Minimalisten des 21. Jahrhunderts – eine energetische Sichtweise

In den USA hat ein neuer Kult Einzug gehalten: der „Cult of Less“. Junge Menschen im ganzen Land entsagen dem Materialismus. Sie verkaufen ihren physischen Besitz, ziehen in möblierte Apartments und behalten lediglich das zum Überleben allernotwendigste: Klamotten, Zahnbürste, Laptop. Das digitale Zeitalter zwischen Cloud-Computing, MP3 und E-Book-Sammlung macht es möglich.

Einer der Mitbegründer der Bewegung ist der 22-jährige Softwareentwickler Kelly Sutton aus New York, der auch die Website www.cultofless.com ins Leben rief. Er entsagt der Überfluss- und Konsumgesellschaft und hat es nicht eine Sekunde bereut. Virtuelle Medien und Apps haben eine Vielzahl von physischen Gütern ersetzt und machen sie überflüssig. Der interessante, wenn auch möglicherweise nicht intendierte Nebeneffekt: enorme Energieeinsparungen.

Menschen haben nicht nur einen direkten, sondern auch einen indirektem Energiebedarf. Nicht nur Toaster, Motorroller und Mikrowelle verbrauchen Energie, sondern im Grunde sämtliche von uns konsumierten Güter – im Laufe ihres Herstellungsprozesses. Man spricht auch von ‚grauer‘ oder kumulierter Energie. Dieser indirekte Energieverbrauch wird häufig unterschätzt.

Für die Herstellung einer einzigen Tageszeitung (300 Gramm schwer) werden fast vier Kilowattstunden verbraucht. Zum Vergleich: für diese Energiemenge kann man fast 200 Stunden vor dem Laptop sitzen und E-Paper lesen, das ist über eine Woche. Bei der Herstellung von einem Paar Schuhen werden etwa acht Kilowattstunden verbraucht. Das entspricht 3,6 Kilogramm CO2-Emissionen.

Der indirekte Energieverbrauch liegt in Deutschland weit über dem direkten, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat. Zudem steigt der indirekte Energieverbrauch stärker als der direkte. Insofern geht der neue Trend der ‚Minimalisten des 21. Jahrhunderts‘, so obskur er auch erscheinen mag, ungewollt in die richtige Richtung: weg von ungezügeltem Konsum hin zu einer umweltbewussteren, energetisch effektiveren Lebensweise.

Josephin Lehnert

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