Fotokunst gegen die Verschwendung von Nahrung

Kunst aus Lebensmitteln

One Third, die aktuelle Fotoserie des Fotografen Klaus Pichler, stellt einen außergewöhnlichen Zugang zum Thema der globalen Verschwendung von Lebensmitteln dar. Nicht weniger als ein Drittel aller Esswaren landet, gemäß einer UN-Studie, direkt im Müllcontainer. Das CleanEnergy Project wirft einen genaueren Blick auf dieses brandaktuelle und zugleich im höchsten Maße ästhetische Kunstprojekt.

25 bis 75 Prozent der Lebensmittelproduktion gehen verloren. Dieser Wert variiert folgerichtig je nach Produkt und Standort. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) konnte diesen Anteil im weltweiten Durchschnitt schlussendlich dennoch mit einem Drittel beziffern.

Angesichts dieses erschreckend hohen Ausmaßes der Nahrungsmittelverschwendung ist es jedoch zu einfach, die Ursachen hierfür ausschließlich in der globalisierten Lebensmittelindustrie zu suchen. Dort werden die Kosten für die vergeudeten Esswaren ohnedies zur Gänze auf den Konsumenten abgewälzt. Hinzu kommt die Tatsache, dass viele Supermarktketten ihre Waren bereits Tage vor dem angegebenen Ablaufdatum aus den Regalen nehmen. Statistisch betrachtet ist allerdings auch der Endkonsument ein talentierter Verschwender. Bis zu 40 Prozent der zuvor eingekauften Lebensmittel landen, zum Teil noch verpackt, im Hausmüll.

One Third, die Fotoserie. Klaus Pichler widmet sich dieser Thematik auf eine bislang unbekannte Art und Weise. Für seine Arbeiten kauft er in heimischen Supermärkten ein, eruiert den Ursprungsort der Lebensmittel, berechnet die Länge des Transportwegs, den CO2-Fußabdruck sowie die benötigte Wassermenge, um ein Kilogramm des Produkts zu produzieren.

Danach beginnt der Verwesungsprozess. Verpackt in Containern verrotten Eier, Erdbeeren, Nudeln oder Hühner über Tage, Wochen und Monate hinweg. Der Fotograf beobachtet und dokumentiert diesen Vorgang. Abschließend folgt die Inszenierung der verschimmelten und verfaulten Esswaren in Form von beeindruckenden Stillleben. Dabei bedient sich der Österreicher unter anderem der Methoden der Werbefotografie und arbeitet somit jenen Widerspruch heraus, der sich durch die geringe Wertschätzung der Lebensmittel einerseits und die Präsentation der Esswaren als Luxusprodukt andererseits ergibt.

Zweifellos greifen die Bilder ein Tabuthema auf. Der sorglose Umgang der Menschen mit Nahrungsmitteln aller Art ist ein grassierendes gesellschaftliches Phänomen. Die Globalisierung des Nahrungsmittelhandels mündet in immer länger werdende Transportwege. Die dabei automatisch auftretende Umweltbelastung wird vielfach vollständig aus dem Bewusstsein ausgeblendet.

Die Fotografien der Serie One Third von Klaus Pichler zeichnen sich durch ein hohes Maß an Ästhetik aus. Zugleich legt das Kunstprojekt den Finger auf eine offene Wunde unserer Gesellschaft. Erhältlich sind die Arbeiten des Künstlers über die Anzenberger Gallery.  

Joachim Kern

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