Licht in den Slums – zum Nulltarif

Es klingt zu einfach, um wahr zu sein und doch hat das Projekt in den Philippinen für Aufsehen gesorgt. Die Idee ist die: Man nimmt verbrauchte, leere Plastikflaschen, die eigentlich für den Müll bestimmt sind, füllt sie mit Wasser und einer in Harvard entwickelten Bleichmittel Substanz und montiert die Flasche an den Dächern der Slum-Blechhütten (abgedichtet mit Gummi). Das nun durchfallende Sonnenlicht wird vom Wasser derart gebrochen, dass die Flasche tatsächlich wie eine 50-Watt-Glühbirne leuchtet.

Offensichtlich können die Blechhütten nur bei Sonnenlicht zur Tageszeit erleuchtet werden, doch die einfache und kostengünstige Investition lohnt sich. So kann die Stromrechnung durch den Flascheneinsatz halbiert werden und damit Gelder für andere Lebensbereiche, vorzugsweise Essen, frei machen. Aber auch die dadurch resultierende CO2-Reduzierung ist von der UN ausdrücklich gelobt worden, denn bereits eine Million Leuchtflaschen können eine Windkraftanlage ersetzen.

Angespornt durch den Erfolg, will die MyShelter Foundation bis zum Ende des Jahres 2012 über eine Million Flaschen unter das Volk gebracht haben, beim momentanen Tempo könnte dies allerdings bereits Mitte des Jahres erreicht werden. Geplant wird national, installiert hingegen regional. So soll das Vorhaben zum Jobmotor in den armen Gemeinden werden und einen zusätzlichen Beitrag zur Armutsbekämpfung liefern. Das Projekt zur Montierung von Leuchtflaschen in den Slums der Philippinen versteht sich folglich als ein Sozialprogramm zur Armutsbekämpfung, Verbesserung der Lebensqualität und Arbeitsbeschaffung für ansonsten Schwervermittelbare aus den Slums.

Die sich ergebende CO2-Reduzierung ist zwar ursprünglich nicht das Ziel des Projekts gewesen, nichtsdestoweniger aber eine erfreuliche Begleiterscheinung, die noch größere Auswirkungen haben könnte. Denn das Projekt schlägt weltweit große Wellten und findet Interessenten in vielen Entwicklungsländern mit ähnlichen Problemen, aber auch mit ähnlich günstiger Lage: Südafrika, Brasilien, Vietnam und andere Staaten könnten sich die Sonne zu Nutze machen, um diesmal ohne High Tech das Dunkel der Armenviertel zu erleuchten. Das genaue Potential für den Umweltschutz und der Armutsbekämpfung bleibt noch abzuwarten, aber die bisherige Bilanz gibt durchaus Grund zur Hoffnung.

Javier Francisco

6 Bemerkungen

  • Besten Dank für den interessanten Artikel. Eine so simple Idee, die so vielen Menschen effektiv zumindest ein bisschen hilft. So wird gleichzeitig auch der Müll reduziert, da die Plastikflaschen auf diese Art sehr sinnvoll recycelt werden.
    Beste Grüße aus Bremen sendet die Bremer Energieberatung enerpremium

  • Klingt interessant, ist aber in gewisser Weise doch eine Mogelpackung: Die Einschränkung, dass das Licht offensichtlich nur WÄHREND Sonneneinstrahlung leuchtet – da kann man auch ein Fenster einbauen und es wird Licht in der Hütte… Das Licht sollte bei NACHT leuchten, nicht nur während die Sonne strahlt.

  • Ich verstehe Ihre Bedenken, sie sind jedoch etwas zu voreilig, bedenken Sie bitte:
    1. Die Stromersparnis ist beachtlich, da es in den Hütten auch bei Tag sehr dunkel ist, also hilft das den Menschen tatsächlich.
    2. Fenster einzubauen würde zwar auch gehen, erfordert aber mehr Material, Kosten und Knowhow – all das, was in den Slums nicht vorhanden ist. Man müsste ja Gläser herstellen, passende Rahmen zum abdichten (Schutz vor Malaria!), Transportmöglichkeiten für die großen, schweren Fenster und die nötige Infrastruktur.
    Hier geht alles kostengünstiger, schneller und schafft durch die simple Technik auch Jobs in den Slums.
    3. Man arbeitet bereits an eine Möglichkeit die Energie auch in die Nacht hinein zu retten. Im Übrigen reicht der Mondschein bereits jetzt schon für eine gewisse Lichtquelle (die genaue Lumenzahl konnte ich nicht ermitteln).

    Sicher: Kein Projekt ist ohne Schwachstellen und damit auch ohne Kritiker. Aber gemessen am Aufwand ist der Output für die Menschen vor Ort mehr als lohnenswert.

  • Das ist wirklich eine Mogelpackung.
    a) die Flasche steckt dann in einem Dach, wo vorher kein Loch war.
    b) was will man mit einer Lampe, die nur tagsüber leuchtet ???
    c) Kunststoff kann man inzwischen recyclen, von daher ist das Argument mit CO2 usw auch irrelevant… diesen ganzen Carbon Footprint Berechnungen trau ich nicht soweit, wie ich mein Auto werfen kann…nämlich gar nicht.

  • Warum sehen die meisten Menschen eigentlich immer nur was nicht geht?
    Hier ist ein excellentes Beispiel, wie einfach man mit nur geringen Mitteln die Lebensqualität von Menschen in Armut, verbessern kann. Ich würde mich über ein Feedback von Menschen aus den Slums freuen.
    Zu Ihrem Statement Herr Weiß:
    a) Wie man auf dem Bild unschwer erkennen kann, ist das Loch im Dach abgedichtet. Der finanzelle Aufwand im Verhältnis zum Nutzen rechtfertigt “das Loch im Dach”. Diese Hütten stehen nicht in einem Land, wo wir uns über den Wärmeverlust gedanken machen müssen, bzw. ob wir noch die Norm einhalten für die Energieverordnung XYZ für ein ennergieeffizentes Haus.
    b)Wenn durch den lichteinfall von natürlichem Licht am Tage, das Einschalten künstlicher Lichtquellen unnötig gemacht wird, so ist eine Lampe, auch wenn sie nur tagsüber leuchtet, sinnvoll.
    c) Recycling von Kunststoff bedarf energetischem Aufwand, was die CO²-Bilanz nicht gerade freundlich aussehen läßt. Wir in unserem Luxusdenken nehmen überhaupt nicht mehr war, daß durch unser Konsumverhalten die Umwelt nachhaltig geschädigt wird.
    Wenn man mit geringstem finanziellen Aufwand einer armen Bevölerungsschicht mehr Lebensqualität und finanziellen Freiraum geben kann, so ist das eine Klasse Idee. Weiter so.