Paul Watson – Held oder Ökoterrorist?

Paul Watson

In Zeiten, in denen Dokumentarfilme über das sinnlose Abschlachten von Delphinen (Die Bucht) oder über den Klimawandel und dessen Folgen (The Age of Stupid) immer mehr Menschen erreichen und zu einem Umdenken bewegen, steigt die Anzahl der Umweltschützer- und Aktivisten. Doch die Vorgehensweisen sind verschieden. Manche versuchen auf friedlichem Wege, zum Beispiel mit Lichterketten, auf die Umwelt- und Klimaprobleme aufmerksam zu machen. Andere gehen auf die Straße und protestieren auf öffentlichen Plätzen und vor Regierungsgebäuden. Und dann gibt es diejenigen, denen auch das noch viel zu wenig ist. Unter dem Motto „Der Zweck heiligt die Mittel“, greifen sie zu besonders radikalen Methoden.

Unter ihnen gibt es einen Mann, der als besonders aktiv, kontrovers und vor allem polarisierend gilt. Die Rede ist von Paul Franklin Watson, geboren am  2. Dezember 1950 in Toronto, Kanada. Watson ist Mitbegründer von Greenpeace und rief, nachdem er die Organisation im Streit verließ, die Sea Shepherd Conservation Society ins Leben – eine der global radikalsten und kompromisslosesten Organisationen, wenn es um das Thema Tier- und Umweltschutz geht.

Bereits im Alter von acht Jahren bewies Paul Watson seine Liebe zu allen lebendigen Wesen dieses Planeten. Er rettete zwei Hummer, hielt diese als Haustiere und zerstörte zahllose Bieberfallen, die in den Wäldern seines Geburtsorts aufgestellt waren. Watson versucht, sein ganzes Leben dieser Tierliebe – durch die Hilfe und den Schutz aller wildlebenden Lebewesen – Ausdruck zu verleihen. Besonders der Schutz von Meeressäugern, wie Walen und Delphinen, ist sein großes Ziel. Er fordert vehement die Anerkennung sämtlicher, auf unserer Erde befindlichen Arten als Mit- und Erdenbürger, denen der gleiche Schutz zusteht, wie uns Menschen.

Bei seiner passionierten Arbeit als Tierschützer schreckt er auch vor unkonventionellen und radikalen Methoden, wie dem Rammen und Versenken von Walfangbooten oder dem „Bombardieren“ von illegalen Fischerbooten mit Buttersäure, (um deren Ladung unverkäuflich zu machen) nicht zurück.

Er gilt aber auch als Verfechter des Klimaschutzes und vertritt einige sehr konsequente, ökologische und politische Positionen.

Paul Watson sieht den Menschen als Virus, der den Planeten vergiftet, ihn krank macht und auf lange Sicht für andere Lebewesen dauerhaft unbewohnbar machen wird. Schon jetzt sterben viele Arten aus, nur aufgrund der räuberischen Nutzung des Planeten durch die Menschheit. Daher müsse die „Krankheit Mensch“ mit allen Mitteln bekämpft und die Spezies auf eine Anzahl von höchstens einer Milliarde dezimiert werden. Städte dürften nicht mehr als maximal 20.000 Menschen beherbergen und müssten durch weitläufige Wildgebiete getrennt sein, um so der Natur eine reelle Chance zur Gesundung zu ermöglichen.

Nur in einem solchen, verkleinerten System hätten, so seine Vorstellung, die restlichen Menschen einen besseren Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung. Eine Benachteiligung aufgrund von sozialen Zuordnungen wäre aufgehoben und die Erde müsste nicht mehr bis zur Erschöpfung ausgebeutet werden. Er sagt weiterhin, Nachwuchs dürfte dann nur noch Menschen gestattet sein, die sich der Verantwortung und der Rolle ihres Lebens für den Planeten und dessen Schutz völlig bewusst sind.

Um dem steigenden Methanausstoß entgegenzuwirken, sollten die Menschen sich vorwiegend vegetarisch ernähren und Nahrungserzeugnisse sollten vor Ort produziert und nicht durch die halbe Welt geschickt werden.

Ähnlich wie James Lovelock (Gaias Rache) ist auch Watson der Ansicht, die menschliche Population und deren „Ausdünstungen“ haben schon lange die kritische Schwelle überschritten, die der Planet überhaupt ertragen kann, ohne zu kollabieren. Durch die egoistische Verbrennung aller fossilen Rohstoffe und den daraus entstehenden Treibhausgasen sei es längst zu spät, um mit den aktuellen Mitteln noch eine Lösung zu finden, der Zivilisation, wie wir sie heute kennen, ein dauerhaftes Überleben zu sichern. Strom- und Energie müssten natürlich weiterhin produziert werden, jedoch ausschließlich auf  Basis regenerativer Methoden. Besonders Wind-, Wasser und Solarenergie seien jetzt der Schlüssel zu einer neuen Generation der Energiegewinnung, so Watson. Damit unterscheidet er sich maßgeblich von den Ansichten Lovelocks, der für eine Nutzung der Atomenergie und sogar für deren Expansion plädiert.

Man kann Watson viel vorwerfen und die Kontoverse um seine Person, seine Absichten und Methoden schier unendlich fortführen. Die Menschheit absichtlich zu dezimieren ist sicherlich ein Punkt, der indiskutabel ist. Auch seine Attacken gegen Walfangschiffe und Schleppnetze, sprechen von einer gewissen Gewaltbereitschaft oder zumindest Kompromisslosigkeit.

Während Watson, der selbst sagt, der Tod dreier Segler sei weniger tragisch, als der Tod von Seerobben, für die einen nur ein Ökoterrorist ist, der Sprengstoff und Rammböcke benutzt, um andere Schiffe zu versenken, ist er für die anderen ein Held, der in seinem Leben bisher unzählige Meeressäuger retten konnte.

Über sich selbst sagt Watson auf seiner Website:

„I have been honored to serve the whales, dolphins, seals – and all the other creatures on this Earth. Their beauty, intelligence, strength, and spirit have inspired me. These beings have spoken to me, touched me, and I have been rewarded by friendship with many members of different species.

If the whales survive and flourish, if the seals continue to live and give birth, and if I can contribute to ensuring their future prosperity, I will be forever happy.“

„Ich fühle mich geehrt, den Walen und Delfinen, Robben,  und allen anderen Kreaturen auf dieser Erde zu dienen. Ihre Schönheit, Intelligenz, Stärke und ihr Geist, haben mich inspiriert. Diese Geschöpfe haben zu mir gesprochen, mich berührt und ich wurde belohnt durch Freundschaft mit vielen Mitgliedern verschiedener Spezies.

Wenn die Wale überleben und aufblühen, wenn die Robben weiterleben und Leben schenken und wenn ich weiter dazu beisteuern kann, ihr zukünftiges Gedeihen zu sichern, dann werde ich für immer glücklich sein.“

Wenn man also eins sicher sagen kann, über Paul Franklin Watson, dann dass er ein großes Herz hat, das für immer für diesen Planeten und alle sich darauf befindlichen wildlebenden Lebewesen schlagen wird. Und dass er den Rest seines Lebens dem Schutz unserer Erde und seinen zahlreichen, unschuldigen Bewohnern opfern wird. Auch wenn er dabei wahrscheinlich an alle Bewohner und Arten denkt – außer an den Menschen. Denn der ist in seinen Augen am aller wenigsten unschuldig.

Tobias Hartmann

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