Hartz IV-Energie statt Mindestlohn

Die Löhne in Deutschland sind wie in ganz Europa schon seit Jahren auf dem absteigenden Ast. Laut einer Studie sind die Reallöhne seit der Wende in Deutschland um bis zu 50 Prozent gesunken. Für die Betroffenen gibt es dann meist nur einen Ausweg: Hartz IV und die Perspektivlosigkeit des Niedriglohnsektors.

Leben in Energiearmut

Oft kann in dieser prekären Lage mangels finanziellem Spielraum der Betroffenen auch die Stromrechnung nicht mehr beglichen werden. Um für dieses Dilemma einen Ausweg zu finden, schlägt das EU-Projekt „Financial und Support Instrument for Fuel Poverty in Social Housing“ (FinSH) in einem „Leitfaden zur nachhaltigen Senkung der Energiekosten einkommensschwacher Haushalte“ jetzt Energiesparen als Überlebensstrategie vor.

 

Es wendet sich an Menschen, die in „Energiearmut” leben, also die Rechnungen für den täglichen Energiebedarf für Heizung, warmes Wasser, Licht und den Betrieb elektrischer Geräte nicht mehr bezahlen können und deren Energieversorgung aufgrund unbezahlter Rechnungen zeitweise unterbrochen wird.

Die Folge davon sind dann oft durch kalte und feuchte Wohnungen langfristig ausgelöste, schwere gesundheitliche Schäden, die die Menschen selbst und das Gesundheitssystem zusätzlich belasten.

Praxisbeispiele zu Energieeffizienz-Maßnahmen

Das Dokument enthält Praxisbeispiele aus Deutschland, Italien, Frankreich, Großbritannien und Polen, aus denen „Handlungsempfehlungen für Energieeffizienz-Maßnahmen in einkommensschwachen Haushalten“ entwickelt worden sind.

Mit anderen Worten: Die Autoren wollen armen Menschen helfen, sich trotz steigender Energiepreise mit ihrer prekären Versorgungssituation zu arrangieren und langfristig darin zu überleben.

Die Steigerung der Energieeffizienz wird dabei als „nachhaltigste Möglichkeit zur Bekämpfung von Energiearmut“ beschrieben. Die Zahl der in Energiearmut lebenden Menschen ist mit 800.000 Bundesbürgern pro Jahr in Deutschland (also ungefähr ein Prozent der Gesamtbevölkerung) recht hoch.

Nur die Spitze des Eisbergs

Sie sind jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Der 6. Jahresbericht zur Strategie gegen Energiearmut in Großbritannien (UK Fuel Poverty Strategy 6th Annual Progress Report) gibt beispielsweise an, dass im Jahr 2006 bereits 3,5 Millionen Haushalte in Großbritannien in Energiearmut lebten (was 14 Prozent aller Haushalte entspricht). Dies bedeutet einen Zuwachs von zirka einer Million gegenüber dem Vorjahr, Tendenz steigend, nicht nur in Großbritannien.

In Deutschland sollen besonders die Jobcenter die Aufgabe des Multiplikators in Sachen Energieberatung für ihre „Kunden“ übernehmen. Was zunächst zynisch klingt, macht durchaus Sinn, weil dadurch „nicht nur eine dauerhafte finanzielle Entlastung der betroffenen Haushalte“ errreicht, sondern gleichzeitig auch „ein entscheidender Beitrag zur Reduktion von CO2-Emissionen und damit zum Schutz des Klimas geleistet“ werden kann. Fragt sich nur, warum es eine solche Initiative nicht längst für die Gesamtbevölkerung in Deutschland gibt.

Daniel Seemann

1 Kommentar

  • Das ist der Hammer. Da wird den ALG II-Empfängern zum 01.01.2011 der Beitrag zu den Heizkosten gestrichen, und als Hilfe soll Ihnen eine “Energieberatung” angeboten werden!!! Wenn man von der “Sicherung des Existenzminimuns” seine Heizkosten und Strom bezahlen soll ist es schwierig, sich auf effiziente Energienutzung zu besinnen. Vor allem, weil diese häufig mit Investitionen verbunden sind. Wenn Fenster und Türen ein Wärmeloch darstellen, soll man abdichten. Wovon frage ich mich?

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