Ein Interview mit klimAktiv

Norberd Schmid, Gründer von klimAktiv

„KlimAktiv“, eine gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung des Klimaschutzes, begann kürzlich eine Kampagne, die zum aktiven Mitmachen beim Klimaschutz aufruft: Endlich handeln! Wir sprachen mit Norberd Schmid, einem der Gründer von klimAktiv.

Herr Schmid, seit wann gibt es klimAktiv, und was hat Sie dazu veranlasst, das Portal klimaktiv.de zu starten?

KlimAktiv ist eine gemeinnützige Gesellschaft und hat zwei Gründer. Zum einen Stephan Schunkert, der sich heute um die Geschäftsführung kümmert, zum anderen ich selbst. Angefangen hat alles mit dem Portal CO2-handel.de. Da wir beide aus dem Bereich der Energieversorgung stammen, haben wir uns früh mit dem Emissionshandel beschäftigt und waren fasziniert von der Möglichkeit, mit den Instrumenten der Wirtschaft den Klimaschutz zu befeuern.

Wir haben damals festgestellt, dass es im Internet nichts gab, was die Themen Klimaschutz und Wirtschaft ansprechend bündelt. So sind wir auf die Idee gekommen, ein eigenes Portal zu gründen. Heute ist CO2-handel.de eine der meist frequentierten Portale zum CO2-Emissionshandel und Klimaschutz im deutschsprachigen Raum, aber eben mit einem starken Bezug zum CO2-Business.

Das Interesse an unseren Berichten zum Klimawandel und Klimaschutz war von Anfang an groß und wir wurden immer wieder gefragt, was der einzelne gegen den Klimawandel tun kann. So kamen wir auf den Gedanken, einen CO2-Rechner zur Ermittlung des persönlichen CO2-Fußabdrucks – des Carbon-Footprints – zu entwickeln. Er bildet heute den Kern unserer Plattform klimaktiv.de, die vor allem den Klimaschutz im Alltag in den Vordergrund stellt. Unsere gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung des Klimaschutzes haben wir dann erst im Frühjahr des vergangenen Jahres gegründet.

Was wollen Sie mit Ihrem Portal erreichen? Und wieviel näher sind Sie inzwischen ihrem Ziel gekommen?

Mit klimAktiv.de wollen wir über den Klimawandel und über die Möglichkeiten des Klimaschutzes informieren. Vor allem aber wollen wir deutlich machen, dass nur dann wirksamer Klimaschutz entsteht, wenn jeder Mensch sich seiner Verantwortung bewußt wird und bei sich persönlich anfängt, Treibhausgase zu vermeiden. Ich denke, mit unserem CO2-Rechner sind wir auf einem guten Weg auf diesem Gebiet viel zu erreichen, da er mittlerweile hundertfach im Netz verbreitet ist und viele Klimaschutzprogramme von Kommunen und Unternehmen um diesen Rechner aufgebaut sind.

Ihr wichtigstes Angebot ist also Ihr CO2-Rechner. Was unterscheidet diesen Rechner von dem CO2-Rechner, der von co2online angeboten wird?

Beide Tools sind wichtig, sinnvoll und ergänzen einander. Mit unserem CO2-Rechner ist es möglich, den persönlichen Ausstoß vom Treibhausgas Kohlendioxid in den verschiedenen Lebensbereichen, wie Wohnen, Mobilität, Ernährung und Konsum zu berechnen. Im Anschluss an die Ermittlung der eigenen CO2-Bilanz erhält man darauf abgestimmte und konkrete Tipps zu klimafreundlicherem Verhalten. Durch die Online-Präsenz wird der CO2-Rechner regelmäßig aktualisiert. Hierbei helfen uns unsere Partner, das UBA und das IFEU-Institut. Das Angebot von co2online beinhaltet mit dem Pendos CO2-Zähler zwar auch eine Möglichkeit, über eine Art Tabelle die CO2-Emissionen für bestimmte Verhaltensweisen nachzuschlagen, für viel wichtiger halte ich aber die von co2online angebotenen online-Tools zur Unterstützung einer klimafreundlichen Lebensweise.

