El Niño bringt Hungersnot: 22 Mio. Menschen betroffen

Hungersnot in Ostafrika
Hungersnot in Ostafrika

Das Klimaphänomen El Niño wird 2016 wahrscheinlich zu einer schweren Hungersnot am Horn von Afrika führen, warnt die internationale Hilfsorganisation CARE. Bereits heute leiden laut Vereinten Nationen in der Region rund 18,5 Millionen Menschen unter Nahrungsknappheit – ein Anstieg von 64 Prozent seit August. Nun müssen schnellstmöglich ausreichende Mittel zur Verfügung gestellt werden, um den betroffenen Menschen Hilfe leisten zu können.

Das Klimaphänomen El Niño bezeichnet eine periodisch auftretende, nicht vorhersagbare Veränderung der Wasser-strömungen im äquatornahen Pazifik. Diese führt letztendlich dazu, dass der kalte Humboldstrom zum Erliegen kommt, und sich das Wasser an der Küste Perus stark erwärmt. Das hat extreme Auswirkungen auf Ökosysteme und Wetterlagen fast überall auf der Welt. Viele Meereslebewesen und Seevögel sterben – ganze Nahrungsketten brechen zusammen. An der südamerikanischen Küste kommt es zu starken Regenfällen, in vielen anderen Regionen hingegen bleibt der Regen fast vollständig aus.

So auch am Horn von Afrika. In den dortigen Ländern sei die Regenzeit diesmal aufgrund des Klimaphänomens fast vollständig ausgeblieben, und es fehlt dementsprechend schon jetzt an Nahrung, berichtet CARE-Mitarbeiterin Johanna Mitscherlich, die sich vor einigen Wochen ein Bild von der Lage in den Regionen Somaliland und Puntland machen konnte. In Somalia sei die Zahl der unterernährter Kinder bereits stark gestiegen. „Mütter berichten, dass viele ihrer Schafe und Ziegen bereits durch Hunger und Durst verendet sind. Ihren Kindern fehlt deshalb Milch und sie sind sehr geschwächt“.

El Niño trifft ausgerechnet die Ärmsten der Armen. Während die reichen Länder in Europa und Nordamerika von den Folgen des Phänomens weitgehend verschont bleiben, mussten in Somalia, wo seit Jahren Unsicherheit und Hunger herrscht, bereits mehr als eine Millionen Menschen flüchten. Weitere Zehntausende, die jetzt vor den Auswirkungen von El Niño fliehen, finden in den Flüchtlingscamps und Notbehausungen kaum mehr Platz.

Auch in Äthiopien, wo derzeit die stärkste Dürre seit 30 Jahren herrscht, benötigen mehr als zehn Millionen Menschen Nahrungshilfe. „In den Dürregebieten sind die Rücklagen vieler Familien bereits aufgebraucht, Wasser und Nahrung sind knapp“, berichtet Garth Van’t Hul, CARE-Länderdirektor in Äthiopien. „Während des letzten großen El Niño im Jahr 2002 kam die Lebensmittelhilfe zu spät und viele Menschen hatten über Jahre hinweg mit den Folgen von Unterernährung zu kämpfen.“

Jüngsten Prognosen zufolge werden sich die Auswirkungen von El Niño im kommenden Jahr leicht abschwächen, aber für die bereits schon heute massiv geschwächten Regionen am Horn von Afrika könnte das bereits zu spät sein. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind die benötigten Gelder für rechtzeitige Katastrophenvorsorge und akute Nothilfe bis Ende dieses Jahres erst zu 49 Prozent finanziert.

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CARE fordert deshalb die internationale Gebergemeinschaft auf, rechtzeitig ausreichende Mittel zur Katastrophenvorsorge bereitzustellen. Die Hilfsorganisation verteilt in Äthiopien Nahrungsmittel an mehr als 360.000 Menschen, unterstützt über 100.000 von Mangelernährung betroffene Kinder und Mütter und ermöglicht mehr als 40.000 Menschen den Zugang zu sauberem Trinkwasser. In Äthiopien, Somalia und Kenia unterstützt CARE Gemeinden dabei, Rücklagen zu bilden und sich auf Dürren vorzubereiten, etwa durch die Verteilung von dürreresistenterem Saatgut oder dem Aufbau von Kleinspargruppen.

Wer den Betroffenen helfen möchte, kann sich auf der Website von CARE über die Möglichkeiten dazu informieren.

Quelle: CARE

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