Keine Macht den Baggern

In der Lausitz ging es mal wieder heiß her. Tausende Umweltfreunde haben sich zu einer gigantischen Menschenkette zusammengefunden, um gegen neue Tagebauvorhaben im Revier zu protestieren.

Was helfen große Worte wenn am Ende doch wieder nur ‚business as usual‘ angesagt ist? In Sachen Braunkohle jedenfalls tut sich hierzulande wenig. Von Energiewende weit und breit keine Spur. Stattdessen werden in der Lausitz immer neue Tagebauflächen ausgewiesen, wird ein Dorf nach dem anderen in freudlose Einöde verwandelt. 136 Ortschaften mussten allein im Lausitzer Revier im östlichen Zipfel Deutschlands den Braunkohlebaggern weichen.

Nachdem die Koalition im Juli quasi über Nacht und gegen den Willen von Brüssel die fragwürdige Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes durchgesetzt hat, gewappnet mit Parolen wie „Kosten für weiteren Ausbau senken“ – geht es nun forschen Schrittes zurück ins Kohlezeitalter. Klimaschutz adé. Dabei ist es vor allem die Braunkohle, die den CO2-Ausstoß bigstock-Big-Yellow-Mining-Truck-14848442Deutschlands zuletzt wieder hat steigen lassen, obwohl allen Beteiligten klar ist, dass sie einer der klimaschädlichsten Energieträger überhaupt ist – und nebenbei bemerkt auch derjenige mit dem größten Anteil an der Stromversorgung.

Nichtdestotrotz wird ein neuer Tagebau nach dem anderen genehmigt. Das heizt nicht nur die Atmosphäre auf sondern auch die Stimmung unter den Klimaschützern. Und so versammelten sich am vergangenen Wochenende tausende Aktivisten um gegen die neuen Tagebaupläne von Vattenfall zu protestieren. Acht Kilometer lang war die Menschenkette die rund 7.500 Kohlekraft-Gegner zwischen Kerkwitz in Deutschland bis nach Grabice in Polen bildeten. Beide Ortschaften sind von der Abbaggerung bedroht. Die Menschen die hier leben, wollen ihre Heimat nicht aufgeben. Vattenfall kümmert das herzlich wenig. Noch immer lagern profitversprechende Vorkommen im Untergrund, und so wird es wohl nicht lange dauern, bis sich auch hier die Schaufelradbagger durch das Erdreich pflügen.

Die Menschenkette über die Neiße hinweg – knietief standen die Demonstranten im Grenzfluss, um die Kette zu schließen – gab ein beeindruckendes Symbol des Widerstands gegen den unliebsamen Klimakiller. Nicht nur dass die Braunkohleverstromung tonnenweise schädliches CO2 in die Luft pumpt. Auch Feinstaub, Quecksilber und andere gesundheitsgefährdenden Stoffe gelangen in die Atmosphäre. Vom landschaftlichen Kahlschlag – traurige Mondlandschaften, verlassene Ortschaften, versauerte Seen und die Umsiedelung tausender Menschen – ganz zu schweigen. Braunkohlegegner wie GreenpeaceCampact, der BUND, die Naturfreunde oder die Klima-Allianz hatten zu der Menschenkette in der Lausitz aufgerufen. Die Demonstranten reisten aus ganz Deutschland an, ja sogar aus Frankreich, Skandinavien, Bulgarien, Tschechien und Großbritannien und zeigten, wie Widerstand aussehen kann. Es war zwar nur ein kleiner Erfolg. Dennoch: Hier wurde ganz klar ein Zeichen gesetzt.

  • Das könnte Sie auch interessieren:
  • Reclaim the streets – kreativer Straßenprotest
    Erdüberlastung: Das Guthaben ist aufgebraucht
    Andernach – Vorbild für eine neue urbane Welt

Add comment