Schöne heile Welt

Nur 100 Orte, es hätten genauso gut 1.000 sein können, zeigt das außergewöhnliche, multimediale Projekt „100 Places“. Das Team um den dänischen Projektleiter und Ideengeber Soren Rud zeigt hierzu die schönsten Bilder bedrohter Orte weltweit. Anders, als viele andere Initiativen, setzt Rud darauf, dem Betrachter die Schönheiten der Erde näher zu bringen, anstatt mit Horrorbildern zu schockieren. Schließlich dürfte den Menschen hinlänglich bewusst sein, dass die Eisberge dank Klimawandel schmelzen oder Regionen wie Bangladesch immer öfter von Überschwemmungen heimgesucht werden. Das Team zeigt, welche Schönheiten der hohe Ausstoß des Treibhausgases alle vernichten kann – und zwar vor der eigenen Haustür – wenn nicht jeder einen Teil zur Lösung beiträgt!

Seit dem 29. Oktober strahlt der Nachrichtensender N24 rund um die Uhr die 60 Sekunden langen Spots zwischen den regulären Sendungen aus. Bis in den Januar 2010 hinein wird dadurch einem breiten Publikum der Zauber der schönsten Plätze der Erde vor Augen geführt – und die Gefahren, die der Klimawandel für diese Orte mit sich bringt. Höhepunkt der Berichterstattung wird eine Umweltwoche, passend zum UN-Klimagipfel am 7. Dezember in Kopenhagen sein, in der es in Interviews, Dokumentationen oder Liveschaltungen um die Bedrohung durch den weltweiten Klimawandel geht und Lösungsansätze gezeigt werden, wie diese Paradiese, die auf der ganzen Erde schlummern, hiervor bewahrt werden können.

Aber kann so ein Projekt wie „100 Places“ überhaupt irgendetwas bewirken? Ja, denn es geht nicht nur um abgelegene Regionen, die für uns „weit genug entfernt“ sind, um schnell wieder verdrängt zu werden, sondern um das, was direkt vor unserer Tür und in unserer unmittelbaren Nachbarschaft passiert. So zeigt das 100 Places-Team nicht nur die beeindruckende Bilder von der Antarktischen Halbinsel, dem Great Barrier Reef oder dem Okawangodelta, sondern auch die Bedrohung bei uns: Halligen der Nordsee, die durch einen Anstieg des Meersspiegels zu versinken drohen, ebenso wie das niederländische Rotterdam oder das dänische Wattenmeer. Orte, von denen kaum jemand gedacht hätte, dass sie vom Klimawandel bedroht sind, werden in faszinierender Weise vorgeführt. Auch Millionenmetropolen wie Manhattan, mit den traumhaften Luxusdomizilen und unzähligen Wolkenkratzern an der Mündung des Hudson Rivers, bleiben vom Klimawandel nicht verschont und sollen, laut Prognosen, bereits in wenigen Jahrzehnten regelmäßig überflutet werden.

Hauptverantwortlicher für diesen Effekt: der Mensch – jeder Mensch, hiervon kann sich niemand freisprechen! Die meisten Experten sind sich mittlerweile einig, dass der Temperaturanstieg auf der Erde dem Treibhausgas Kohlenstoffdioxid zuzuschreiben ist, welches in hohem Maße vom Menschen erzeugt wird. 1,5 – 2,5 Grad Celsius reichen aus, um bis zu 30 Prozent der vom IPCC (Weltklimarat) beobachteten bedrohten Arten unwiderruflich auszurotten. Wird nichts unternommen, diese Emissionen zu senken, wird in den nächsten 90 Jahren ein Temperaturanstieg von bis zu sechs Grad Celsius vorhergesagt, was einen ganzen Rattenschwanz an Katastrophen mit sich bringen würde. Durch ein Ansteigen der Temperatur erhöhen sich auch die Wassertemperaturen unserer Meere und mit ihr der Säuregehalt der Ozeane. Die Folgen liegen auf der Hand und gehen noch viel weiter. Hurrikans und Wirbelstürme ziehen ihre Kraft aus der Wärme des Wassers, steigt die Meerestemperatur, steigt auch die zerstörerische Kraft der ohnehin schon verheerenden Stürm, was wiederum auch politische Folgen hätte. Schon jetzt in Indien zu beobachten, wo ein mit Stacheldraht bestückter Grenzzaun die Flüchtlingsströme aus dem von Überschwemmungen geplagten Nachbarland Bangladesch gewaltsam stoppen soll.

Ob der Klimawandel noch aufgehalten werden kann oder wir eines Tages hautnah solche Szenarien bei uns erleben, liegt einzig und allein in der Hand eines Jeden. Eines steht jedenfalls fest, das Klima ändert sich und der Mensch kann sich auch noch ändern, er muss nur damit anfangen, bevor es zu spät ist!

Judith Schomaker

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