The Age of Stupid – Warum tun wir nichts?

Nach Gaias Rache von James Lovelock, der die Menschen bis ins Jahr 2100 aufgrund einer neuen, durch Treibhausgase hervorgerufenen, „Heißzeit“, als weitestgehend dezimiert prophezeit, folgt nun die nächste Hiobsbotschaft. Ein Film, der das Ergebnis unseres heutigen Handels aus Sicht des Jahres 2055 zeigt. Ein fatales Ergebnis, das den Prophezeiungen aus Gaias Rache in nichts nachsteht. Der Film reflektiert, ohne den moralischen Zeigefinder zu erheben, die Ereignisse und Probleme, die zu der katastrophalen Situation geführt haben, welche uns in diesem fiktiven Jahr erwartet. Und uns unweigerlich zur Frage führt: Warum haben wir nichts unternommen, als es noch nicht zu spät war?

Die Rede ist von „The Age of Stupid“, einer Dokumentation im Gewand eines futuristischen Weltuntergang-Thrillers.

Das teilanimierte „Doku-Drama“ von 2008 wurde von dem Produzenten und Oskarpreisträger John Battsek, der jungen Produzentin Lizzy Gillet und der Regisseurin Franny Armstrong produziert und durch das sogenannte ‚crowd-funding‘ Modell finanziert. Private Gruppen und Personen erwarben Anteile am Film und finanzierten so den größten Teil des Budgets von immerhin ca. 500.000 EUR.

Der Film erschien erstmals im Jahr 2009 in Großbritannien. Bei der Premiere, die in einem nur mit Solarenergie betriebenen Kino stattfand, reisten viele der prominenten Gäste mit dem Fahrrad an, um so die Botschaft des Films zu verdeutlichen. Das „Dokudrama“ erschien am 3. Juni 2010 nun auch erstmals in Deutschland und wurde von der Presse mit Begeisterung aufgenommen.

Das Team reiste in sieben verschiedene Länder und besuchte und begleitete die im Film erscheinenden Protagonisten über einen Zeitraum von etwa drei Jahren in ihrem täglichen Leben. So entstanden die Lebensgeschichten sechs verschiedener Menschen, die sich im Laufe des Films zu einem Handlungsstrang verknüpfen.

Das Jahr 2055. Die Kamera fliegt über ein tief im Sand versunkenes Las Vegas und zeigt  Schreckensbilder vom brennenden Opernhaus in Sydney bis hin zu Geiern, die sich an menschlichen Überresten vor dem Taj Mahal in Indien gütlich tun. Dann rast der Zuschauer in der Vogelperspektive über ein völlig eisfreies Meer, 800 Kilometer nördlich von Oslo, in der Arktis. Es kommt ein gewaltiger Turm in Sicht. Dieser wird als Global Archiv vorgestellt, ein Bauwerk auf dessen Spitze man Windräder und Solarzellen zur Stromerzeugung entdeckt und gewaltige Sattelitenschüsseln in den Himmel ragen. Im Inneren des Gebäudes befindet sich alles, was von der menschlichen Rasse und der Flora und Fauna übrig geblieben ist. Die Kulturgüter unserer Zivilisation auf der einen Ebene, konservierte Tierarten unseres Planeten auf der anderen.

Und dann, mit einem Hauch von Ironie, nähert sich der Archivar des Turms auf einem alten, klapprigen Fahrrad. Und teilt dem Zuschauer mit:

All das, was wir hier sehen, ist das Ergebnis unseres Verhaltens bis ins Jahr 2015. Mit anderen Worten: „Wir hätten uns retten können.“

Die nun folgenden Ausschnitte, die sich der Archivar, gespielt von dem britischen Schauspieler Pete Postlethwaite, rückblickend auf seinem digitalen Bildschirm ansieht, zeigen die wahren Geschichten von sechs Menschen sowie Fernsehbeiträge aus der Zeit von 1950 bis 2008. So schafft „The Age of Stupid“ ein miteinander verbundenes Gesamtbild, das dem Zuschauer den „ganz normalen Wahnsinn“ unserer Zeit aufzeigt. Und damit die Gründe, die in der fiktiven Zukunft schließlich dazu geführt haben, dass der Archivar der letzte der menschlichen Rasse ist.

Warum ist der Mensch nicht in der Lage, all die Zeichen und Offensichtlichkeiten zu erkennen, die auf den drohenden Untergang hinweisen? Warum können wir unseren Lebensraum nicht bewahren?

Der Film zeigt durch seine Geschichten die Gründe für unser unverantwortliches Handeln:

Die Menschheit strebt, ohne auf die Folgen zu achten, nach immer steterem Wachstum und geht an ihrem Größenwahn zugrunde. Der Archivar erinnert den Zuschauer am Ende des Films, dass wir nicht die erste Lebensform auf diesem Planeten sind, die ausstirbt. Nur sind wir die einzige, die es wissentlich tut. Doch warum lassen wir das geschehen?

