Farbige Windkraft

Farbige Windkraftanlagen; Foto: STUDIO VON GARNIER

Warum sind Windräder eigentlich so farblos? Bislang ist es nur erlaubt, Windräder bis zu einer Höhe von 40 Metern zu bemalen. Man kennt die grün abgestuften Farbringe („grüne Socken“). Alles was darüber kommt, leuchtet in eintönigem Weiß-Grau in der Landschaft.

Angeblich könnten farbige Windräder Piloten irritieren, lautet die Begründung. Der weltweit erfolgreiche Farbphilosoph und Industriedesigner Friedrich Ernst v.Garnier hält das für Quatsch. Viele Hochhäuser seien schließlich auch farbig und trotzdem stören sie den Flugverkehr nicht, sagte er in einem Interview des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel„.V.Garnier ist bekannt durch seine architekturbegleitende Farbgebung. Er ist ein intensiver Verfechter der These, dass in Architektur und Industrieanlagen nicht nur alle Helligkeiten zwischen schwarz und grau die bestimmenden Beschichtungen sein dürfen. Er hat zudem die Lehre der “Organischen Farbigkeit” begründet, mit der die Notwendigkeit klangreicher Farbigkeiten für das Wohlbefinden und damit der Gesundheit und Seele postuliert werden; denn in der Natur gebe es keine farbliche Eintönigkeit – zumindest nicht in unseren Breiten.

Für v.Garnier sind die alleinig grau-weißen Windkrafträder, die unsere Landschaften verspargeln, eine ästhetische Zumutung. Die Landschaft sei schließlich nicht grau-weiß, sondern gegliedert in alle Farbigkeiten zwischen hell und dunkel, warm und kalt und sehr selten in einem Aktiv. Zwischen den natürlichen und den künstlichen Artefakten in unserer Kultur- und Naturlandschaft müsse ein abgestimmter farblicher Klang herrschen, keine Buntheiten übrigens. Das gelte dann eben selbstverständlich auch für Windkrafträder. Sie sollten sich farblich in das Landschaftsbild einfügen und dieses nicht fragmentieren.

Der Designer kommt aber nicht mit exzentrischen künstlerischen Anwandlungen daher und plädiert auch nicht für eine Street-Art-Dekoration. In seinen Gestaltungsvorschlägen für unsere Baukultur spiegeln sich die jeweils landschaftsbezogenen Farbcharakteristika wider. Letztere sollen nach seinen Vorstellungen farbig sein, aber nicht bunt; sie sollen farbliche Elemente ihrer jeweiligen Landschaft aufgreifen und sich mit künstlerischen Mitteln in die umgebenden Farbigkeiten integrieren.

v.Garnier rechnet mit einer innerlich breiten Zustimmung der Menschen für sein Konzept. Als Hindernis werde aber immer wieder der Kostenfaktor genannt. Die Landschaftsgestaltung müsse eventuell auch an einen visuellen Landschaftsschutz gebunden sein. Rechtlich könnte man hier bei der Eingriffminimierung des Bundesnaturschutzgesetzes ansetzen. Letztlich sei es eine Frage der Machbarkeit.

Josephin Lehnert

2 Bemerkungen

  • Hi,
    eine interessante Ansicht, die ich durchaus nachvollziehen kann. Wenn ich mir überlege, dass Windräder in einer verschneiten Winterlandschaft, wenn alles weiß ist, deutlich weniger auffallen, sollte man in der Tat überlegen, die WEAs ab 40m aufwärts in himmelblau zu produzieren.

    Schönen Gruß,
    Matthias

  • Hi,
    eine interessante Ansicht, die ich durchaus nachvollziehen kann. Wenn ich mir überlege, dass Windräder in einer verschneiten Winterlandschaft, wenn alles weiß ist, deutlich weniger auffallen, sollte man in der Tat überlegen, die WEAs ab 40m aufwärts in himmelblau zu produzieren.

    Schönen Gruß,
    Matthias

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