Ghana – Elektromülldeponie Europas

Mülldeponie

Wenn man sich einen neuen Fernseher, PC oder andere Hardware anschafft, steht man meist vor derselben Frage: Wohin mit den alten Geräten? Natürlich zum Recycling. Nach Schätzungen werden aber nur rund 30 Prozent von dem entstehenden Elektromüll ordnungsgemäß entsorgt – die restlichen 70 Prozent werden meist in die Entwicklungsländer gekarrt. Ein besonders erschreckendes Beispiel ist Ghana – die Elektromülldeponie Europas.

Agbogloshie ist ein Stadtteil der Millionenmetropole Accra und liegt im westafrikanischen Ghana. Gleichzeitig ist Agbogloshie und Accra aber auch der wohl schlimmste Müllplatz Afrikas – vielleicht sogar einer der ganzen Welt. Wie viel Müll dort mittlerweile zu finden ist oder wie viel Elektromüll dort jährlich abgeladen wird, ist noch relativ unbekannt. Man vermutet aber, dass alleine in der Europäischen Union jährlich rund neun Millionen Tonnen Elektromüll anfallen und der Großteil davon illegaler Weise nach Afrika verfrachtet wird.

Giftige Chemikalien

Gesundheitlich hat der Elektromüll weitreichende Folgen. Bei entnommenen Bodenproben stellte Greenpeace fest, dass die Bleikonzentration zum Teil 100-mal höher war als normal. Neben der erhöhten Bleikonzentration wurden auch eine Vielzahl von Weichmachern wie Cadmium und Phthalate festgestellt.

Ein riesiges Gesundheitsrisiko besteht auch bei der Verbrennung der alten Geräte. Die Menschen, darunter sehr viele Kinder, verbrennen die Kunststoffteile um an das Innere zu kommen. Durch den Verkauf des Inneren hoffen sie, zumindest ein bisschen Geld zu verdienen.

Das Verbrennen der Kunststoffe setzt allerdings extrem giftige Chemikalien frei. Darunter finden sich unter anderem Dioxine, Zink oder Blei. Tag und Nacht steigen durch den kontinuierlich durchgeführten Verbrennungsprozess giftige Dämpfe in die Luft und setzen sich deshalb mittlerweile auch auf der Oberfläche von Früchten oder Blättern ab. Hierdurch gelangen sie unmittelbar in den Nahrungsmittelkreislauf. Weitere Schadstoffe lagern sich teils in tierischen Fetten ein und werden beim Verzehr von Fleisch-, Eier-, Milch- oder Fischgerichten in den menschlichen Kreislauf mit aufgenommen.

Hunderte Kinder suchen die riesigen Müllhaufen nach Kupfer ab, um es zu verkaufen. Oft entstehen durch die Suche Schnittwunden oder dergleichen.

Der Kampf gegen Windmühlen

Mittlerweile gibt es auch Initiativen, die sich dem Problem annehmen und versuchen, die Lage zumindest etwas zu verbessern. Eine dieser Initiativen ist PC-Spenden – eine Kooperation von Viafrica und SiSo Computers. Die Initiative richtet sich an Unternehmen und ermöglicht die Unterstützung Afrikas, in dem man abgeschriebene Hardware spendet. Nicht mehr brauchbare Hardware wird an renommierte Entsorgungsunternehmen weiter geleitet und dort verarbeitet. Diese Unternehmen sind ISO zertifiziert – es landet also kein Müll in Accra. Der brauchbare Teil der Hardware wird verkauft und der Erlös wird dann benutzt, um soziale Projekte Viafricas zu finanzieren.

Titelbild

„PC-Spenden bietet eine wirtschaftliche und zugleich sozialverträgliche Alternative für nicht mehr benötigte Hardware“, meint auch Joost Dam, Gründer und Geschäftsführer von Viafrica. Er hat das Unternehmen gegründet um durch IT-Gesamtlösungen die nachhaltige Entwicklung in Afrika zu fördern. Auch in Tansania wird der Elektroschrottmüll immer mehr. Deshalb hat sich Viafrica mit WorldLoop 2012 zusammengetan, um für Tansania ein umfangreiches Sammelsystem für Elektroschrott aufzubauen. Unterstützt werden sie dabei von verschiedenen Kooperationspartnern.

Compuritas ist ein weiteres soziales Unternehmen, welches ein ähnliches Ziel verfolgt. Nicht mehr benötigte Hardware wird von dem Unternehmen gesammelt, in der eigenen Werkstatt wieder instand gesetzt und anschließend an gemeinnützige Organisationen oder Bedürftige vergeben.

Rücknahmeprogramme greifen zu wenig

Auch großen Technikkonzernen ist das Problem mittlerweile aufgefallen und sie versuchen deshalb zu reagieren. Apple beispielsweise bietet ein umfangreiches Rücknahmeprogramm an, in dem Käufer ihre alte Hardware zurückschicken können. Auch wenn es ein Anfang ist – es reich bei Weitem nicht, denn Apple bekommt nur einen sehr kleinen Teil seiner Geräte zurück.

Alles in Allem sind die Unternehmen und Maßnahmen in unserer heutigen Wegwerfgesellschaft natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber es ist ein Anfang. Bevor aber Politik und Wirtschaft nicht geschlossener dagegen vorgehen und es Gesetze gibt, damit der Handel besser kontrolliert werden kann, wird es sehr schwer das Problem in den Griff zu bekommen.

Christian Deiters
stellvertretender Chefredakteur von social-startups.de

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