Darauf gibt Alvin Duvernay, einer der sechs Protagonisten, am Ende des Films eine ebenso einfache wie erschreckende Erklärung. Weil wir einfach zu dumm und  ignorant sind, um etwas gegen den nahenden Tsunami zu unternehmen. Wir sehen die Katastrophe zwar kommen, lassen sie aber einfach weiter auf uns zurasen. Bis es zu spät sein wird, um noch zu fliehen. Unser heutiges Zeitalter sollte umbenannt werden, sagt er. In das Zeitalter der Dummheit. The Age of Stupid.

Der Archivar selbst kommt zu einer anderen Schlussfolgerung: Vielleicht sind wir uns einfach nicht wirklich sicher, es wert zu sein, gerettet zu werden.

Der Film „The Age of Stupid“ zeigt verständlich, warum wir, trotz des Wissens um die uns drohende Katastrophe, nicht in der Lage zu sein scheinen, wirklich etwas Handfestes dagegen zu unternehmen und hinterfragt den moralischen und physiologischen Nährboden, den die sechs Personen, stellvertretend für die gesamte Erdbevölkerung, bei Ihren Entscheidungen das Klima betreffend, fällen. Ein rundum gelungener Film, der auch in Schulen und Universitäten gezeigt werden sollte, um möglichst viel Verbreitung zu finden. Denn nicht umsonst steht hinter dem „The End“ am Ende des Films ein Fragezeichen. Noch haben wir es in der Hand, doch nicht als die letzten Vertreter des „Zeitalters der Dummheit“ in die Geschichte zu verschwinden. Doch die Zeit läuft uns davon.

Gleichzeitig mit dem Film wurde die internationale Kampagne 10:10 ins Leben gerufen. Diese hat das Ziel, möglichst viele Menschen und Unternehmen dazu zu bringen, noch im Jahr 2010 ihren CO² Ausstoß um 10 Prozent zu verringern.

Tobias Hartmann

Nach Gaias Rache von James Lovelock, der eine weitgehende Dezimierung der Menschheit bis ins Jahr 2100 aufgrund einer neuen, durch Treibhausgase hervorgerufenen „Heißzeit“ prophezeit, folgt nun – mit ähnlicher Hiobsbotschaft – ein Film, der das Ergebnis unseres heutigen Handels aus Sicht des Jahres 2055 zeigt. Der Film reflektiert, ohne den moralischen Zeigefinder zu erheben, die Ereignisse und Probleme, die zu der katastrophalen Situation geführt haben, welche uns in diesem fiktiven Jahr erwartet. Und uns unweigerlich zur Frage führt: Warum haben wir nichts unternommen, als es noch nicht zu spät war?

Die Rede ist von „The Age of Stupid“, einer Dokumentation im Gewand eines futuristischen Weltuntergang-Thrillers.

Das teilanimierte „Doku-Drama“ von 2008 wurde von dem Produzenten und Oscarpreisträger John Battsek, der Produzentin Lizzy Gillet und der Regisseurin Franny Armstrong produziert und durch das sogenannte ‚crowd-funding‘ Modell finanziert. Private Gruppen und Personen erwarben Anteile am Film und finanzierten so den größten Teil des Budgets von immerhin zirka 500.000 Euro.

Der Film erschien erstmals im Jahr 2009 in Großbritannien. Bei der Premiere, die in einem nur mit Solarenergie betriebenen Kino stattfand, reisten viele prominente Gäste mit dem Fahrrad an, um so die Botschaft des Films zu verdeutlichen. Am 3. Juni 2010 erschien das „Dokudrama“ nun auch erstmals in Deutschland und wurde von der Presse mit Begeisterung aufgenommen.

„The Age of Stupid“ zeigt verständlich, warum wir – trotz des Wissens um die uns drohende Katastrophe – nicht in der Lage zu sein scheinen, wirklich etwas Handfestes gegen die Gefahr zu unternehmen und hinterfragt den moralischen und physiologischen Nährboden, den die sechs Protagonisten, die stellvertretend für die gesamte Erdbevölkerung stehen, bei Ihren klimarelevanten Entscheidungen, fällen. Ein rundum gelungener Film, der auch in Schulen und Universitäten gezeigt werden sollte, um möglichst viel Verbreitung zu finden. Denn nicht umsonst steht hinter dem „The End“ am Ende des Films ein Fragezeichen. Noch haben wir es in der Hand, doch nicht als die letzten Vertreter des „Zeitalters der Dummheit“ in die Geschichte zu verschwinden. Doch die Zeit läuft uns davon.

Für den Film reiste das Team in sieben verschiedene Länder und besuchte beziehungsweise begleitete unterschiedliche Personen über einen Zeitraum von etwa drei Jahren in ihrem täglichen Leben. So entstanden die Lebensgeschichten sechs verschiedener Menschen, die sich im Laufe des Films zu einem Handlungsstrang verknüpfen.

Gleichzeitig mit dem Film rief Franny Armstrong die internationale Kampagne 10:10 ins Leben. Diese hat das Ziel, möglichst viele Menschen und Unternehmen dazu zu bringen, noch im Jahr 2010 ihren CO2 Ausstoß um 10 Prozent zu verringern.

Tobias Hartmann

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