Physalia – Schwimmender Garten zur Wasserreinigung

Laut dem UNESCO-Weltwasserbericht von 2009 war Wasser niemals zuvor so gefragt wie heute. Mit dem immer weiter steigenden Lebensstandard und einem Bevölkerungswachstum von jährlich fast 80 Millionen Menschen, wird sich die Lage in den nächsten Jahrzenten definitiv weiter zuspitzen und Wasserkriege wie im Nahen Osten möglicherweise zum Alltag. Vor allem in Entwicklungsländern verfügen rund drei Milliarden Menschen über kein sauberes Trinkwasser und etwa 80 Prozent der dort auftretenden Krankheiten sind auf die mangelhafte Wasserversorgung zurückzuführen.

Ein mögliches Puzzlestück für die Lösung des weltweiten Wasserproblems hat der belgische Architekt Vincent Callebaut entworfen. Wenn es nach seinen Vorstellungen geht, werden europäische Gewässer zukünftig von seinem schwimmenden Garten Physalia befahren und dabei gleichzeitig gereinigt. Das futuristisch anmutende Design des Schiffes ist passenderweise von der Natur inspiriert, wie man auch am Namen Physalia erkennen kann, der eine hochgiftige Quallenart namens Portugiesische Galeere bezeichnet.

Bei derart gewaltigen Ausmaßen wie einer Länge von 80 Metern, einer Breite von 14,9 Metern und einer Höhe von 9,5 Metern denkt man allerdings weniger an eine Qualle, als an einen Wal. In der Tat wirkt Physalia ein wenig wie der mächtig aufgetunte kleine Bruder des, seit seinem Reinigungseinsatz im Golf von Mexiko bekannten, Supertankers A Whale.

Und ähnlich ist schließlich auch die Aufgabe von Physalia, nämlich die Reinigung industriell verschmutzter europäischer Flüsse wie der Donau oder der Seine. Dabei wird das verunreinigte Wasser mit einer hydraulischen Pumpe auf das Dach transportiert, wo es gereinigt und anschließend wieder in das Gewässer zurück gepumpt wird. Die Reinigung erfolgt dabei einerseits durch spezielle Pflanzen und andererseits durch eine Titandioxid-Oberfläche, die unter UV-Strahlung für sauberes Trinkwasser ohne chemische Zusätze sorgt.

Eine weitere Besonderheit der Physalia ist die nachhaltige Energieversorgung, denn nach den Vorstellungen des Designers Vincent Callebaut soll Physalia mehr Energie erzeugen als verbrauchen. Dabei werden die Motoren einerseits durch, in das Dach eingearbeitete, Solarzellen betrieben und zusätzlich sollen Hydro-Turbinen am Rumpf des Schiffes den, durch die Fahrt entstehenden, Wasserstrom in Energie umwandeln.

Das klingt nach einer wirklich verheißungsvollen Idee, für die Vincent Callebaut hoffentlich auch diverse Investoren begeistern kann. Ich drücke auf jeden Fall die Daumen, dass Physalia in einigen Jahren beispielsweise das futuristische Design der Grazer Innenstadt komplettiert und zwischen Murinsel und Kunsthaus das verunreinigte Wasser der Mur säubert. Was für ein Anblick!

Matthias Schaffer

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