Klimakanzlerin mit vollen Taschen

„Geld bewertet nicht, was oder wer ich bin“, sagte Susanne Klatten einst. Zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder, Stefan Quandt, hält die 51-Jährige 46,7 Prozent beim Münchner Autobauer BMW. Diese Aussage der mächtigen Erbin ist in diesen Tagen präsenter denn je. Was mag die Quandts bewogen haben, gerade in Tagen des europäischen Ringens um einen einheitlichen CO2-Grenzwert für Neuwagen, eine Spende über 690.000 Euro auf das CDU-Konto zu überweisen? Variante eins: Der Familie fehlt es an der nötigen Sensibilität. Kurz bevor der Scheck in die Parteizentrale flatterte, wurde das Abgas-Thema unter massivem Druck der Deutschen verschoben. Variante zwei: Dem Quandt-Clan ist der Zeitpunkt völlig egal. Sie haben Macht und spielen diese vor allem bei richtungsweisenden Entscheidungen aus. Nach dem Motto: „Wer kann, der kann!“

Natürlich muss die Kanzlerin sich die Frage stellen lassen, ob ihr rigoroses Durchpeitschen einer Aufweichung der CO2-Grenzen mit der Nähe zur Automobilindustrie zusammenhängt. 2006 verließ sie den Klimagipfel in Heiligendamm mit dem Titel „Klima-Kanzlerin“. Merkel wäre nicht Merkel, wenn sie auch bei diesem Thema nicht eine Kehrtwende vollzogen hätte. Unter ihrer Ägide fühlt sich die deutsche Autoindustrie gut aufgehoben. BMW verschleudert große Geländewagen wie warme Semmeln, und seit Jahren hat man als Automobilinteressierter das Gefühl, dass hierzulande klimafreundliche Karossen alles andere als gewollt sind.

Bleibt abzuwarten, wie die Offensive von Tesla Motors auf dem europäischen Markt verlaufen wird. Im gehobenen Preissegment bei elektronischen Sportwagen gibt es momentan weltweit kein besseres Auto, als die stylischen Energiesparer aus Kalifornien. Schweißperlen bei Daimler, Audi, Porsche und BMW sind gerechtfertigt.

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Zu guter Letzt: Herr Müller, die Lehrerin meiner Tochter, der Typ von nebenan und ich glauben, wir selbst, wir alle haben es in der Hand. Es ist immer das gleiche Lied, dann bräuchten wir die Diskussionen um Abgasnormen, Spenden und so weiter nicht führen.

Wir als Verbraucher sind allmächtig!

Wenn wir nach einem klimafreundlicheren Produkt verlangen, kriegen wir es auch. Garantiert!

Probefahrt gefällig? Ab November steht das neue Elektromobil i3 von BMW für eine Testfahrt bereit. Den haben die Quandts scheinbar völlig vergessen?!

Florian Simon Eiler

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