Geiz ist nicht mehr geil – Nachhaltigkeit immer wichtiger für Kaufentscheidung

Nachhaltiger Konsum; Bild: shutterstock

Immer mehr Konsumenten entscheiden sich für den Kauf von nachhaltig produzierten Produkten und geben dafür auch bewusst mehr Geld aus. Das ergab die 3. Otto Group Trendstudie 2011 „Verbrauchervertrauen – auf dem Weg zu einer neuen Wertekultur“, die von dem Hamburger Trendbüro  durchgeführt wurde.

Für die repräsentative Studie wurden im Auftrag der Otto Group 1.000 Personen zwischen 16 und 74 Jahren befragt und Experten-Interviews, ein Livestream auf Utopia.de und ein Expertenworkshop in Berlin durchgeführt. Während 2009 nur 26 Prozent angaben, dass sie an sozial und ökologisch einwandfreien Produkten interessiert sind, waren es 2011 bereits 41 Prozent. Auch die Bereitschaft mehr Geld für nachhaltigen Konsum auszugeben, ist im selben Zeitraum von sieben auf 44 Prozent gestiegen.

Eine derartige Entwicklung legt nahe, dass sich der Trend zur Nachhaltigkeit längst nicht mehr auf sogenannte „Lohas“ – besserverdienende Idealisten – beschränkt, sondern langsam in Richtung eines Massenphänomens tendiert.

Davon profitieren könnten in erster Linie Unternehmen, die „ sichtbar Verantwortung übernehmen, authentisch handeln sowie Transparenz und Offenheit in ihrer Kommunikation sicherstellen“, wie es Hans-Otto Schrader, der Vorstandsvorsitzende der Otto Group zusammen fasst.  Dass sich viele Unternehmen durch Geldgier und Ignoranz ein eindeutiges Imageproblem eingefangen haben, könnte sie also zukünftig teuer zu stehen kommen.

Mit dem Wunsch nachhaltigere Produkte zu konsumieren, wächst allerdings auch die Unsicherheit der Menschen bei der Kaufentscheidung. 61 Prozent fühlen sich überfordert und vermissen klare Orientierungshilfen, die ihnen helfen, sich für die „richtigen“ Waren zu entscheiden. Bio- und Güte-Siegel geben den Verbrauchern zwar teilweise dieses Gefühl, aber 91 Prozent der Befragten vertrauen am liebsten Freunden und Verwandten oder unabhängigen Prüfinstituten, deren Beliebtheit in den letzten Jahren ebenfalls klar gestiegen ist. Den Angaben der Wirtschaft selbst vertraut gerade einmal ein Drittel der Konsumenten und das Schlusslicht in Sachen Verbrauchervertrauen bildet mit 15 Prozent die Politik.

Dass der Faktor Nachhaltigkeit für Kaufentscheidungen wichtiger wird, ergab neben der Otto Group Trendstudie 2011 auch eine Umfrage der IFH Köln. Demnach berücksichtigen 24 Prozent von 1.000 befragten Deutschen die Faktoren nachhaltige Produktgestaltung und Unternehmensführung bei der Wahl ihrer Einkaufsstätte. Das ist zwar noch fernab vom wichtigsten Einkaufskriterium, aber IFH-Marktforscher Boris Hedde prophezeit, dass Nachhaltigkeit „spätestens in fünf Jahren ein Muss für jedes Unternehmen“ sein wird.

Matthias Schaffer

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