Für 17 Tage

Die Bürger der Landeshauptstadt München, der Landkreise Garmisch-Partenkirchen, Traunstein und Berchtesgadener Land haben sich eindeutig gegen eine Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2022 ausgesprochen. Und sie haben gut daran getan.

Die Beweggründe der Wähler sind vielschichtig: Der Raubbau an der Natur und Eingriffe an gut funktionierenden Ökosystemen haben bei der Schaffung von Olympia-Anlagen Tradition. Gute Beispiele liefern Turin 2006. Für die Fertigung der Sprungschanzen wurde ein Flusslauf umgeleitet und 14.000 Quadratmeter Boden versiegelt. Dem Eiskanal in Cesana fielen 28 Hektar Lärchenwald zum Opfer. Seit Olympia ist die Anlage bei internationalen Wettbewerben kaum mehr genutzt worden. Nachhaltigkeit sieht anders aus!

Vancouver 2010. Bei dieser Veranstaltung sprachen die Offiziellen von den „grünsten Spielen, die es je gab“. Diese Einschätzung ist schlichtweg falsch. Die vierspurige Autobahn zwischen Vancouver und Whistler zerstörte einen wertvollen Urwald und verletzte die Rechte der indigenen Stämme. Heute wird der Asphalt kaum noch befahren. Für die Wettkampfstätten wurden 100.000 Bäume niedergestreckt und Schwarzbär-Populationen vertrieben.

Die Liste ist lang. Zu lang, als dass sie ignoriert werden kann. Das Thema ist beim Olympischen Komitee nicht mehr als eine Randnotiz. Die Einwohner in demokratischen Staaten denken anders. Im Frühjahr 2013 sprachen sich die Schweizer gegen eine Bewerbung aus. Jetzt also die Bayern.

Putins Russland wird das groteske Wintermärchen 2014 ausrichten. Über 80 Prozent der aus dem Boden gestampften Sportanlagen werden im Nationalpark Sotschi stehen. Ein Weltnaturerbe. Das kaukasische Biosphärenreservat ist von den Bauarbeiten bedroht. 20.000 gerodeter Hektar Wald, die Zerstörung einer wertvollen Quellenlandschaft schenken der sportbegeisterten Welt bereits die ersten Verlierer. Vom Aussterben bedrohte Zugvögelarten, Bären und Steinböcke.

Bayern hat seit neuestem Wähler mit Weitblick und einem nachhaltigen Gespür. Und Bayern hat auch einen Kaiser. Franz der Erste, Beckenbauer. Der und andere Sportprofis ließen es sich nicht nehmen, die Verweigerer der Olympischen Spiele in München nach der Wahl als „dumm“ zu bezeichnen. Wenn man die Lebensgeschichte des Ex-Fußballprofis kennt, hat er wie so viele seiner Kollegen nie nachgefragt, wer ihn bezahlt. „Pecunia non olet.“ Der russische Konzern Gazprom füllt seit diesem Jahr Beckenbauers Taschen. Angeblich, um das angeschlagene Image aufzubessern. Es ist genau das Unternehmen, das mit ein paar Konkurrenten dabei ist, die letzte unberührte Stelle der Welt – die Arktis – mit seinem einzigartigen Ökosystem auszubluten. Greenpeace-Aktivisten sitzen seit der versuchten Erstürmung eines Gazprom-Schiffes trotz internationaler Proteste seit Monaten in russischen Gefängnissen und warten auf ihren Prozess.

Tja, vielleicht tragen ja auch unsere Profis eine Mitschuld an dem Scheitern der Bewerbung. Die Rieschs, Greises und Hannawalds. Es wäre einfach mal klasse, wenn sie ins Blitzlichtgewitter treten würden und sich lautstark für Naturschutz und Ressourcenschonung zu Wort melden würden. Plus Werbung für Organisationen und Aktionen. Sie sind die Beweger im wahrsten Sinne des Wortes. Ihr Statement hat Gewicht. Sie wären Vorbilder, die uns motivieren und zum Nachdenken anregen.

Als Resümee bleibt: Olympia hat in freidenkenden Ländern inzwischen einen schweren Stand. Als Alternative bleiben autokratischen Nationen – wir als Wähler wissen, wer die hinteren Plätze belegen wird.

Florian Simon Eiler

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