Endstation Meer

Plastikmüll

Alljährlich werden gigantische Mengen Plastikmüll im Meer versenkt. Eine internationale Wanderausstellung, konzipiert vom Museum für Gestaltung Zürich, zeigt das Plastik-Desaster in unseren Weltmeeren. Als erste Station gastiert die Ausstellung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe.

50 Jahre überdauern PET-Flaschen, herkömmliche Plastiktüten und Lebensmittelverpackungen, Sixpack-Ringe 200 Jahre, Plastikflaschen und Einwegwindeln 450 Jahre und Kunststoff-Fischernetze 600 Jahre. Und auch dann ist der Plastikmüll nicht verschwunden, er zerbröselt zu immer kleineren Krümeln und gibt Partikel und Schadstoffe ab. Was übrig bleibt, sind winzige „nurdles“, auch „Tränen der Meerjungfrau“ genannt. Und die hat allen Grund zu weinen.

MKG EndstationMeer 13Denn der Strom an Plastikmüll im Meer reißt nicht ab. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen landen jedes Jahr rund sechs Millionen Tonnen Müll im Meer. Auf jedem Quadratkilometer Ozean treiben bis zu 18.000 Plastikteile unterschiedlicher Größe. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs, denn rund drei Viertel des Mülls sinkt auf den Meeresboden und rund 15 Prozent wird an die Küsten gespült. Im Meer sammelt sich der Müll zu gigantischen Strudeln. So treibt im Nordost-Pazifik eine Plastikinsel unvorstellbarer Größe – ein Müllteppich, der bereits die Ausmaße Zentraleuropas erreicht hat. Der „Great Pacific Garbage Patch“ vor Hawaii ist nur einer von bisher insgesamt fünf solcher Plastikansammlungen.

Der Müll verstopft den Verdauungsapparat von Meerestieren: Planktonmikroben, Schildkröten, Seevögel, Wale und Delfine nehmen den Müll auf und verhungern oder verdursten, weil in ihren verklebten Mägen kein Platz mehr für echte Nahrung ist. Nicht zuletzt nehmen auch Fische, die schlussendlich auf unseren Tellern landen, die Kleinstteile auf. Ein ungesunder Kreislauf.

MKG EndstationMeer Ausstellungsansicht 4Die Ausstellung „Endstation Meer? Das Plastikmüll-Projekt“ möchte auf dieses Problem aufmerksam machen – mit drastischem Anschauungsmaterial. So stapelt sich als Blickfang eine symbolische Müllwelle inmitten der Ausstellungsräume und konfrontiert die Besucher mit den Auswüchsen unserer Konsum- und Wegwerfgesellschaft.

Man kann nur staunen, was an Plastikteilen in Möwenmägen gefunden wurde und wie vergiftet bereits die Küken in Seevogel-Kolonien sind, die ihre Nester auf Müllhalden bauen müssen. Die Ausstellungsstücke machen auf eindringliche Weise deutlich, auf was für ein ökologisches Desaster wir zusteuern. Filme, Fotografien oder Installationen zeigen, wie der Plastikmüll, der wohlgemerkt erst seit gut 40 Jahren im industriellen Maßstab hergestellt wird, das ökologische Gleichgewicht der Meere verändert.

MKG EndstationMeer Ausstellungsansicht 1Unvorstellbar wie es in den Ozeanen in 50, 100 oder 500 Jahren aussehen wird, wenn wir unseren derzeitigen Lebenswandel beibehalten oder sogar noch verstärken. Die Ausstellung möchte zum Nachdenken und zum Umdenken anregen. Sie soll Sprachrohr sein für Millionen Lebewesen, die die menschliche Sprache nicht sprechen und deshalb nicht gehört werden.

Vielleicht bleibt etwas hängen in den Köpfen. Vielleicht verzichtet man beim nächsten Einkauf auf die obligatorische Plastiktüte und nimmt das althergebrachte Einkaufsnetz? Vielleicht geht man auch mal in den Bioladen und kauft die Tomaten direkt aus der Kiste und nicht fertig abgepackt. Vielleicht nimmt man mal wieder Streichhölzer statt das Feuerzeug und packt den Kinderpopo in wiederverwendbare Stoffwindeln, so wie es Generationen vor uns auch getan haben. Das ist unbequem, ja, und uncool, aber wenn es weitergeht wie bisher, wird es für diejenigen, die heute in den Plastikwindeln stecken, bald noch viel, viel unbequemer.

Die Wanderausstellung gastiert zunächst in Hamburg und ist dort noch bis zum 31. März 2013 zu besichtigen.

Josephin Lehnert

1 Kommentar

  • Die Ausstellung ist sehr beeindruckend und informativ. Im Museum selbst und im Umfeld des Hauptbahnhofes und der Innenstadt fehlt es freilich an notwendiger Werbung und Hinweisen .
    Gut wäre eine Ergänzung gewesen um die Fülle an Verpackungsmöglichkeiten (v.a. Glas) mit höherer Recykling- bzw. Wiederverwendungsquote ins Licht zu rücken. Gut auch das Beispiel Plastikzahnbürsten – mit den Einmalrasierern der Nassrasurfans sieht es nicht besser aus.
    Besonders schade, dass diese Ausstellung über Plastikmüll und Belastung für die Meere so ganz ohne Folgen für den Museumshop des MKG ist: die Regale mit Artikelen für Kinder sind fast nur mit Plastikartikeln gefüllt.