Grüne Woche – Mittwoch und Donnerstag

Kerzenschein

Auszug aus einem Tagebuch. Inhaber der Seiten: Bekennender Markenfetischist, männlich, lebt mit seinem Kater Julius in einer deutschen Großstadt.

Mittwoch

Julius kaut etwas unmotiviert auf seinem neuen Katzenfutter rum. Gestern habe ich im Internet gelesen, dass die kleinen Tiger wahre CO2 Verursacher sind, rechnet man die Herstellung des Futters, den verursachten Müll und die Sauberhaltung des Katzenklos mit rein. Julius hat das Rumbeißen auf seinem ersten vegetarischen Futter unterbrochen und schaut mich vorwurfsvoll an. Wahrscheinlich kann er Gedanken lesen.

Schlüpfe mit meiner stahlharten Männerbrust in mein neues T-Shirt. Draußen regnet es. Fahre mit der Tram. Viele der Fahrgäste schauen auf mein Hemd und lächeln. Na also. Wirkt! Hier kommt „Hero Man of Climate“. Während ich noch in meinem selbst erfunden Comic schwelge, verpasse ich meine Haltestation. Chef meint, wenn ich so weitermache, solle ich mir nicht über das Klima Gedanken machen, sondern eher über meinen Job, weil ich bald keinen mehr haben würde. Ich bin tiefenentspannt und weiß, wahre Helden müssen sich ab und zu Herausforderungen stellen.

Höhepunkt des Tages: Ich halte spontan in unserer Kantine ein Referat über den völlig geisteskranken Fleischkonsum der Industrienationen und die damit verbundenen Auswirkungen auf das gesamte Klima auf unserem Planeten. Tosender Beifall von einer Gruppe von Küchenhelfern aus Rumänien. Meine Kollegen wollen lieber das Thema unter sich ausdiskutieren.

Donnerstag

Seit gestern hält es Julius nicht mehr lange in der Wohnung aus. Spielt den Beleidigten und beachtet mich gar nicht mehr. Wahrscheinlich geht er hinaus Mäuse jagen. Auch gut. Wird wenigsten die Regionalität gefördert. Bei dem Gedankenspiel kommt mir eine Idee. Ich gehe zu meinem Metzger und frage ihn, woher das Rindfleisch eigentlich komme. Am Anfang schaut er mich etwas fragend an. „Ach so, Sie sind es Herr Brommer. Ich hab Sie gar nicht erkannt wegen des Bartes.“ Das Fleisch komme von einem nahegelegenen Hof. Das ist mir zu wenig Info. Ich will wissen, wie viel Kilometer der Hof weg ist und wie das Rind mit Vornamen geheißen hat? Tja, das war´s dann. War mal mein Metzger. Als ich den Laden verlasse, ruft mir der Chef noch hinterher, ich solle lieber an Sojawürstchen rumlutschen.

Abends sitze ich bei Kerzenlicht und schaue alte Fotoalben an. Spart Energie und ist mal wieder richtig schön. Bin heute nicht so gut drauf. Auf meine Lieblingsserie „Sex and the City“ zu verzichten, ist echt hart. Julius glotzt demonstrativ den ganzen Abend in die Wohnzimmerecke.

Alex Brommer (alias Florian Simon Eiler)

1 Kommentar

  • Die „Grüne Woche“ einfach mal anders gesehen! Eine super Idee und vor allem so umgesetzt, dass das „Kino im Kopf“ so richtig in Fahrt kommt! Ich amüsiere mich total und freue mich auf Folge drei! Bin gespannt, was Alex da noch alles einfällt.