Nachhaltiger Harakiri

Dialog zum Thema Nachhaltigkeit

Es wäre auch zu schön gewesen, wenn alles geklappt hätte: Mit dem Bürgerdialog „Nachhaltigkeit” wollte die Bundesregierung unter Federführung von Bundeskanzlerin Angela Merkel zum offenen Dialog zum Thema „Nachhaltigkeit“ bewegen. „Wohin soll die Nation in punkto Nachhaltigkeit steuern?” war die Leifrage der zunächst auf zwei Monate angesetzten Initiative, deren Internetseite immerhin 27.000 Besuche verzeichnen konnte.

Es wurde über grüne Wirtschaft und grünen Lebensstil diskutiert. Top-Thema mit über 260 Beiträgen war der Klimaschutz, das bedeutsame Thema Wasser tröpfelte mit 70 Beiträgen eher vor sich hin. Ein Problem war allerdings auch, dass das Design der Internetseite für den ungeübten User eher unübersichtlich war und viele Themen nicht besonders klar und leicht zugänglich präsentiert wurden.

Nur 1.000 Teilnehmer in zwei Monaten
Das Ergebnis: Nur 1.000 Bürgerinnen und Bürger nahmen von September bis Mitte November am ersten Bürgerdialog der Kanzlerin im Internet teil, trotz omnipräsenter Werbung für die Aktion im Kino und auf Youtube. Doch das größte Manko kommt zum Schluss: Niemand weiß wirklich, was jetzt mit den Beiträgen der Bürger passiert. Offiziell hieß es, jeder der eingegangenen Stellungnahmen und Kommentare werde „von den zuständigen Bundesministerien ausgewertet“ und fließe „nun in die Arbeiten zum Entwurf des Fortschrittsberichts 2012“ mit ein. Schwer vorstellbar bei unseren chronisch überarbeiteten Behörden eigentlich.

Das hatte sich mit Sicherheit auch Angela Merkel anders vorgestellt. Oder doch nicht? Ist ihr das Wissen der Bürger eigentlich gar nicht wirklich wichtig? Leider bleibt die Kanzlerin die Antwort nach Ende des Dialogs bis dato schuldig. Zum Auftakt hatte sie sich noch einigermaßen authentisch via Podcast zu Wort gemeldet. Doch so ein Online-Dialog ist leider keine Einbahnstraße, in die man einmal eingebogen ist ohne sich jemals wieder umzudrehen, um zu prüfen, ob man noch auf der richtigen Strecke unterwegs ist.

Nächster Online-Dialog zum Thema Energie?
Da gibt es noch viel zu lernen. Besonders weil eigentlich schon der nächste Online-Dialog ansteht: Zur Zukunft der Energieversorgung in Deutschland. Vielleicht ein wenig spezifischer vom Thema her. Und daher auch ein Garant für mehr Bürgerbeteiligung.

Daniel Seemann

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