Nachhaltiges Design im 5. Marianne-Brandt-Wettbewerb

Kreisläufe schonen unsere Erde

Der internationale Marianne-Brandt-Wettbewerb findet nunmehr bereits zum fünften Mal statt. Junge und begabte Künstler, Gestalter und Fotografen zeigen hier im Dreijahresturnus ihre Arbeiten. In diesem Jahr konnten in der Sonderkategorie konzeptionelle Beiträge zur Aktualisierung der Kreislaufwirtschaft eingereicht werden, denn Cradle to Cradle“ bedeutet von der Wiege zur Wiege und zielt auf den Wieder- und Weitergebrauch von Produkten ab als Alternative zur industriellen Sackgassenproduktion, der „Cradle to Grave“.

Produkte landen, nachdem sie ihren Zweck erfüllt haben, noch immer zuhauf auf der Mülldeponie, statt die enthaltenen Kompartimente und Rohstoffe dem Kreislauf zurückzuführen. Während Rohstoffe Mangelware werden, wachsen auf der anderen Seite die Müllberge – mit Modernität, Fortschritt und Nachhaltigkeit hat das wenig zu tun. Um einen Ausweg aus diesem Dilemma zu finden, sind neue Ideen und Konzepte von Produkt und Lebensweg gefragt.

Der diesjährige Marianne-Brandt-Wettbewerb forderte den Teilnehmern Gegenentwürfe zum herkömmlichen „Cradle to Grave“-Prinzip ab. Gefragt waren gestalterische Positionen, die sich mit neuen Modellen gegen die funktionale Eindimensionalität im Konsum von Produkten richten. Vor allem ging es um die Aspekte Neu-, Um- oder Mehrfachnutzungen, sowie materielles oder energetisches Recycling. Design muss im Prinzip radikal neu überdacht werden, um zukünftigen Anforderungen noch gerecht zu werden.

Herausgekommen sind zum Teil aberwitzige, aber originelle Beiträge, wie kompostierbare Rasierpinsel, lebende Möbel aus Bakterien oder essbare Kleider. Da wurde beispielsweise die Bug-Box nominiert – eine Brotbüchse mit Würmern drin. Die Idee dahinter ist eine Mischung aus Kompost und Brotbüchse. Die Würmer leben in der Brotbüchse und vermehren sich. Sie sind eine wertvolle Eiweißquelle und ein schier unerschöpfliches Nahrungsmittel. Linda pense vom Wettbewerbsteam erklärt: „Es geht auch darum, Gewohnheiten zu hinterfragen. In manchen Ländern ist das schon üblich, Insekten zu essen. Auch um darauf hinzuweisen, dass wir 2050 schon drei Erden bräuchten, um alle Menschen zu ernähren, dass man da manches hinterfragen muss.“

Am heutigen Samstag, den 7. September 2013, wird die Ausstellung zum 5. Marianne-Brandt-Wettbewerb eröffnet. Anlässlich des 120. Geburtstags der namensgebenden Bauhaus-Gestalterin Marianne Brandt findet sie in deren Geburtsstadt Chemnitz statt. Eine hochkarätige internationale Jury hat 70 Arbeiten aus den 300 Einsendungen ausgewählt und wird davon 17 Arbeiten auszeichnen.

Josephin Lehnert

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