München will Fair Trade Town werden

München; Foto

Auf noch mehr Fairness und soziale Gerechtigkeit setzt die Landeshauptstadt München: Sie bewirbt sich in diesem Jahr um den Titel „Fair Trade Town“, der von TransFair e.V. vergeben wird.

„Den Preis für unsere Einkäufe zahlen andere – darunter Frauen, Kinder und Tagelöhner, die unter menschenunwürdigen Bedingungen ausgebeutet werden. Mit der Bewerbung soll unterstrichen werden, dass wir Münchnerinnen und Münchner die Augen vor der Realität nicht verschießen und, dass wir aktiv sind“, sagt Bürgermeister Hep Monatzeder, der vom Stadtrat mit der Bewerbung beauftragt wurde. Die Aussichten, den Titel tragen zu dürfen, nennt Monatzeder gut. „München hat sich in der Vergangenheit immer wieder für den Fairen Handel stark gemacht und bereits Maßstäbe gesetzt.“ 2002 hat sich die Landeshauptstadt bewusst dafür entschieden, keine Produkte aus ausbeuterischer Kinderarbeit einzukaufen.

„Inzwischen sind mehr als 200 Städte und Gemeinden dem Münchner Beispiel gefolgt“, sagt Monatzeder. „Wir wollen aber noch einen Schritt weiter gehen. Mit Tatkraft und im Alltag setzt sich München gegen die Ausbeutung von Mensch und Umwelt ein. Deswegen ist die Motivation Fair Trade Town zu werden sehr hoch.“ Die Bewerbung kann Ende 2012 eingereicht werden.

Startschuss ist gefallen
„Wir sind bereits gut dabei. Einige der Kriterien für die Bewerbung sind in München längst umgesetzt“, sagt Monatzeder. Der Stadtrat hat sich Ende 2011 für die Bewerbung ausgesprochen. Kürzlich hat die neu gegründete
Steuerungsgruppe getagt und den Startschuss für das Bewerbungsverfahren zur Fair Trade Town gegeben. Voraussetzung für den Erwerb des Titels ist die Erfüllung von fünf Kriterien.

Aktuell nehmen Städte, Gemeinden und Landkreise aus 24 Ländern an der weltweiten Kampagne teil. Metropolen wie Kopenhagen, Antwerpen oder Lyon sind bereits Fair Trade Town. „Auch München könnte schon längst den Titel tragen. Bewusst haben wir uns dafür entschieden erst Strukturen zu schaffen, um auch langfristig das Thema im Blick zu haben“, so Monatzeder. „Wir wollen dem Credo einer fairen Landeshauptstadt dauerhaft folgen.“ Deswegen ist im Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) die Fachstelle Eine Welt geschaffen worden. Dort wird unter anderem die Klimapartnerschaft mit den Asháninka, einem indigenen Volk aus Peru, betreut. Die Fachstelle bietet stadtweit Beratung zum Thema fairer Einkauf an, vernetzt und koordiniert – in Kooperation mit dem Büro Bürgermeister Monatzeder und dem Nord Süd Forum München e.V. – Aktivitäten rund um den Fairen Handel.

In der Steuerungsgruppe sind Vertreterinnen und Vertreter von Kirchen, von gemeinnützigen Vereinen, vom Einzelhandel und von der Stadtverwaltung beteiligt. „Wer in München einen Kaffee trinken geht, bekommt schon jetzt Produkte aus Fairem Handel angeboten. Wir wollen, dass dies aber noch öfter der Fall ist – auch innerhalb der Stadtverwaltung“, sagt Joachim Lorenz, Referent für Gesundheit und Umwelt.

In der Vollversammlung des Stadtrats werden bereits der vom Nord-Süd- Forum München e.V. entwickelte und fair gehandelte München-Kaffee sowie fair gehandelter Tee angeboten. „Um mit einem Vorurteil gleich aufzuräumen: Fair gehandelte Produkte sind manchmal nur unmerklich teurer.

Billig shoppen geht jedenfalls fast immer auf Kosten der Ärmsten, die unter inakzeptablen Bedingungen arbeiten müssen“, so Lorenz. Aktuell ist die Fachstelle Eine Welt nach seinen Worten dabei, das Angebot im Einzelhandel und der Gastronomie in München zu erfassen.

Fair Play in Schulen
Für die nahe Zukunft gibt es bereits Pläne für ein noch gerechteres Stadtleben: Auf noch mehr Fair Play wird künftig auch im Sportunterricht an Münchner Schulen gesetzt. Ab 2013 werden handgenähte Sportbälle für den Unterricht nur dann erworben, wenn sie fair gehandelt und damit zertifiziert sind. Bei Tisch soll es ebenfalls nachhaltig zugehen: Der Anteil an fair und ökologisch erzeugten Lebensmitteln an Münchner Schulen und Kindertagesstätten sowie bei städtischen Empfängen soll deutlich erhöht werden. Wie bedeutend das Engagement von Kommunen beim Fairen Handel ist, belegen die Zahlen: Jährlich investieren Bund, Länder und Kommunen rund 360 Milliarden Euro in Waren und Dienstleistungen – 50 Prozent dieser Ausgaben entfallen auf Kommunen.

„München trägt als Großstadt eine besondere Verantwortung, der wir gerecht werden möchten“, sagte Monatzeder. „Ganz gleich, wie die Jury entscheidet, Fairness sollte in München beim Einkauf immer eine Rolle spielen. Wir müssen lernen, dass wir nicht einfach konsumieren, sondern verantwortungsbewusst konsumieren.“
Folgende Projekte sind unter anderem in den vergangene Jahren unter Beteiligung der Landeshauptstadt München umgesetzt worden:

  • München-Kaffee und München-Schokolade (vom Verein Nord-Süd Forum München e.V. entwickelte faire Produkte),
  • Fairer Kaffee und fairer Tee werden bei Stadtrats-Vollversammlungen ausgeschenkt,
  • „Grab- und Natursteine fair einkaufen – ausbeuterische Kinderarbeit verhindern“, Broschüre der Städtischen Friedhöfe München, der Steinmetz-Innung München-Oberbayern, dem Verein Nord Süd Forum München und weiteren Kooperationspartnerinnen- und partnern,
  • „Fairer Einkauf in München 4 Kids“, Broschüre Nord Süd Forum München e.V.,
  • „Fairer Einkauf in München – gewusst wo!“, Broschüre Nord Süd Forum München e.V.,
  • Klimapartnerschaft der Landeshauptstadt München mit den Asháninka in Peru.

Landeshauptstadt Münche

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