Erdüberlastung: Das Guthaben ist aufgebraucht

Tag der Erdüberlastung;

Einen Grund zum Feiern bietet er wahrlich nicht. Jedes Jahr nähert sich der Tag der Erdüberlastung rasanter, sind die Ressourcen schneller verbraucht – in diesem Jahr schon nach 231 Tagen. Der Tag der Erdüberlastung ist wieder einmal ein mahnender Fingerzeig, dass die Grenzen des Wachstums ausgereizt sind.

Im letzten Jahr fiel der Tag der Erdüberlastung auf den 20. August, in diesem Jahr ist es nun schon der 19. August. Die Erdüberlastung wird nach einer Rechnung des Global Footprint Network ermittelt. Sie stellt jenen Wendepunkt dar, an dem die Ressourcen, die uns die Erde theoretisch pro Jahr zur Verfügung stellt und die sie regenerieren kann, aufgebraucht sind. Das wäre der gesamte Bedarf an Wald-, Acker-, Waldflächen, an Tieren und Pflanzen, Wasser, Bauholz, Brennmaterial oder Getreide, den wir Menschen so benötigen. Dass dieser Punkt jetzt schon Mitte August erreicht wurde, ist ein alarmierendes Zeichen. Wir leben über unsere Verhältnisse, und das nicht erst seit gestern.

Nach Angaben des Global Footprint Network hat die Menschheit schon Mitte der 1970er Jahre eine ganze Erdkugel verbraucht. Der Tag der Erdüberlastung fiel damals auf Silvester. Seitdem verschiebt er sich Jahr für Jahr um durchschnittlich drei Tage. Bei unserem jetzigen Lebenswandel und der Wirtschaftsweise bräuchten wir 1,5 Erden, um leben zu können, ohne Schaden zu hinterlassen. Würden alle Menschen so leben wie wir Deutschen wären es sogar 2,5 Erden. Der Raubbau an der Natur ist immens. Biodiversitätsverlust, Überfischung, Landübernutzung, der Waldanteil sinkt kontinuierlich während die Treibhausgasemissionen steigen und die Müllberge zu Land und zu Wasser immer größer werden.

Umwelt- und Entwicklungsorganisationen mahnten wie jedes Jahr, das ungezügelte Wachstum einzudämmen, nach alternativen Lebens- und Wirtschaftsformen zu suchen und gegen die anhaltende Ressourcenausbeutung anzugehen. In Berlin haben sich mehrere NGOs zu einer Demonstration zusammengefunden. „Im Prinzip leben wir ab heute auf Pump, weil die nachwachsenden Ressourcen der Erde nicht mehr zur Verfügung stehen“, erklärte INKOTA-Referentin Christine Pohl. Ein überdimensionales Youtube-Video verdeutlichte den Ernst der Lage. Der Film zeigt die Kapazitäten und das Ressourcenreichtum unseres blauen Planeten und endet mit dem zynischen Hinweis „Die Erde ist ab heute leider nicht mehr verfügbar, weil die erneuerbaren Ressourcen für dieses Jahr aufgebraucht sind.“

„Wir müssen dem Verschwendungstrend schleunigst etwas entgegensetzen, denn die sozio-ökologischen Konsequenzen werden mit der Zeit unumkehrbar“, sagt Marius Haberland vom INKOTA-Netzwerk. Noch lassen sich die Folgen der hemmungslosen Ausbeutung für viele erfolgreich verdrängen. Was aber, wenn es irgendwann einmal nicht mehr so ist?

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