Methan-Messungen im Kuhstall

Kuh

In einem Stall im nordrhein-westfälischen Kleve haben Wissenschaftler der Universität Bonn Ende letzten Jahres damit begonnen den Ausstoß an klima- und umweltrelevanten Gasen wie Methan bei Kühen zu messen.

Dazu saugen vier kleine Pumpen über Schläuche an der Decke die mit Kot- und Uringeruch durchsetzte Luft in ein Nebengebäude, wo die Daten von einem Messapparat alle 60 Sekunden aufgezeichnet werden. Laut Professor Wolfgang Büscher vom Institut für Landtechnik der Bonner Universität ist das praxisbezogene Forschung, denn „zum ersten Mal finden solche Messungen unter realen Haltungsbedingungen statt“.

Konkret werden in dem Forschungsstall die Auswirkungen verschiedenster Faktoren auf die Menge des – von Bakterien im Pansen der Vierbeiner – produzierten Methans untersucht. Die erste Phase der Forschungen ist den verschiedenen Haltungsverfahren gewidmet und dazu hat Professor Büscher den Stall gemeinsam mit der Doktorandin Inga Schiefler in drei Bereiche aufgeteilt.

Laut Schiefler zeigen die verschiedenen Haltungsverfahren allerdings „bislang im Jahresverlauf keine signifikanten Unterschiede in den Emissionen von klimarelevanten Gasen und Ammoniak“. Derartige Informationen sind besonders für Landwirte interessant, denn die Errichtung von hochmodernen Stallanlagen ist teuer und Fehler in der Planung können schnell das wirtschaftliche Aus bedeuten.

In der zweiten Forschungsphase wollen die Wissenschaftler dann herausfinden welchen Einfluss das Futter auf den Methanausstoß der Kühe hat. Dabei können sie auf ein modernes Datensammelsystem zurückgreifen, das mittlerweile in modernen Stallungen zum Ausrüstungsstandard gehört. Damit wird genau aufgezeichnet, wie viel jede Kuh frisst oder trinkt und wie viel Milch sie gibt. Die Daten werden per WLAN direkt an den sogenannten Herdenmanager-PC übertragen und sind dort für die Landwirte – und in Kleve nun auch für die Forscher – in Echtzeit abrufbar.

Für die dritte und letzte Phase haben sich Wolfgang Büscher und Inga Schiefler die Untersuchung der Auswirkungen von Futterzusatzstoffen vorgenommen. Diese wurden im Labor speziell zur Reduktion des Methanausstoßes entwickelt und in der Testreihe soll ihre Wirksamkeit überprüft werden.

Obwohl endgültige Testergebnisse bislang noch ausstehen, scheint bereits jetzt klar zu sein, dass Kühe größere Methan-Produzenten sind als gedacht. Während man bisher von täglich etwa 400 Gramm pro Kuh ausging, spricht Schiefler in dem unlängst in der ZEIT veröffentlichten Beitrag von „einem durchschnittlichen Methanausstoß pro Kuh und Tag von etwa 500 Gramm“.

Matthias Schaffer

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