Vor Kurzem haben Sie eine Kampagne gestartet: „Endlich handeln!“ Worum geht es dabei?

Ziel dieser Kampagne ist es, möglichst viele Bürger zu klimaverantwortlichem Handeln zu bewegen, indem sie mit Hilfe des CO2-Rechners ihre persönliche CO2-Bilanz erstellen. Über 2000 ,KlimAktivisten‘ hat die Kampagane seit Juli schon mobilisiert und es sollen bis zum Klimagipfel in Kopenhagen im Dezember noch viel mehr werden. Die Ergebnisse der Kampagne werden auf der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen präsentiert. Bei der Kampagne mit dabei sind prominente Schirmherren und -frauen und Unterstützer, die helfen sollen, die Kampagnenidee zu verbreiten. Wissenschaftler und Autoren beziehungsweise Gutachter des letzten IPCC-Berichtes, wie Prof. Rahmstorf vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung, Prof. Mojib Latif vom Kieler Institut für Meeresforschung, Prof. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Vertreter der Wirtschaft, wie Thomas Jorberg (Vorstandssprecher GLS Bank) oder der Unternehmer Alfred Ritter.

Außerdem wird die Kampagne noch von prominenten Persönlichkeiten aktiv unterstützt, wie unter anderem der Arktisforscher Arved Fuchs, Reinhold Messner oder Peter Maffay. Eine politische Unterstützung erhält die Kampagne von allen Bundestagsfraktionen durch die jeweiligen klimapolitischen Sprecher beziehungsweise weiteren MdBs.

Das klingt ja sehr spannend! Ich hoffe, dass Sie noch sehr viel mehr Teilnehmer an der Kampagne finden!

Nur diejenigen können also an dieser Kampagne teilnehmen, die ihr CO2-Bilanz berechnen. Das ist eine geniale Art, die Leute dahin zu bringen, endlich ihre CO2-Bilanz auszurechnen. Aber ist die Berechnung nicht furchtbar langwierig und kompliziert? Welche Daten braucht man denn dafür?

Unser Ziel war es immer, dass diese Art der CO2-Bilanzierung selbsterklärend ist und mit einem vertretbaren Zeitaufwand – etwa zehn bis 15 Minuten – möglich ist. Natürlich ist es hilfreich, wenn man seinen jährlichen Energiebedarf kennt, aber der lässt sich aus den Abrechnungen des Energieversorgers leicht ablesen. Alles andere, wie zum Beispiel die Flugdistanzen, emittelt der CO2-Rechner selbst.

Und wie komme ich zu den Energie-Daten, wenn ich mein Apartment warm miete?

Sollte keine Abrechnung zur Hand sein, bieten wir auch Schätzungen der Energiebedarfe an. Die CO2-Bilanz lässt sich also ganz einfach ermitteln, ohne dabei trivial zu sein.

Toll, dann kann ich also auch mitmachen! Aber denken Sie denn, dass wir Kopenhagen wirklich noch beeinflussen können?

Das wäre sicher vermessen, aber wir wollen unseren Beitrag leisten, dass die verantwortlichen Politiker, die den großen Rahmen für unsere Zukunft spannen, unter Druck geraten und ihrer großen Verantwortung gerecht werden.

Wäre es nicht auch wichtig, möglichst bald uns auf die Zeit nach Kopenhagen vorzubereiten? Die Menschen müssen wissen, dass Kopenhagen noch nicht unser Todesurteil ist. Auch danach können und müssen wir weiter kämpfen. Was wird in der Hinsicht von Ihnen aus geplant?

Ja, genau das haben wir vor. Kopenhagen ist auch für uns nur ein – wenn auch ein sehr wichtiger – Meilenstein hin zu einer klimabewußten und gerechteren Gesellschaft. Wir von klimAktiv haben bereits einige viel versprechende Ideen.

Maiken Winter

Add comment