Klimakriege – Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird

Cover: Klimakriege; Quelle: Fischer Verlag

Über den Klimawandel wird in der Medienwelt viel berichtet. Als Folgen der Klimaveränderung werden in der Regel Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Stürme und Dürren genannt. Auch über Flucht- und Migrationsbewegungen sowie die Gefahr neuer Epidemien und des Artenschwunds wird diskutiert. Doch einer Folge der Klimaveränderung wird bis dato noch relativ wenig Beachtung geschenkt – der Zunahme gewalttätiger Ausschreitungen.

Prof. Dr. Harald Welzer, Sozialpsychologe und Direktor des „Center for Interdisciplinary Memory Research“ (Forschungsgruppe Erinnerung und Gedächtnis) am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen, versucht, dem ein Ende zu setzten. In seinem Buch „Klimakriege – Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird“ geht er auf die verhängnisvollen sozialen Effekte ein, die aus dem Klimawandel resultieren werden.

Dabei bedient er sich – wie im Übrigen für gewöhnlich auch die Klimaforscher –  den Erkenntnissen aus der Vergangenheit und Gegenwart. Im Mittelpunkt seiner Schilderungen stehen Untersuchungen darüber „wie sich Menschen im Rahmen von Kriegen zum Töten entscheiden oder darüber, wie sich die Wahrnehmung von Umwelten verändert – weil nicht die objektiven Bedingungen einer Situation darüber entscheiden, wie sich Menschen verhalten, sondern die Art und Weise, wie sie diese Bedingungen wahrnehmen und deuten“.

Einen ersten Vorgeschmack auf das, was durch die Klimaveränderung auf uns zurollen wird, lieferten die Unruhen in New Orleans in Folge des Hurrikan Katrina im Jahr 2005: Plünderungen und Gewalteskalationen veranlassten die Behörden zum Ausruf des Kriegsrechts. Auch wenn dieser einzelne Wirbelsturm nicht zwangsläufig auf den Klimawandel zurückgeführt werden kann. Die Häufigkeit und Intensität der Wirbelstürme – da sind sich die Forscher weitgehend einig – werden durch die Klimaveränderung zunehmen und damit auch das Gewaltpotenzial.

Zudem bestehe, laut Welzer, in vielen Fällen heutiger und künftiger Gewalt – in Bürger- und Dauerkriegen, im Terror, in Grenzkonflikten und Aufständen – „die Verbindung zwischen Klimawirkungen und Umweltkonflikten nur indirekt“. Vor allem würde die Klimaerwärmung „die globalen Ungleichheiten in den Lebenslagen und Überlebensbedingungen vertieft, weil sie die Gesellschaft sehr unterschiedlich trifft“, führt der Autor fort. Anhand von Beispielen zeigt er auf, wie klimatische Veränderungen bereits heute in vielen kriegerischen Auseinandersetzungen eine – wenn auch nicht von vorn herein offensichtliche – Rolle spielen.

Ein erschütterndes Buch, das den Klimawandel einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Erschienen ist der Titel 2008 im Fischer Verlag und ist für 9,95 Euro im Buchhandel erhältlich.

Corinna Lang

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