Momo: Ein zeitloses Buch über die Zeit.

Michael Ende hätte dieses Buch auch gestern schreiben können, so aktuell ist es für unser derzeitiges Leben. Unsere Tage sind angefüllt mit Arbeit, und so sehr wir auch versuchen, uns Zeit für später freizuschaufeln, sind wir doch oft hoffnungslos so hinterher in all unseren Vorhaben, dass es sehr schwer ist, sich Zeit für andere Dinge zu nehmen. Kinder werden vor den Fernseher gesetzt oder in ganztägige Heime gesteckt. Wir besorgen immer mehr Zeug, das unser Leben bereichern soll, wir laufen in unserem Leben herum mit I-pods in den Ohren, abgeschlossen von unserer direkten Umwelt, dabei gleichzeitig über Handy verbunden mit anderen Leuten als denen, die uns gegenüber stehen.

Statt gemütlich im Zug zu sitzen, müssen wir schnell mit Billigfliegern zum Ziel kommen. Alles muss möglichst schnell erreichbar sein, und möglichst schnell fertig sein. Wer stehlt uns eigentlich all unsere Zeit? Wer sind unsere grauen Männer? Die Habgier, das Erfolgsstreben, die ewige Unzufriedenheit mit dem was wir haben? Der ewige Drang nach einem reicheren Leben? Dass wir tatsächlich reicher sind, wenn wir uns auch Zeit für die kleinen Dinge nehmen, wenn wir zufrieden sind mit dem was wir haben, das vergessen wir oft.

Nähmen wir uns öfter die Zeit, mit Freunden zusammen zu sitzen, ein wenig zu träumen, dann hätten wir vielleicht auch die Musse, nicht nur über kurzzeitige Vorteile nachzudenken, sondern auch langzeitig unser Leben zu überdenken. Ob wir dann weiterhin unsere Lebensgrundlage zerstören würden?

Vielleicht steckt ein Stückchen Momo in jedem von uns; wir bräuchten nur die Zeit, sie anzuhören. Und da wir die Zeit dafür nicht haben, müssen wir sie uns einfach nehmen. Es lohnt sich.

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