Grüne Woche – Freitag, Samstag

Auszug aus einem Tagebuch. Inhaber der Seiten: Bekennender Markenfetischist, männlich, lebt mit seinem Kater Julius in einer deutschen Großstadt.

 

Freitag

Heute Vormittag eine Rundmail verfasst mit dem Aufruf, dass jede Kollegin beziehungsweise jeder Kollege doch bitteschön über das Wochenende seinen Computer und das Licht ausschalten möge. Ja, Klima-Held zu sein, ist nicht immer einfach.

Nach der Arbeit treffe ich Marie im Park. Sie wolle mit mir reden. Wir kaufen am Kiosk noch zwei „Latte to go“. Meinen lasse ich in mein mitgebrachtes Senfglas füllen. Das habe ich mal bei einem Amerikaner im Fernsehen gesehen. Spart eine Menge Müll. Marie scharrt unruhig mit den Füßen. Sie kommt sofort zur Sache. Ich hätte mich die letzten Tage stark verändert. Ich sei nicht mehr normal vor lauter Klima schützen. „Alex, du riechst nicht mehr ganz frisch. Du solltest mal wieder unter die Dusche und außerdem, was soll das mit dem Bart? Lässt Du Dir jetzt einen Vollbart wachsen? Du bist doch total abgedreht!“ Ich lache, habe gar nicht richtig zugehört und frage sie, ob sie wisse, wie viel CO2 man beim Sex erzeuge? Das war´s dann. Sechzehn Monate futsch. Bevor sie geht, zeigt sie mir noch den Autofahrergruß.

Samstag

Heute komme ich überhaupt nicht auf die Beine. Liege mit einem Kopf im Bett, als hätte ich einen Riesenkater. Julius ist diese Nacht nicht nach Hause gekommen. Klimaschützen ist doch nicht so sexy. Irgendetwas läuft falsch. Mein Kater mutiert langsam zur Wildkatze, meine zweibeinige Katze ist auch weg, und mein Chef läuft einen persönlichen Feldzug gegen mich. Ich stehe auf, mache mir ein Müsli mit der Milch vom Bauern Gottfried, der ist Luftlinie zirka drei Kilometer von mir entfernt. Ob jetzt die Milch von Elsa, von Sigi oder Margit kommt, ist mir völlig egal. Ich habe heute schon genug Klima gerettet.

Alex Brommer (alias Florian Simon Eiler)

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