Grüne Woche – Sonntag, Montag und Dienstag

Kater

Auszug aus einem Tagebuch. Inhaber der Seiten: Bekennender Markenfetischist, männlich, lebt mit seinem Kater Julius in einer deutschen Großstadt.

Sonntag

Ziehe mir mit Julius eine DVD rein. Kult aus den 80ern. Terminator. Traumhaftes Bild auf meinem neuen 46 Zoll Flat. Arnold Schwarzenegger in seinen besten Zeiten. Schön aufgepumpt. Gefühlte fünf Worte bilden seinen Wortschatz. Julius zieht eine Mütze voll Schlaf in seinem Designerkörbchen von Colani vor. Ich finde Arnie einfach klasse.

Montag

Gerade habe ich im Radio gehört, dass der Ex-Gouverneur von Kalifornien, Schwarzenegger, bei einer Rede gesagt haben soll, Klimaschutz sei sexy. Arnie hat´s einfach drauf. Spontan bekenne ich mich zu der neuen Idee. Marschiere an vorderster Front einer neuen, quasi sexuellen Revolution entgegen. Erste Handlung: Lasse mir über ein Online-Versandhaus ein T-Shirt drucken mit dem Slogan: „Ich bin sexy, weil ich das Klima schütze.“

Sprinte in den Keller und schleppe mein verstaubtes Fahrrad nach oben. Julius glotzt ungläubig auf die quietschende Fahrradpumpe, während ich mehr Luft in meinen Bizeps als in meine Reifen presse. Gleich darauf geht es in die Redaktion. Wow! Fahrradfahren macht richtig Spaß. Natürlich fahre ich abseits der Hauptstraße und natürlich verfahre ich mich. Später meint mein Chef, was denn mit mir los sei, ich sei noch nie zu spät zur Arbeit erschienen. Ich, noch völlig außer Puste und verschwitzt, entgegne, dass alles in bester Ordnung sei und Klimaschutz das eine oder andere Opfer von uns abverlangen würde. Mein Chef ringt jetzt ebenfalls nach Luft. Fühle mich wie neugeboren. Den restlichen Tag bin ich mehr damit beschäftigt, mir meinen persönlichen Aktionsplan auszudenken, als mich auf meine Arbeit zu konzentrieren.

Dienstag

Gestern Abend ist Marie mit einer selbstgemachten Ananastorte vorbeigekommen, „die ich doch so gerne mag.“ Jedenfalls bis gestern. Musste ihr erklären, dass Unmengen von CO2 in die Luft gepustet werden auf dem Weg vom Anbaugebiet der Ananas in Zentralamerika bis zu uns in das Supermarktregal. Anschließend war sie ein bisschen beleidigt.

Heute ist sie die Erste im Bad. Ich klopfe und frage, ob es nötig sei, dass während des Haarewaschens das Wasser weiterlaufen müsse. Maulen aus der Duschkabine. Gerade die Morgentoilette steht bei mir ganz oben auf meinem Aktionsplan. Hier gibt es genügend Einsparpotenzial. Beispiel Rasur. Momentan Vier-Tage-Bart. Überlegung: Rasierapparat frisst Energie. Deswegen nur noch einmal die Woche das Gerät einschalten. Bevor ich noch über meine Dusche nachdenken kann, fällt mir ein, dass ich los muss. Sollte heute vielleicht mal wieder pünktlich sein.

Alex Brommer (alias Florian Simon Eiler)

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