Strom unter den Füßen

Strom unter den Füßen

Die erste Revolution fand bekanntlich in Frankreich statt. Was zurzeit in der südfranzösischen Stadt Toulouse vor sich geht, kann ebenfalls durchaus revolutionär genannt werden: Ein Teil der städtischen Gehsteige wurde so präpariert, dass die von den Passanten beim Flanieren erzeugte Energie in Elektrizität für den Betrieb der Straßenbeleuchtung umgewandelt wird.

Die Demonstrationsanlage besteht aus in den Boden eingelassenen Plexiglasplatten, die mit Mikrosensoren versehen sind. Durch das Gewicht der Passanten werden die Platten um einen Zentimeter nach unten gedrückt – die Abwärtsbewegung sorgt schließlich für die Stromerzeugung. Geht eine einzige Person in normalem Tempo über die acht Meter lange Teststrecke, sorgt sie für eine Leistung von 50 Watt – genug Strom für den Betrieb der Lampen, die den Gehweg erhellen.

Flanieren mehr Passanten über das „intelligente Trottoir“, als für den Betrieb der Beleuchtung momentan nötig, wird die geschaffene Energie in Batterien gespeichert. So kann die Straße auch in den Abendstunden, wenn weniger Leute unterwegs sind, entsprechend beleuchtet werden.

Die örtlichen Behörden der Stadt, die bis jetzt 15.000 Euro investiert hat, sprechen von einer Weltpremiere. Doch der Einsatz der Technologie ist nicht ganz neu: Die Module, die sich in der Teststrecke im Zentrum der Stadt unter den Gehwegplatten befinden, wurden vom niederländischen Unternehmens Sustainable Dance Club (SDC) entwickelt.

Ursprünglich waren sie für den Einsatz in Nachtclubs gedacht und werden beispielsweise in der Öko-Disco „Watt“ in Rotterdam eingesetzt. Der Clou: Die Tanzenden können live miterleben, wie viel Strom sie gerade erzeugen. Denn je intensiver die Bodenplatten des Dancefloors leuchten, desto mehr Strom wird gerade erzeugt.

Toulouse ist zwar die erste, aber nicht die einzige europäische Stadt, die das Potential dieser Technologie erkannt hat. Die niederländische Stadt Rotterdam plant, das nicht eben kleine Stadion des lokalen Fußballvereins mit den Gehwegplatten auszustatten.

  • Das könnte Sie auch interessieren:
  • Ein Schuh der Extraklasse
  • Polymer-Folie als Generator

Legendäres Beispiel ist auch eine Partyreihe im Berliner Technoclub „Tresor“: Bei der „ersten klimaneutralen Clubnacht“ im 2007 wiedereröffneten Techno-Club, bezeichnenderweise ein ehemaliges Kohlekraftwerk, wurde die „High Voltage Party“ zelebriert. Ziel der Veranstalter war es, zu zeigen, dass es möglich ist, auch im Freizeitbereich klimaneutral zu leben. Der gesamte Energiebedarf der Party wurde dementsprechend ausschließlich von den tanzenden Gästen erzeugt.

Daniel Seemann

1 Kommentar