Energiewende – oder doch lieber shoppen?

Der 22. März 2014 war ein denkwürdiger Tag. Denn am Samstag letzter Woche gingen in Deutschland mehr Menschen für die Energiewende auf die Straße als je zuvor. In sieben Landeshauptstädten wurde für eine zügige Energiewende demonstriert, weg von Kohle und Atom, hin zu den erneuerbaren Energien.

In München schätzten die Organisatoren etwa 5.000 Teilnehmer; insgesamt sollen etwa 30.000 Menschen an den Demonstrationen teilgenommen haben. Der Weg zur Demo in München war klar gekennzeichnet,

Die Dringlichkeit eines Ausstiegs aus den fossilen Energien wird mit jedem Tag höher. Denn der Klimawandel wartet nicht darauf, bis wir endlich verstehen, warum die Energiewende im wahrsten Sinne Not-wendig ist. Ohne die Energiewende werden wir es nicht schaffen, einen Anstieg der globalen Temperatur auf unter zwei Grad Celsius zu begrenzen. Deutschland könnte den Weg bahnen für eine Zukunft ohne fossile Energien. Wenn nicht wir, dann wer? Und wenn nicht jetzt, dann…ist es bald zu spät. Und die Politiker wehren sich dagegen wegen ein paar Cent mehr oder weniger pro Kilowattstunde?!

Immerhin haben sich am Samstag 30.000 Menschen aufgerafft, haben die Arbeit, Haus und Garten ruhen lassen, und sich auf den Weg gemacht, um für eine lebenswerte Zukunft einzustehen. Das ist ein wunderbarer Anfang.

Doch wir brauchen viel mehr. Ein Sprecher meinte, dass die Mauer nur fiel, indem die Bürger der DDR durch Montagsdemonstrationen nie aufgaben, ihren Willen zur Einheit kundzutun. Genauso brauchen wir nun Montags- (oder Samstags-) Demonstrationen, um den Politikern klar zu machen, wie wichtig die Energiewende ist – für uns und alle zukünftigen Generationen.

Aber wir brauchen nicht nur die Politiker – wir brauchen den Einsatz von jedem Einzelnen. Jeder, der die Wichtigkeit der Energiewende versteht, sollte sich auch dafür einsetzen, so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen.

Dass eine Demonstrationsteilnehmerin am Handy ihre Tochter bat, die Wäsche in den Trockner zu stecken, ist unserem Ziel der Energiewende nicht wirklich zuträglich; und da hilft es auch nicht, wenn die Person danach zu mir kam (ich hatte ihr einen bitterbösen Blick zugeworfen), und erklärte, dass sie ja Ökostrom bezieht….

Etwas ernüchternd war es auch, auf dem Weg zum Bahnhof zwischen Marienplatz und Stachus die Menschenmassen zu sehen, die sich durch diverse Shoppingmöglichkeiten wühlten.

Wie können wir von den Politikern wirklich ernst genommen werden, wenn an einem Tag wie heute in einer Großstadt wie München gerade mal 5.000 Menschen erscheinen? An einem solchen Tag sollte Generalstreik sein und Zehntausende zur Demonstration strömen! Warum gibt es eigentlich nur Streiks, um mehr Geld zu fordern, aber keine Streiks für unsere Zukunft?!

Wir müssen unsere Energien noch viel mehr bündeln um wirklich gehört zu werden. Zu Hause muss die Energiewende beginnen – aber gemeinsam müssen wir für sie öffentlich einstehen, um ihr die Wichtigkeit zu geben, die sie hat.

Dieser Beitrag erschien im Origianl auf www.wissenleben.de.

Dr. Maiken Winter

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