Umweltbewusstsein in Deutschland wandelt sich

Das Umweltbewusstsein der Deutschen verändert sich – zu diesem Ergebnis kommt die „Umweltbewusstseinsstudie“ von Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt (UBA) zu diesem Thema.

Die Ergebnisse der im Zweijahresrhythmus durchgeführten repräsentativen Bevölkerungsumfrage zeigen, dass immer mehr Befragte den Umwelt- und Klimaschutz als zentrales Thema in Bezug auf Zukunftsaufgaben, Wohlstand, Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze sehen.

Neben einer aktuellen Einschätzung von Umweltthemen im Hinblick auf wirtschaftliche und politische Entwicklungen, zeigt die Studie auch eine steigende Bereitschaft, das eigene Handeln im Hinblick auf die Umweltauswirkungen zu überprüfen. Für mehr als neun von zehn Deutschen ist es wichtig, so zu leben, dass sie sich mit der Umwelt im Reinen fühlen. Sie sind offen für Alternativen zu ressourcenintensiven und klimaschädlichen Gewohnheiten – beispielsweise indem sie auf Bus, Bahn oder Fahrrad umsteigen. Auch das Interesse an einem gesellschaftlichen Engagement für die Umwelt steigt.

Weitere Ergebnisse im Überblick:

Einschätzung zu politischen und wirtschaftlichen Aufgabenbereichen

Fast zwei Drittel (63 Prozent) der über 2.000 Befragten geben an, dass sie den Umwelt- und Klimaschutz für eine grundlegende Bedingung zur Bewältigung von Zukunftsaufgaben, wie beispielsweise dem Umgang mit den Herausforderungen der Globalisierung, halten. 2012 taten dies nur 40 Prozent.

Das Engagement der Bundesregierung in Sachen Umwelt- und Klimaschutz wird weiterhin kritisch bewertet. Nur 34 Prozent der Befragten sind der Meinung, die Bundesregierung tue „genug“ oder „eher genug“ für dieses Ziel. 66 Prozent sehen Verbesserungsbedarf.

Rund die Hälfte aller Befragten (56 Prozent) hält den Umwelt- und Klimaschutz für eine grundlegende Voraussetzung, um den Wohlstand zu sichern, die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu erhalten (48 Prozent) und Arbeitsplätze zu schaffen (46 Prozent).

Sozial-ökologischer Wandel

Die Umweltqualität und -gerechtigkeit in Deutschland werden weiterhin als zufriedenstellend, wenn auch verbesserungsfähig wahrgenommen.

Immer mehr Menschen sind offen gegenüber innovativen Konzepten des sozial-ökologischen Wandels. Die Mehrheit (82 Prozent) betrachtet eine Reduzierung des Autoverkehrs sowie die stärkere Nutzung des öffentlichen Nah- und Fahrradverkehrs oder die Fahrradnutzung für kürzere Strecken als einen positiven Beitrag zur Lebensqualität. Auch die verschiedenen Formen der gemeinschaftlichen Nutzung (Ausleihen, Tauschen) und Nutzungsverlängerung (Reparieren, Weitergeben) von Produkten stoßen auf großes Interesse (75 Prozent). Selbst eine stark fleischreduzierte Ernährung gilt für zwei Drittel der Befragten (67 Prozent) als vorstellbar.

Die allgemeine Bereitschaft, sich im Umwelt- und Naturschutz zu engagieren, steigt wieder an: Der Anteil derer, die sich aktuell engagieren oder sich vorstellen können, dies zukünftig zu tun, liegt nach einem Rückgang in den Jahren 2008 bis 2010 jetzt bei 56 Prozent. Soziale Netzwerke bilden hier eine gute Basis, die Zivilgesellschaft für Umweltbelange zu mobilisieren.

Grüner Konsum – von der Nische zum Mainstream?

Knapp die Hälfte der Befragten gibt an, dass sie beim Kauf von Haushaltsgeräten und Leuchtmitteln immer zu energieeffizienten Produkten greift. Ein weiteres Viertel der Befragten tut dies nach eigener Aussage sehr häufig. In den Jahren 2010 und 2012 war dieser Anteil etwas rückläufig. Auch bei Farben und Lacken oder bei Papierprodukten ist grüner Konsum offenbar weit verbreitet.

Ein anderes Beispiel ist Fisch aus nachhaltiger Fischerei, den nach eigener Aussage 38 Prozent der Befragten häufig wählt.

Bei anderen Produkt- und Konsumbereichen hingegen, zum Beispiel Bekleidung, Geldanlagen oder Mobilität, fristen die umweltfreundlichen Varianten bislang eher ein Nischendasein.

5 „Umwelt-Typen“

Um den unterschiedlichen Umgang der Bevölkerung mit dem Thema Umwelt systematisch zu erfassen, wurden mit Hilfe statistischer Methoden fünf „Umwelt-Typen“ identifiziert und in Bezug auf ihre Umwelteinstellungen und ihr Umweltverhalten charakterisiert.

Die „Nachhaltigkeitsorientierten“ (14 Prozent der Befragten), nehmen mit umweltbewusstem Denken und Handeln eine Vorreiterrolle ein und sind davon überzeugt, dass eine grundlegende gesellschaftliche Transformation notwendig ist.

Die „Umweltbesorgten“ (22 Prozent) halten den Zustand der Umwelt für sehr bedenklich und setzen auf eine ökologische Modernisierung, bei der Wirtschaftswachstum und Nachhaltigkeit miteinander verbunden werden.

Die „Orientierungssuchenden“ (20 Prozent) sind der Überzeugung, dass man so nicht weitermachen kann. Sie sind aber unsicher, was konkret getan werden kann und sorgen sich um ihren gewohnten Lebensstandard.

Die „Wachstumsorientierten“ (17 Prozent) haben volles Vertrauen in Marktmechanismen und Wirtschaftswachstum. Sie sind der Überzeugung, dass wir, was die Umwelt betrifft, bereits auf einem guten Weg sind.

Die „Umweltpassiven“ (27 Prozent) interessieren sich nur wenig für Umweltthemen, und ihre Bereitschaft zu nachhaltigem Verhalten ist gering.

Methoden-Steckbrief:

  • Onlinebefragung: durchgeführt vom unabhängigen Institut forsa/Marplan
  • Grundgesamtheit: deutschsprachige Personen ab 14 Jahren, die in Privathaushalten in Deutschland leben
  • Stichprobe: N=2.117

Die gesamte Studie gibt es zum Download unter: http://www.umweltbundesamt.de/publikationen/umweltbewusstsein-in-deutschland-2014

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