Die ökologische Geschäftsidee mit dem Müll

TerraCycle Büro

Abfall ist nicht gleich Abfall. Er kann vielmehr für die Herstellung weiterer Produkte verwendet werden und dabei einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Wie, das zeigt der gebürtige Ungar Tom Szaky mit seiner Firma TerraCycle.

Obwohl sich das Geschäftsmodell als etwas ungewöhnlich herausstellt, konnte das Unternehmen im letzten Jahr etwa elf Millionen Euro einnehmen. Teilnehmen kann jedermann, das Konzept basiert dabei auf Geben und Nehmen: Privathaushalte, Schulen oder Vereine können sich bei TerraCycle für ein Sammelprogramm registrieren. Jede der einzelnen Gruppen konzentriert sich bei ihrer Sammlung auf eine „Abfallsorte“, wie Stifte, Chipstüten oder Trinkpäckchen. Die Sammler können ihren Müll nun kostenlos an TerraCycle schicken. Für jedes Müllstück bekommen sie ein paar Cent gutgeschrieben, die anschließend für einen wohltätigen Zweck gespendet werden.

Das Unternehmen stößt auf großen Zuspruch: Etwa 85 Prozent des durch ehrenamtliche Helfer zusammengetragenen Abfalls in mittlerweile 20 Ländern können dadurch wiederverwertet werden. So entstehen beim Recyceln aus Stiften Gießkannen oder Mülltonnen. Noch erfolgversprechender gestaltet sich das Upcycling: Das Ausgangsmaterial wird hierbei nicht zerlegt, sondern es wird ein völlig neues und höherwertiges Produkt entwickelt, wie beispielsweise eine Tasche aus Trinkpäckchen oder ein Drache aus Chipstüten. Noch sind die etwa 1.500 in Amerika erhältlichen Artikel nicht bei uns verfügbar, doch sollen sie in Deutschland bald online bestellt werden können.

Auch weltweit führende Unternehmen, wie Kraft Foods oder der Kosmetikhersteller L´Oréal, haben die Ökofirma mittlerweile zur Aufwertung ihres Image entdeckt. Sie zahlen für die Verschiffung, die Spende, die Verarbeitung und Abwicklung des Produktionsvorgangs bei TerraCycle. Im Gegenzug drucken die Firmen das Logo von TerraCycle auf ihre Verpackungen. In Deutschland bestehen zurzeit neben einer Kooperation mit dem Schreibwarenhersteller BIC zwei weitere Programme: Abgesehen von Stiften sammelt TerraCycle Trinkpacks in Kooperation mit Capri-Sonne Bio-Schorly und bietet ein Programm für das Recycling von Druckerpatronen und Tonern an. Weitere Programme sollen hinzukommen. In den USA verschicken derzeit fast 27 Millionen Bürgerinnen und Bürger aus 43 verschiedenen Sammelprogrammen ihren Müll, wodurch 43 Millionen Euro für einen wohltätigen Zweck gespendet wurden.

Durch den CO2-Ausstoß der internationalen Verschiffung des Abfalls und dessen Weiterverarbeitung in China schadet die Produktionsweise der Umwelt jedoch mehr, als dass das Recyceln Nutzen bringt, so Kritiker. Szaky hält dagegen: Kohlenstoffemissionen entstehen vor allem bei der Produktion der Artikel – sie machen 90 Prozent aus, nicht die Verschiffung. Indem er die bisher nicht recycelbaren Erzeugnisse zu hochwertigen Produkten verwertet würden Emissionen verringert werden. Und Abfall ist eben nicht gleich Abfall.

Luisa Egenlauf

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  • Wir produzieren mit dem System “BioTech“ aus unsortierten Stadtmüll Strom CO² frei – und hochwertigen Humus. Das übrigbleibende wird umweltfreundlich recycled, diese Kohlenstoffemissionsfreie Verarbeitung verdient Geld, spart unmengen an Kunstdünger ein und benötigt keine langen Transportwege per Schiff, Bahn oder LKW ! Dieter Wagenbrenner