt jeder Mensch täglich. Und wir in Deutschland verbrauchen ziemlich viel davon. Der tägliche Pro-Kopf-Verbrauch liegt hier bei 130 Litern. Dies ist die Menge, die wir fürs Trinken, Waschen, Kochen und Putzen verwenden. Doch eigentlich ist dies nur ein geringer Teil unseres Verbrauchs. Denn dazu kommt noch das virtuelle Wasser. Es ist, wie ein Artikel des CleanEnergy Project bereits erläuterte, die Menge, die notwendig wird, um unsere Nahrungs- und Konsumgüter zu produzieren.

So werden für die Herstellung eines einzigen DIN-A4-Blatts Papier rund zehn Liter Wasser benötigt, für die eines Mikrochips sind es schon 32 Liter und in einem einzigen T-Shirt stecken sogar rund 2.700 Liter virtuellen Wassers. Ein Großteil davon fällt beim Anbau der Baumwolle an, da hier oftmals künstliche Bewässerung erforderlich ist. Für die Produktion einer einzigen fertigen Tasse Kaffee sind 140 Liter Wasser notwendig, für eine Tasse Tee dagegen nur 30 Liter.

Doch was sollen wir daraus folgern? Müssen wir zum Schutze der Umwelt nun auch noch auf das Kaffeetrinken verzichten? Sicher nicht. Aber es kann sinnvoll sein, genauer hinzuschauen, wie und vor allem wo das Produkt, das wir kaufen wollen, hergestellt wurde.

Die Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e.V. hat zahlreiche Daten, die vom Water Footprint Network erhoben wurden, zusammengetragen und dazu eine Verbraucherbroschüre erstellt. In dieser wird verdeutlicht, dass es wichtig ist, die Sache differenziert zu betrachten. Zum Beispiel beim Kaffee: In den Anbauländern Venezuela, Ecuador und Tansania ist der virtuelle Wasserverbrauch der Pflanzungen recht hoch. Allerdings wird der Kaffee in diesen Ländern vorzugsweise in den Bergregionen angebaut und kommt mit dem dort reichlich vorhandenen Niederschlagswasser aus. In Brasilien dagegen ist die Anbaufläche heute bis ins trockenere Tiefland ausgedehnt worden. Hier reicht das Niederschlagswasser nicht aus, es muss künstlich bewässert werden. Leider ist auf den Verpackungen nicht immer angegeben, in welchem Land der Kaffee angebaut wurde. Als Faustregel gilt daher, dass Arabica-Kaffee gegenüber der Sorte Robusta die bessere Alternative ist, da er im meist regenreichen Hochland angebaut wird.

Auch zahlreiche weitere Konsumgüter werden in dem Heft unter die Lupe genommen und jeweils mit einer Handlungsempfehlung abgeschlossen. Die 40-seitige Verbraucherbroschüre sowie weitere Materialien, auch für den Einsatz im Schulunterricht, können gegen eine geringe Schutzgebühr direkt übers Internet bestellt werden.

Aufgrund der komplexen Sachverhalte gibt es inzwischen auch die Überlegung, Informationen zum virtuellen Wasserbedarf auf Produktpackungen anzugeben, um dem Verbraucher im Supermarkt eine Entscheidungshilfe zu geben. Solange es diese noch nicht gibt, kann festgehalten werden, dass Öko- und Fairtrade-Produkte auch hinsichtlich des virtuellen Wasserverbrauchs tendenziell besser abschneiden.

Fazit: Gerade weil wir uns hier im Allgemeinen (noch) keine Sorgen um Wasserknappheit machen müssen, können wir durch unseren Einkauf dazu beitragen, den Wassermangel in anderen Ländern nicht zu verschärfen und Konflikte ums Wasser abzuwenden.

Birte Moritz

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