Verkaufsstopp von tierquälerischen Angora – Produkten

Angora - Kaninchen müssen oft Qualen leiden

Angorawolle ist heute ein fester Bestandteil der Modeindustrie. Sie wird durch das Rupfen oder Scheren von Angorakaninchen gewonnen. Doch um das Material zu kommen, müssen Tiere oft unvorstellbare Qualen erleiden.

Ende 2013 konnten Ermittler der Tierschutzorganisation PETA die schrecklichen Bedingungen, unter denen die Tiere bei Haltung und Schur zu leiden haben, durch versteckte Video-aufnahmen dokumentieren. Nachdem diese erschreckenden Bilder um die Welt gegangen waren, gaben viele Einzelhändler sofort bekannt, künftig auf Angoraprodukte verzichten zu wollen. Nun folgen auch der Kaffeeröster und Discounter Tchibo und der spanische Textilriese Inditex diesem Beispiel. Die Medien nannten das am Freitag einen großen Erfolg für den Tierschutz.

90 Prozent der weltweit produzierten Angorawolle stammt von Tieren aus China. PETA Asia ermittelte Ende 2013 verdeckt auf einer Angorafarm in China. Die Filmaufnahmen, die dabei entstanden, zeigen wie brutal die Arbeiter dort scheinbar routinemäßig bei der „Ernte“ der Wolle vorgehen. Das Video ist erschreckend:

Den Kaninchen wird bei vollem Bewusstsein das Fell ausgerissen oder herausgeschnitten. Sie sind dabei entweder auf einer Streckbank fixiert oder hängen an Seilen von der Decke. Das ist für diese natürliche Fluchttiere eine traumatische Erfahrung und sie geben während der Prozedur schreckliche Schmerzens- und Angstschreie von sich. Nach dieser Tortour werde sie drei Monate in winzigen Einzelkäfigen gefangen gehalten – bis die nächste „Ernte“ und damit ihr Martyrium von vorne beginnt. Nach zwei bis fünf Jahren werden die überlebenden Angorakaninchen aufgehängt, ihnen wird die Kehle durchgeschnitten und ihr Körper danach verkauft.

Nachdem das schockierende Video veröffentlicht wurde, teilten viele Textilhersteller und Einzelhändler sofort mit, Angorawolle und Angorabeimischungen aus ihren Sortiment zu nehmen. Unter den mittlerweile 70 Topmarken und Einzelhändlern auch so bekannte Hersteller wie H&M, Calvin Klein, Tom Tailor, Marc O´Polo, Esprit, C&A und Lacoste. Nun hat sich auch der deutsche Kaffeeröster und Textildiscounter Tchibo entschlossen, definitiv keine weiteren Angoraprodukte mehr zu vertreiben.

Bereits Anfang 2014 hatte das Unternehmen als Reaktion auf die PETA Recherche einen Einkaufsstopp für Angorawolle verkündet. Nach weiteren Gesprächen mit der Tierschutzorganisation verlängert Tchibo diese Maßnahme jetzt unbefristet. PETA Deutschland teilte am 4. Februar 2015 auf seiner Website mit, Einzelhändler Tchibo stelle ab Februar 2015 den Verkauf von Angoraprodukten ein. Das sei eine klare Entscheidung im Sinne des Tierschutzes.

Stefan Dierks, Category Leader CR Product & Strategy bei Tchibo sagte dazu, laut einer Pressemitteilung von PETA Deutschland, „Wir streben eine zu 100 Prozent nachhaltige Geschäftstätigkeit an. Dazu gehört für uns, soziale und ökologische Verantwortung zu übernehmen. Daher sind wir bei unserem Einkaufsstopp für Angoraprodukte geblieben und werden keine Angoraprodukte mehr anbieten.“

Ein weiterer großer Erfolg der Tierschutzorganisation: Auch das spanische Bekleidungsunternehmen „Inditex“ gab Anfang der Woche bekannt, künftig keine Angoraprodukte mehr zu verkaufen. Inditex ist der größte Textileinzelhändler der Welt, ihm gehören Marken wie Zara, Pull&Bear, Massimo Dutti und Bershka. Angoraprodukte, die bereits hergestellt worden sind, sollen auch nicht mehr verkauft werden, teilte PETA mit. Inditex verzichte auf den Gewinn und spende die Textilien im Wert von fast 900.000 US- Dollar stattdessen an syrische Flüchtlinge im Libanon.

„Dank der großzügigen Spende von Inditex ist es PETA möglich, diesen Winter eine wichtige Botschaft zu Mitgefühl gegenüber Tieren in die Welt zu senden: Einzig Menschen, denen es an lebensnotwendigen Gütern fehlt, haben eine Entschuldigung dafür, ein Fell zu tragen, das einem lebenden Tier aus dem Körper gerissen wurde“, so PETA-Vorsitzende Ingrid E. Newkirk. „Wir appellieren an alle anderen Einzelhändler, die diese Kaninchenqual-Produkte noch immer vermarkten, dem Beispiel von Inditex und anderen schnellstmöglich zu folgen – sonst werden ihnen die Kunden mit dem Geldbeutel in der Hand weglaufen.“ 

„Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie anziehen“ – Leitsatz von PETA.

Sollten auch sie nicht einverstanden sein, mit den erschreckenden Lebensbedingungen der Kaninchen und etwas dagegen unternehmen wollen, empfiehlt PETA folgendes: (aus PETA Artikel: Angorawolle – Horror für Kaninchen)

Streichen sie Angora aus ihrem Kleiderschrank und kaufen sie keine weiteren Angorawollprodukte. Listet das Bekleidungslabel „Angora“ auf, dann lassen Sie den Pullover oder die Jacke im Regal. 

Tragen und kaufen Sie tierfreundliche Materialien. Tencel oder Viskose aus Pflanzenfasern sind atmungsaktiv, haltbar und biologisch abbaubar. Lyocell (aus Zellulose) hat den gleichen weichen Griff wie Angora und ist feuchtigkeitsabweisend. Weitere Alternativen zu Wolle sind auch Polyestervlies, synthetisches Shearling, Sisal, Bambus, Baumwollflanell, Vlies, Acryl und Sojaseide.

1 Kommentar

  • Es ist erschreckend, was der Mensch anderen Individuen antut, um seine Bedürfnisse zu befriedigen und dass die Konsumenten gar nicht um diese „Erntemethoden“ wissen. Super, dass immer mehr Unternehmen da Verantwortungsbewusstsein zeigen. Was mich allerdings immer wieder überrascht und entsetzt ist, was Menschen einander antun – im Namen von Religion oder Nation oder Tradition oder was auch immer die Rechtfertigung ist. Meistens läuft es im Endeffekt eh auf Geld- oder Machtgewinn hinaus.