Leuchtender Hundekot: Das Park Spark Project

Ich wohne jetzt seit acht Jahren in Berlin und bin in dieser doch recht langen Zeit erst einmal in einen Hundehaufen getreten. In Anbetracht dessen, welche Massen an Exkrementen selbst (oder gerade) in einem schönen Vorzeige-Westbezirk wie Charlottenburg auf den Gehwegen in den verschiedensten Farbnuancen und Formen so vor sich hinkleben, ist das eine recht beachtliche Leistung. Noch beachtlicher ist allerdings, dass es den Mitgliedern des amerikanischen  Park Spark Project tatsächlich gelungen ist, eine sinnvolle Art der Hundekot-Verwertung zu entwickeln.

Die Truppe rund um den Künstler Matthew Mazzotta hat in einem Park in der US-Stadt Cambridge in Massachusetts eine kleine Fermentationsanlage errichtet, die aus Hundekot Energie erzeugt und damit einen Teil des Parks beleuchtet, in dem die Anlage steht. Die Voraussetzung ist allerdings, dass die Hundebesitzer die Ausscheidungen ihrer Wauwaus in einen speziellen (biologisch abbaubaren) Beutel packen und in den Fermenter werfen. Dann darf Herrchen oder Frauchen noch an einer Kurbel drehen und siehe da – es werde Licht!

Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein, denn seit dem Bau der Anlage sind nicht nur die Gehwege, Straßen und Schuhe in Cambridge sauberer als je zuvor. Auch das durch die Ausscheidungen entstehende Treibhausgas Methan erfüllt nun eine sinnvolle Aufgabe, statt einfach nur die Erderwärmung weiter voran zu treiben. Und da die Entsorgung der als Sonderabfälle geltenden Exkremente eine teure Angelegenheit ist, spart die Stadt ganz nebenbei auch noch haufenweise (Freunde des gepflegten Wortspiels bitte an dieser Stelle kichern!) Geld.

Ich würde mal in den Raum stellen, dass wir hier einmal ein Beispiel für etwas haben, wo uns die Amerikaner tatsächlich einen Schritt voraus sind. Hierzulande ist es ja offensichtlich noch nicht einmal gelungen, dass Hundebesitzer die stinkenden Hinterlassenschaften ihrer vierbeinigen Freunde überhaupt entsorgen. Vielleicht ist eine weiterführende Kot-Verwertung – man könnte hier von VerwerDung sprechen – ja auch nur der nötige Anreiz, der den Hunde-Mamas und -Papas zum motivierten Kacke-Sammeln fehlt. Auf jeden Fall ist das Park Spark Project ein – im wahrsten Sinne des Wortes – leuchtendes Paradebeispiel für Einfallsreichtum!

Matthias Schaffer

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