Regenwaldschutz statt CO2-Abscheidung

Regenwald

Die industrielle Abscheidung von CO2 ist nicht nur bei Umweltschützern und Anrainern potentieller unterirdischer Lagerstätten umstritten. Dass es nicht unbedingt nach einer vernünftigen und umweltfreundlichen Lösung klingt, das Treibhausgas statt in die Atmosphäre tonnenweise unter die Erde zu pumpen, liegt ohnehin auf der Hand. Mich erinnert es erschreckend an das Problem der ungelösten Entsorgung von radioaktivem Müll aus Atomkraftwerken und ich kann nicht ganz nachvollziehen, warum auch hier wieder einmal Milliarden in die Erforschung einer Technologie gepulvert wird, die uns längerfristig nur noch weitere Probleme bescheren dürfte.

Um der Klimaerwärmung einigermaßen Einhalt zu gebieten, wird ohnehin nur die massive Reduzierung der verschiedensten Emissionen helfen, alles andere geht am Ziel vorbei, statt das Problem an der Wurzel zu packen.

Auch der bekannte Humanökologe Peter Weish von der Wiener Universität für Humankultur sieht in der CO2-Abscheidung in einem Interview keinen ernsthaften Lösungsansatz. Laut Weish handelt es sich bei der unterirdischen Lagerung – auch Sequestrierung genannt – um eine „klassische ‚End of Pipe‘-Technologie, die den falschen Eindruck erweckt, dass dem Problem der CO2-Emissionen mit technischen Mitteln beizukommen sei.

Laut dem österreichischen Wissenschaftler ist die Abscheidung mit geschätzten Kosten zwischen 50 und 150 Euro pro Tonne auch in finanzieller Hinsicht wesentlich teurer als Maßnahmen zur Vermeidung von Emissionen. So werden bei der Zerstörung eines Hektars Regenwald rund 600 Tonnen Kohlendioxid freigesetzt und eine solche Rodung zu verhindern, kostet umgerechnet lediglich 12 Cent pro Tonne.

Aus dieser Perspektive sind die vorherrschenden günstigen Grundstückpreise der tropischen Regionen durchaus positiv, denn mit relativ geringem Budget können verhältnismäßig große Areale vor der Zerstörung bewahrt werden. In Ecuador und Paraguay kostet ein Hektar Regenwald beispielsweise rund 70 Euro inklusive der anfallenden Anwaltskosten. Das ist andererseits aber auch ein beträchtlicher Teil des Problems, denn für multinational agierende Konzerne ist es dadurch ein Leichtes die Zerstörung der Tropenwälder im großen Stil zu finanzieren.

Aus diesen Gründen plädiert Weish gegen die großtechnische Abscheidung und für ein groß angelegtes Schutzprogramm und die gezielte Wiederaufforstung des Regenwaldes. Neben der Vermeidung von CO2-Emissionen im großen Stil würde das auch anderen Problemen wie Artensterben, Bodenerosion, Wüstenbildung und Trinkwasserverknappung entgegen wirken und der lokalen Bevölkerung eine Zukunftsperspektive abseits von Armut und Hunger schaffen.

Matthias Schaffer

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