Jason deCaires Taylor

Foto: Jason deCaires Taylor

Die Installationen des Künstlers Jason deCaires Taylor ernten weltweite Anerkennung. Kaum ein Betrachter kann sich der faszinierenden Ausstrahlung seiner Werke unter Wasser entziehen. Das CleanEnergy Project taucht ab und wirft einen genaueren Blick auf die Skulpturen des Briten.

Hoffnung für zerstörte Riffe. Langsam tauchen sie aus dem dunklen Blau heraus auf. Schemenhaft und anfangs nur vage erkennbar präsentieren sich die Unterwasserskulpturen von Jason deCaires Taylor. Interessierte Taucher umkreisen die Installationen vor der Ostküste Mexikos in bis zu zehn Meter Tiefe. Staunen, Faszination und nicht zuletzt auch ein Begreifen der oftmals dramatischen Entwicklungen unter Wasser sind hier häufige Reaktionen.

Neben den regelmäßig auftretenden Stürmen stellt auch der Tourismus eine permanente Gefahr für viele der jahrhundertealten Riffe dar. Die Natur hat dem wachsenden Ansturm der Touristen nichts entgegenzusetzen. Nicht selten werden Riffe durch Ignoranz oder simple Unwissenheit schwer beschädigt. In manchen Fällen sterben ganze Unterwasserlandschaften vollständig ab.

Jason deCaires Taylor hat seinen eigenen Zugang zu dieser Problematik gefunden. Der Künstler fertigt Skulpturen aus Beton an. Diese werden danach an ausgewählten Punkten in mehreren Metern Tiefe im Meer versenkt. Dort entwickeln sich die Kunstwerke zu attraktiven Zielen für Tauchgänge. Gleichzeitig werden anderenorts automatisch strapazierte Riffe entlastet.

Kurzlebige Kunst. Bereits nach kurzer Zeit stellt der Betrachter eine Veränderung an deCaires Taylors Kunstwerken fest. Maritime Lebewesen tummeln sich zwischen den Figuren. Schwämme und Anemonen wachsen auf den Oberflächen der Installationen. Auch Korallen fassen an vielen Stellen Fuß und beginnen, die Abbilder von Frauen, Männern und Kindern zu umschließen.

Das künstlerische Element weicht langsam in den Hintergrund zurück. An seine Stelle tritt die Natur. Die Werke verwandeln sich in künstliche Rifflandschaften. Der Mensch kann diesen Prozess beobachten. Umgeben von faszinierenden Lichtreflexionen entsteht hier eine positive Wechselwirkung zwischen Unterwasserwelt und Mensch.

Joachim Kern

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