Super Cool Biz – Stylisch für die Umwelt

In der japanischen Geschäftswelt herrscht normalerweise eine strenge Kleiderordnung. Dunkle Anzüge für die Männer in Verbindung mit Hemd und Krawatte, für Frauen ist zurückhaltendes Kostüm angesagt. Doch ein gesteigertes Umwelt- und Energiebewusstsein haben zu einem Umdenken geführt. Im Jahr 2005 hat das japanische Umweltministerium die Kampagne ‚Cool Biz‘ gestartet. Strenge Geschäftskleidung darf in deren Namen im Sinne von Energiesparbedenken im Sommer nun etwas lässiger getragen werden.

Kleider machen nicht mehr nur Leute, sondern sollen auch zum Klimaschutz beitragen. Die Kampagne hat eine Minderung des Energieverbrauchs durch Klimaanlagen zum Ziel. Auf freiwilliger Basis sollen in den heißen Sommermonaten die Büroräume nur noch auf 28 Grad Celsius statt auf 26 Grad Celsius gekühlt werden. Im Gegenzug dürfen die Angestellten ihre strenge Bürokluft etwas lockern.

Ein offener Hemdkragen (gern am kurzärmeligen Hemd) und die fehlende Krawatte wirken damit nicht mehr schluderig, sondern signalisieren „Ich spare Strom“.

Da aufgrund der jüngsten Ereignisse die Stromversorgung in Japan noch angespannter ist, heißt das allerneueste Motto jetzt ‚Super Cool Biz‘. Das Umweltministerium hat in Tokyo eigens eine Modenschau veranstaltet und damit den neuen Trend vorgegeben. In Polohemd und Bermudashorts ins Ministerium, Khakihosen und T-Shirt hinterm Bankschalter; so stellt man sich das neue Umweltbewusstsein vor. Die Regierung empfiehlt den Angestellten, vor allem im Großraum Tokyo, uniforme Geschäftskleidung gegen Freizeitdress einzutauschen. Tatsächlich kühlt sich die Körpertemperatur durch die luftigere Kleidung auf mehrere Grad Celsius ab – und die Klimaanlage kann einige Stufen heruntergedreht werden. ‚Cool Biz‘ beginnt normalerweise am 1. Juni, wegen der Stromengpässe wurde ‚Super Cool Biz‘ in diesem Jahr auf den 1. Mai vorverlegt. Umweltminister Ryu Matsumo sieht in ‚Cool Biz‘ und ‚Super Cool Biz‘ aber nicht nur ein Energiesparkonzept. Man solle die Lebensweise ingesamt ändern und die Geschäftswelt lockerer machen, so seine Worte.

Allgemeinen Anklang findet das gutgemeinte Konzept bei den konservativen Japanern nicht. Die Präfekturregierung von Iwate, wo die Verwüstungen nach dem diesjährigen Erdbeben besonders stark sind, versperrt sich beispielsweise mit Empörung dem Konzept. Auch in Tokyo finden sich noch vergleichsweise wenige Nachahmer. Scheinbar hat die gerade erst überstandene Katastrophe noch nicht zu dem gewünschten Umdenken geführt.

Übrigens gibt es auch für die Wintermonate das passende Pendant: ‚Warm Biz‘. Um Heizkosten zu sparen darf man sich in der kühleren Jahrezeit fürs Geschäftsessen souverän im selbstgestrickten Norweger zeigen und Energiebewusstsein demonstrieren ohne Hinterwäldlerisch dazu stehen. Das ist doch mal was.

Josephin Lehnert

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