„Ökostrom ist doch gar nicht grün!“

Green; Bild: shutterstock

Die kindliche Neugierde bringt einen ja mitunter nicht nur zum Schmunzeln, sondern auch zum Nachdenken. So wie neulich, als ich gedankenversunken mit meinem Sohn auf der Autofahrt zur Oma war!

Das Radio läuft. Kurz vor zwölf Uhr. Es ist mal wieder Zeit für die Werbung. Da dudelt auch schon das entscheidende Stichwort aus den Lautsprechern, das mich noch eine Weile beschäftigen sollte: Entscheiden sie sich jetzt für grünen Strom. Die prompte Reaktion meines Sprosses: „Strom ist doch gar nicht grün!“ Der ist doch unsichtbar, den kann man gar nicht sehen.“ Kluges Kerlchen, schön, dass er nicht alles glaubt, was die Werbung uns so suggeriert! Aus elterlicher Sicht sehr erfreulich, vor allem, wenn es um das neueste Spielzeug oder um irgendwelche supergesunden Kindersnacks geht.

Die nächsten zehn Minuten verbringe ich also damit, meinem knapp sieben Jahre alten Sohnemann zu erklären, was es mit dem „grünen Strom“ denn nun auf sich hat. Es also nicht an der Farbe liegt, sondern daran, wo er herkommt und wie er gewonnen wird. Kein besonders schweres Unterfangen, schließlich wohnen wir in einer Gegend, in der Windräder, Biogasanlagen und Photovoltaik an jeder Ecke lauern. Zu erklären, dass es auch „dreckigen“ Strom gibt, der alles andere als Grün ist, wird da schon schwieriger. Trotzdem versteht er schnell, dass es eindeutig besser ist, wenn der Strom „in grün“ aus der Steckdose kommt.

Schön und gut, meine Erklärung vom „grünen Strom“, damit gibt er sich allerdings nicht zufrieden. „Mama, gibt es denn da zwei Rohre, mit denen der Strom in die Steckdose kommt? Eins für den grünen und eins für den dreckigen?“ Ja, da stehe ich ersteinmal auf dem Schlauch! Keine Chance, einem so kleinen Gehirn so komplizierte Zusammenhänge zu erklären. Ich versuche es mit einer kindgerechten, bildlichen Erklärung. Na dann los! „Stell dir einen großen Topf vor, in den der ganze Strom reinkommt, der dreckige und auch der grüne. Dann wird die ganze Stromsuppe durchgerührt und durch die Rohre geschossen, damit er zu Hause aus der Steckdose kommt.“ Ein fragender Blick und Stille, was mich am Effekt meiner Bildersprache zweifeln lässt.

Ich merke, wie der kleine Kopf zu rauchen anfängt. Na gut, war diese Erklärung vielleicht doch nicht geeignet? Anscheinend schon, denn nach einer Weile kommt das „OK, verstanden“. Schön denke ich und hake die Sache ab. Mein Sohn hat mir also die Absolution erteilt und ich gehe wieder anderen Gedanken nach. Eine ganze Zeit lang später – Hat ihn das wirklich so lange beschäftigt? – dann die ernüchternde Erkenntnis eines kleinen Kindes: „Mama, du hast Recht, was du mir einmal gesagt hast. Die in der Werbung veräppeln uns wirklich nur.“ Kindermund tut eben Wahrheit kund.

Judith Schomaker

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