Energieautonomie – Vision oder Wirklichkeit?

Der Dokumentarfilm „Die 4. Revolution – Energy Autonomy“ setzt sich mit dem Thema Energieautonomie in 84 Minuten auseinander. Der Film zeigt durch die Verknüpfung von praktischen Beispielen, lebendigen Bildern und harten Fakten Auswege aus der Energiekrise auf.

In der Dokumentation dreht sich alles um eine Vision: Eine Welt, deren Energiebedarf zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gedeckt wird. Hierzu bereist der Regisseur Carl A. Fechner mit seiner 5-köpfigen Crew die verschiedensten Kontinente: ob in Afrika, Amerika, in Südamerika oder Asien – überall trifft das Team Menschen, die mit den verschiedensten Hintergründen und Zielsetzungen individuelle Positionen beziehen. Nahezu jeder von ihnen – ob Model, Politiker oder Wissenschaftler – setzt sich auf seine eigene Weise für die Energiewende ein.

Da ist der Ingenieur Ibrahim Togola, der durch die Installation von Solarmodulen auf den Dächern von dörflichen Krankenhäusern die Arbeit der Hebammen erleichtert und mit der Installation autarker Energiesysteme die wirtschaftlichen Chancen der Landbevölkerung erhalten möchte. Der Geschäftsführer Zengrong Shi, dessen Unternehmen einer der Weltmarktführer in der Herstellung von Solarzellen ist, setzt sich für die Energierevolution in der Industrie ein, während Muhammad Yunus mit der Grameen Bank Mikrokredite für die Landbevölkerung bereitstellt. Auch der juwi-Geschäftsführer Matthias Willenbacher oder Hermann Scheer, der maßgeblich an der Entwicklung des Erneuerbare-Energien-Gesetz mitwirkte, kommen zu Wort. Zuletzt spricht sich der Chef-Ökonom der Internationaler Energieagentur Fatih Birol als einziger Gegenpart für „sauberen“ Kohlestrom und „sichere“ Atomkraft aus. Seine Argumente lassen jedoch ein wenig an Fakten mangeln.

Durch die Einteilung des Films in Einzelkapitel fungiert die Dokumentation auch als Lehrfilm beispielsweise für Schulklassen. Die DVD wird aufgewertet durch Bonusmaterial von über 90 Minuten Länge. Somit kann sich jeder Wissbegierige noch über den eigentlichen Film hinaus zur viel diskutierten Energiewende und dem Ausbau der Erneuerbaren Energien informieren.

Die Dokumentation folgt einem Sachbuch von Hermann Scheer, wobei die Lösungsansätze und nicht die Probleme in den Mittelpunkt gerückt werden. Durch die Begegnung der Protagonisten an den verschiedensten Orten der Welt wird das Thema der Energieautonomie lebendig. Fakten, aber auch kritische Fragen werden in kurzen Sequenzen immer wieder eingespielt.

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Die Finanzierung des Films wurde – nachdem einschlägige Institutionen eine Finanzierung ablehnten – durch ein so genanntes Filmbausteinsystem getragen. Das heißt Aktive, Vordenker, Unternehmer, engagierte Einzelpersonen oder Verbände und Organisationen der Energiewende haben die Kosten getragen. Zum einen wird der Film dadurch von der Bewegung für die Bewegung realisiert. Zum anderen kommt allerdings dabei der Gedanke auf, die Dokumentation könnte etwas einseitig dargestellt sein, indem sie nur Befürworter einer Wende hin zu einer Energieversorgung aus 100 Prozent erneuerbaren Energien zu Wort kommen lässt. Das Ergebnis ist dennoch der erfolgreichste deutsche Kino-Dokumentarfilm des Jahres 2010.

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