Naturkatastrophen als Chance

Katastrophen machen Menschen durch

Einer meiner Professoren sagte mal in einer Vorlesung über die endogenen Prozesse der Erde, es gäbe keine Naturkatastrophen, sondern nur Naturereignisse. Zu Katastrophen machten wir Menschen sie, durch unzulängliche Schutzmaßnahmen, schlechte Warnsysteme, Ignorierung von Anzeichen und mangelhafte Aufklärung. Ich habe über diese Aussage oft nachgedacht.

Die Erde ist ein dynamisches System, das sich seit seiner Entstehung durchgehend verändert. Das Leben hat alle Prozesse die damit einhergehen, wie Erdbeben, Vulkanausbrüche, Tsunamis und die Einschläge von Himmelskörpern, überdauert. Und nicht nur das, sie haben die Evolution vorangetrieben, die Lebewesen dazu gezwungen sich anzupassen und ihre Fähigkeiten und Merkmale zu perfektionieren.

Ein Waldbrand zerstört einen bestehenden Wald, schafft jedoch Raum für andere Pflanzen, die zuvor im Schatten der großen Bäume nicht bestehen konnten. Eine Überschwemmung zerstört Gebäude und Infrastruktur, doch sie bringt auch Boden und Nährstoffe mit sich, die das anschließende Wachstum auf der Fläche fördern. Die bekannten zwei Seiten einer Medaille.

Katastrophal wirken sich derartige Ereignisse nur auf Lebensformen aus, die nicht in der Lage sind, die Umstände rechtzeitig zu erkennen und sich zurückzuziehen oder sich anzupassen. Beides trifft auf heutige menschliche Gesellschaften zu. Jeder kennt die Geschichten, in denen Tiere plötzlich unruhig wurden und Zuflucht gesucht haben, woraufhin ein verheerender Tsunami die Küste traf. Dieses biologische Warnsystem haben wir Menschen nicht oder sind zumindest nicht mehr in der Lage, es zu nutzen. Die meisten von uns sind zudem völlig von der Zivilisation abhängig, vom Stromnetz, fließendem Wasser und dem Gesundheitssystem. Brechen diese Systeme zusammen, bricht auch die Ordnung in der wir leben zusammen. Hinzu kommt, dass die meisten Städte sehr verletzlich gegenüber so genannte Katastrophen sind. Wie oft habe ich schon gestaunt wie ein plötzlicher Schneefall unser Verkehrsnetz ins Chaos stürzt.

Anpassung an eine dynamische Umwelt 
Unsere Gesellschaft ist eine Population die sich an die aktuellen Gegebenheiten der Erde angepasst hat. Verändern sich diese, fällt es uns schwer uns darauf einzurichten. Würden wir akzeptieren dass wir in keiner statischen Umgebung leben und uns darauf einstellen, könnten wir dem Unvermeidlichen entspannter entgegensehen. Ein Beispiel liefern die Niederlande. Im Zuge des Anstiegs des Meeresspiegels wurde ein neues Konzept entwickelt um mit den Wassermassen umzugehen, die sowohl von Seeseite, als auch vom Land aus, durch stärkere Niederschläge und mehr Schmelzwasser in den Flüssen, ins Land strömen. Es besteht aus einem so genannten dynamischen Wassermanagement. Es wird Raum geschaffen in dem das Wasser ungehindert Flächen überfluten kann. Das Wasser wird nicht länger durch Deiche zurück gehalten, sondern Architekten und Raumplaner arbeiten mit und nicht mehr gegen das Wasser. 

Ein ähnlicher Sinneswandel finden in Erdbebenregionen statt, wo ein Erdbebeningenieurwesen entwickelt wird, um Gebäude so zu konstruieren, dass sie Erdbeben stand halten können, damit einstürzende Häuser keine zusätzliche Gefahr mehr darstellen. Auch das ist eine Form von Evolution. Wir passen uns den Umständen auf der Erde an, was uns die Möglichkeit zu überleben gibt.

Wir haben die Erde mehr verändert als jede andere Spezies die auf ihr gelebt hat. Trotzdem können wir die natürlichen geologischen Prozesse nicht stoppen. Wir müssen lernen mit unserem veränderbaren Lebensraum zu leben, dann können wir Vulkanausbrüche, Überschwemmungen Stürme und Co. anstatt als tödliche Bedrohung, als Chance sehen.

Carla Lange

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