Net-Works: Ausrangierte Fischernetze werden zur wertvollen Rohstoffquelle

Net-Works: Ausrangierte Fischernetze werden zu Teppichfliesen

Mindestens 660 Millionen Menschen sind weltweit von den Weltmeeren abhängig, die ihnen ihren Lebensunterhalt garantieren. Doch gerade in den ärmsten Regionen der Welt gefährden Meeresverschmutzungen zunehmend die Existenz der dort lebenden Bevölkerung. Häufig sind die Verschmutzungen wiederum Folgen der Armut. So haben beispielsweise Fischer in Entwicklungsländern oft gar nicht die Möglichkeit, ihre ausrangierten Fischernetze adäquat zu entsorgen oder zu recyceln.

Stattdessen werfen sie die ausgedienten Netze ins Meer oder an den Strand. Außerdem fehlt ihnen meist auch das Bewusstsein für die Folgen der unsachgemäßen Entsorgung. Da die gerne verwendeten Nylonnetze jedoch kaum verrotten, stellen sie eine große Bedrohung für die Lebewesen im Meer dar. Fische verfangen sich in den Netzen und verenden qualvoll. Das führt zur Abnahme der Fischbestände und somit zur Verringerung der Einkommensquellen für die Fischer vor Ort. Ein von der Firma „Interface“ und der Umweltschutzorganisation „Zoological Society of London“ ins Leben gerufenes Programm sorgt nun auf besonders nachhaltige Art und Weise dafür, diesen Missständen entgegen zu wirken.

Interface gehört zu den weltweit führenden Herstellern von Teppichfliesen, die gleichzeitig großen Wert auf Funktionalität sowie Nachhaltigkeit legen. Das Unternehmen hat es sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahre 2020 das erste vollkommen nachhaltige Unternehmen zu werden, das sogar einen positiven ökologischen Fußabdruck aufweist. So bietet das Unternehmen unter anderem Teppichfliesen an, die aus recycelten Nylonabfällen bestehen. Vor diesem Hintergrund und im Wissen um die oben genannten ökologischen und sozialen Probleme hatte Miriam Turner, Assistant Vice President of Co-innovation bei Interface, die Idee, ausrangierte Fischernetze aus Entwicklungsländern aufzukaufen, um so den Menschen vor Ort ein zusätzliches Einkommen zu ermöglichen und gleichzeitig die Strände und das Meer zu säubern.

Recycling-Pilotprojekt in Danajon Bank, Philippinen

Da die Realisierung eines derartigen Vorhabens alleine allerdings nicht umsetzbar ist, suchte Interface nach Unterstützung und fand in der Umweltschutzorganisation Zoological Society of London (ZSL) einen starken Partner. Die ZSL ist eine internationale wissenschaftliche und gemeinnützige Bildungsinitiative, deren Hauptaufgabe im Schutz von Tieren und Erhalt ihrer Lebensräume besteht. Die Organisation ist global in mehr als 50 Ländern aktiv am Umweltschutz beteiligt.

Unter dem Namen Net-WorksTM ging die Partnerschaft im Juni 2012 mit einem Pilotprojekt im Danajon-Riffsystem auf den Philippinen an den Start. Die Region zählt zwar zu den reichsten an Fischarten, jedoch gleichzeitig auch zu den am stärksten bedrohten Meeresregionen der Welt. Auf den zu dem Riffsystem gehörenden Inseln leben relativ viele Menschen, die meisten von ihnen sind sehr arm. Die wirtschaftliche Existenz der Bewohner hängt hauptsächlich von den Ressourcen des Meeres ab – insbesondere von der Fischerei und vom Algenanbau.

Neben der Firma Aquafil, die das Recyceln der Fischernetze aus Nylon übernimmt, ist auch die Project Seahorse Foundation, eine lokal tätige NGO, die sich für den Meeresschutz engagiert, an dem Pilotprojekt beteiligt. Zusammen mit Interface und der ZSL helfen sie den Menschen vor Ort bei der Reinigung, Sortierung und dem Verkauf der ausrangierten Fischernetze.

Existenzsicherung und neue Perspektiven

Der Erfolg des Recycling-Pilotprojektes spricht für sich: Bereits im ersten Jahr wurden 8.850 Kilogramm ausgediente Fischernetze eingesammelt und das Riffsystem umfassend gesäubert. Außerdem wurden über 1.680 Kilogramm der gesammelten Nylon-Netze der Firma Aquafil zugeführt und anschließend bei Interface zu neuen Teppichfliesen verarbeitet. Außerdem hat sich die Einkommenssituation der Inselbewohner verbessert. So wurden im Rahmen des Projekts Community-Banking-Modelle für die lokalen Gemeinden aufgebaut. Diese ermöglichen es den Menschen vor Ort, Mikroversicherungen, Sparanlagen und Mikro-Kredite abzuschließen. Die Mikro-Kredite dienen den Bewohnern beispielsweise zur Finanzierung von Algenzuchten, aber auch von Schulbildung.

 

Inspiriert von den Weltmeeren hat Interface unter dem Namen „Net Effect“ auch eine eigene Teppichfliesen-Kollektion entworfen, die die Meeresoberfläche mit ihren feinen Strömungen nachbildet. Die Teppichfliesen bestehen dabei zu 100 Prozent aus recyceltem Garn, das unter anderem aus den gesammelten Nylon-Fischernetzen stammt. Die Weltmeere sind also nicht nur Inspirationsquelle für das Design der Teppichfliesen, sie sind zugleich auch Ressourcenlieferant für deren Produktion.

Ausblick für weitere Recycling-Projekte

Natürlich soll sich das Net-Works-Programm nicht nur auf das Danajon-Riffsystem auf den Philippinen beschränken. Auch in anderen Teilen der Welt wollen Interface und die ZSL ihre Kooperation ausweiten. Momentan arbeiten die beiden Partner daher an einem Leitfaden, der es anderen Gruppen und Organisationen ermöglicht, selbstständig die Entwicklung von Net-Works-Lieferketten umzusetzen.

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