Energieautark bauen und sanieren mit Gap-Solution

Gebäude

 Volker Taschil, technischer Geschäftsführer des Fassaden- und Gebäudetechnikunternehmens Gap-Solution, im Expertengespräch mit dem CleanEnergy Project. Unsere Gesprächsthemen: die Sanierung von Bauwerken, die Minimierung des Energiebedarfs und energieautarke Gebäude.

Der Fokus der Gap-Solution GmbH richtet sich auf die Entwicklung und Umsetzung nachhaltiger Lösungen für den Baubereich. Zahlreiche Bauprojekte beweisen, dass insbesondere die professionelle Sanierung bestehender Bauten zu einer massiven Reduktion des Energieverbrauchs führt. Das erklärte Ziel des österreichischen Unternehmens ist die Realisierung energieautarker Gebäude.

Herr Taschil, die Aktivitäten der Gap-Solution GmbH sind auf den ersten Blick nicht einfach zu überschauen. Können Sie uns einen groben Überblick geben?

Gap beschäftigt sich mit der Aufwertung von Gebäuden und widmet sich allen Komponenten, die für den Energieverbrauch verantwortlich sind. Wir lösen das Problem des Wärmeverlustes und planen auch das jeweils ideale Heiz- und Warmwassersystem. Unser Hauptaugenmerk liegt hier auf der Zukunftsfähigkeit in energetischer, optischer und qualitativer Hinsicht.

Ausgangsprodukt dazu ist die patentierte Gap-Fassade. Dieses System ist im Neubau interessant, da eine Passivhauswand mit nur 26 Zentimeter Dicke realisiert werden kann. Die spezielle Fassade hat aber ihr Haupteinsatzgebiet in der Sanierung (Wandlung) von Gebäuden. Der Energiebedarf kann hier alleine über die Gebäudehülle um 90 Prozent reduziert werden. Gap bietet von der Planung bis zur Umsetzung alles aus einer Hand an, was mit Energie rund um das Gebäude zu tun hat, vertreibt aber auch die Produkte einzeln.

Die Gap-Fassade ist ein wichtiges Element der von Ihnen angebotenen Energiekonzepte. Worin liegen die Besonderheiten der Fassaden?

Die Gap-Fassade ist aus Paneelen aufgebaut. Diese Paneele unterbinden mit Hilfe der Energie des Lichtes, dass ein Wärmeverlust in der Wand stattfinden kann. In einer „Solarwabe“ wird ein warmer Luftpolster rund um das Gebäude erzeugt, so als würde es in einer wärmeren Klimazone stehen. Durch diesen Effekt ergeben sich etwa U-Werte (Anmerkung: ein Maß für den Wärmestromdurchgang durch eine ein- oder mehrlagige Materialschicht) von unter 0,05 Watt pro Quadratmeter Kelvin (W/m2K) bei einer Gesamtwandstärke von 26 Zentimetern.

Besonders an diesem System ist aber, dass sich dieser Effekt im Sommer nicht verstärkt und dann negativ zur Überhitzung beiträgt. Im Sommer wird die Überhitzung aus der äußersten Wandschicht abgelüftet. Die Solarwabe verschattet sich aufgrund ihrer Geometrie selbst und überhitzt nicht.

Zuletzt hat Ihr Unternehmen in der Stadt Graz eine Wohnsiedlung saniert. Inwiefern hat sich die dortige Situation durch die Sanierung verbessert?

Die Anlage in Graz hat zirka 200 Wohneinheiten und stammt aus den Jahren 1954 bis 1968. Das energetische Niveau war extrem schlecht, die Heizkosten extrem hoch und die Siedlung sozial problematisch.

Ziel war mit einer Sanierung eine moderne, zukunftsfähige Wohnsiedlung zu entwickeln. Der Energiebedarf, und damit die Heizkosten, wurde um 95 Prozent reduziert. Das gesamte Vorhaben wurde in acht Monaten abgewickelt und fand im voll bewohnten und benutzten Zustand der Anlage statt. Die Fassaden wirken durch den Werkstoff Glas und die Farbgebung frisch und modern. Die Behaglichkeit in den Wohnungen wurde durch ein ausgeglichenes Raumklima wesentlich gehoben. Die neu gestalteten Außenanlagen runden das freundliche Erscheinungsbild ab. Das Projekt war 2010 als eines von nur vier europäischen Projekten für den World Energy Globe nominiert.

Aktuell beschäftigen Sie sich mit der Sanierung einer Wohnanlage in der Stadt Leoben. Welche Herausforderungen bringt dieses Projekt mit sich?

Einerseits versuchen wir, diese Großwohnanlage mit 256 Wohnungen in weniger als sechs Monaten zu sanieren. Damit wollen wir zeigen, dass Sanierung nicht immer jahrelangen Lärm und Baustelle bedeutet.

Besonders an diesem Projekt ist die Art der Solaranlage. Wir habe in den Projekten der letzten Jahre festgestellt, dass bei Gebäuden mit extrem niedrigem Energiebedarf die Energieverteilung von zentralen Erzeugeranlagen fast die Hälfte des Verbrauches ausmacht. Deshalb haben wir eine fassadenintegrierte Solaranlage (Kollektor und Speicher) entwickelt, die dezentral direkt beim Verbraucher das Warmwasser mit Sonnenenergie erzeugt. Hier in Leoben bringen wir diese Technologie erstmals zum Einsatz.

Wohin führen uns die Entwicklungen der kommenden Jahre? Bis wann wird es vollkommen energieautarke Gebäude geben?

Die kommenden Jahre sind jene Jahre, wo einer großen Masse an Nutzern und Betreibern bewusst werden wird, dass das jetzige System des Energieverbrauches in eine Sackgasse führt. Das wird man einerseits bei den Energiepreisen oder andererseits ganz einfach bei der Verfügbarkeit merken. Die Aufgabe besteht darin, solche Gebäude zu schaffen, die von diesen Entwicklungen unabhängig sind. Dauerhaft bestehen können nur Systeme und Gebäude, die im Kreislauf leben.

Die Technologie für energieautarke Gebäude ist bereits vorhanden. Allein der fehlende Mut, langfristig zu denken, reißt viele Bauherrn immer wieder zum kurzfristigem, auf Investitionskosten fokussiertes, Denken hin. Gap versucht durch seine Projekte immer wieder zu zeigen, dass die Technologien verlässlich und vor allem finanzierbar sind.

Das Positive an der gerade an uns vorbeigegangenen Wirtschaftskrise ist, dass jetzt auch die Hochfinanz auf das Zukunftspotential dieser Technologien aufmerksam geworden ist. Wenn dadurch Finanzierungskonzepte für diese Technologien entstehen, dann ist die größte Hürde für energieautarke Gebäude genommen.

Herr Taschil, herzlichen Dank für das Gespräch.

Joachim Kern

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