Teller statt Tonne

Brot

Eine Zwei-Drittel-Portion Schweinshaxe in der Traditionsgaststätte. Brot und süße Teilchen vom Vortag in einem eigenen Verkaufsladen. Ein halbvoller Buffet-Teller, der stehen gelassen wird und für den der Gast einen Obolus zahlen muss. Alles Beispiele, die in Deutschland bereits Realität sind, für Aufsehen sorgen und letztendlich, was das Wichtigste ist, auch funktionieren. Initiiert von Menschen, die aus unserer gedankenlosen Konsumgesellschaft ausbrechen.

Wie viele Tonnen Lebensmittel es wirklich sind, die wir jährlich auf unsere Müllhalden werfen, spielt nicht die entscheidende Rolle. Jedes Stück Fleisch, jeder Laib Brot, der von uns nicht gegessen und entsorgt wird, ist zu viel.

Glaubt man Fachleuten, fällt bei der Vernichtung von einer Tonne Nahrungsmüll eine Tonne CO2 an. Die Zuständigkeit in der Politik obliegt der Verbraucherministerin. Ilse Aigner hat nie versucht, ihre Überforderung bei dem Thema zu überspielen.

Ihre Aktion „Zu gut für die Tonne“ bestach durch einen gelungenen medienwirksamen Auftritt und das sofortige Verpuffen in den darauffolgenden Tagen. Seitdem glänzt das Ministerium durch Tatenlosigkeit.

Dabei wäre alles so leicht. Nur ein bisschen über seinen eigenen Tellerrand schauen. Rüber auf die Insel. Großbritannien hat bereits 2007 die Industrie, Gastronomie und den Einzelhandel an die Kandare genommen. Ergebnis innerhalb ein paar Jahren: Der Nahrungsmüll wurde seitdem um über dreizehn Prozent reduziert.

Trotz allem: Politik kann Verordnungen und Gesetze erlassen. Eines kann sie nicht: Gewissensbisse in unseren Köpfen erzeugen. Wenn wieder einmal der halbe Laib Brot von vorgestern in der Plastiktüte unter der Spüle verschwindet. Oder wenn wir unseren halbvollen Teller dem Kellner in die Hände drücken mit den Worten: „Tut mir leid, ich kann nicht mehr. Das Buffet ist einfach so lecker.“

Dieser inneren Stimme wird hierzulande immer mehr Gehör geschenkt. Eine wunderbare Entwicklung.

Florian Simon Eiler

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