Saubere Riesen unter sich

Waschen gehört seit jeher zu den Grundbedürfnissen der Lebewesen auf unserem Planeten. Katzen, ob groß oder klein, unterziehen sich einer kurzen, oberflächigen Wascherei.

Für Linguistiker die Motivation für den Begriff „Katzenwäsche“. Noch trockener ging und geht es bei den Orang-Utans zu. Da holt das Weibchen in diffiziler Handarbeit die Läuse aus dem Fell des Chefs.

Diese Art von Reinemachen wurde angeblich auch von unserem Vorfahren, dem Homo erectus, praktiziert. Bloß gab und gibt sich das Menschengeschlecht, wie man weiß, nie mit irgendetwas zufrieden. Ein paar Jahre später wusch sich irgendjemand das erste Mal seine Hände in Unschuld. Danach wusch man Geld, und irgendwann befreite man sich selbst von Dreck und Schweiß. Mit Seife und allerlei Tinkturen.

Heute, und das ist der nächste Schritt in der Evolution, wäscht man sich nicht allein, sondern gleich seinen Kollegen mit. Und hat man den in der Trommel, packt man gleich die ganze Abteilung mit rein. Den Vorstand mit seiner Ressourcen-auffressenden und profitgeilen Unternehmenspolitik, die zahlenneurotischen Controller von nebenan und den Hausmeister. Drückt auf 60 Grad Buntwäsche, gibt vorher noch einen großen Becher „grüner Megapearls“ hinzu. Und dann los.

Das Ergebnis ist ein strahlend-sauberes Unternehmen: Ein Spielzeughersteller verkauft „Toys go green“. Einer der größten Lebensmittelkonzerne ist vor lauter Nachhaltigkeit kaum mehr wiederzuerkennen, so clean ist er. Und ehedem kriminelle Banker haben das ethisch-verantwortungsvolle Investment für sich erkannt.

Greenwashing ist der neue Wachstumsfaktor. Kreative PR-Agenturen verdienen Millionensummen damit, ihr Klientel grün einzufärben. Die Vorstellung der neuen Unternehmenskodices findet im gerade fertiggestellten Businessforest statt. Der Vorstandsvorsitzende schlüpft in sein fair produziertes T-Shirt, garantiert ohne Pestizide. Die Pressemeute bekommt Holzkugelschreiber, und die Häppchen am Ende sind aus nachhaltiger Landwirtschaft und heißen „Gretl-Stulle“ oder „Elbe-Aufstrich“. Klasse! Selbst als verantwortungsvollem Verbraucher wird einem bei so viel Blattgrün die Birne ordentlich weich gespült. Doch nach zwei, drei Tagen hört jede noch so gut gewaschene Wäsche auf zu duften.

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Der drollige Energieriese, der uns noch vorgestern erzählt hat, wie wichtig ihm erneuerbare Energie sei, produziert nur zwei Prozent aus derselbigen. Damit uns ein namhafter Lebensmittelkonzern seine nachhaltigen Kekse unter die Nase halten kann, wird in Borneo illegal Regenwald für das „grüne“ Palmöl gerodet. Greenwashing ist dreist. Sauber bleibt langfristig nur die Bilanz der Konzerne, und mancher Manager entpuppt sich als knitterfaltiger Waschlappen.

Da bleiben wir doch lieber bei unserem alten Riesen und freuen uns an seiner endlosen weißen Wäscheleine.

Florian Simon Eiler

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