Desertec – „Das Projekt ist absolut realistisch“

Dr. Gerhard Timm, Vorstand der Desertec Foundation

Nachhaltigkeit made in Germany – darum geht es beim Clean Tech Media Award, der Klimaschutz-Pioniere und „grüne“ Prominenz gemeinsam ehrt. In einer Serie stellt das CleanEnergy Project die Nominierten und Gewinner des Clean Tech Media Awards 2009 vor.

Zum Auftakt sprachen wir mit Dr. Gerhard Timm, dem Vorstand der Desertec Foundation, die mit dem diesjährigen Sonderpreis ausgezeichnet wurde. Die Desertec Foundation ist als Botschafterin und Förderin des Desertec-Konzepts für die Lobbyarbeit des so genannten „Wüstenprojekts“ verantwortlich.

Herr Dr. Timm, von wem wurde die Desertec Foundation gegründet und was sind ihre Aufgaben?

Die Desertec Foundation hat zwei „Mütter“, die Deutsche Gesellschaft des Club of Rome und die Trans-Meditterranean-Renewable-Energy-Cooperation, ein Netzwerk im EUMENA-Raum (Europe, Middle East, North Africa), dass sich schon länger mit Energiefragen beschäftigt. In der Stiftung sind aber ganz bewusst nur Privatpersonen. Unser prominentestes Gründungsmitglied ist Prinz Hassan von Jordanien. Die Aufgabe der Stiftung ist die Umsetzung des Desertec-Konzepts im globalen Maßstab. Es werden Partner gesucht, Allianzen geschmiedet und die Politik „angetrieben“.

Erklären Sie doch bitte kurz unseren Lesern, wie sich die Stiftung finanziert!

Die Stiftung finanziert sich derzeit ausschließlich über Spenden.

Seit der Bekanntgabe des Desertec-Gründungstreffens am 13. Juli dieses Jahres, gehört das Desertec-Projekt zu den Top-Themen in den Medien. Doch neben begeisterter Zustimmung werden auch immer wieder Stimmen der Kritik laut. Was ist Ihre Motivation, sich für das Projekt einzusetzen?

Moment, am 13. Juli 2009 wurde nicht die Stiftung gegründet, sondern die Desertec Industrial Intitiative (DII). Diese Kooperation von derzeit 13 großen Unternehmen hat die Stiftung zunächst gegenüber der Münchener Rück angeregt. Am Anfang mussten wir sie noch etwas zum Jagen tragen, aber am Ende hat der Funken dann auch dort gezündet.

Was meine Motivation angeht: Das Projekt ist absolut realistisch. Es kann mit bestehenden Technologien umgesetzt werden. Seine konsequente Umsetzung wird einen wesentlichen Beitrag zur Lösung einiger großer Menschheitsprobleme leisten: Saubere, preiswerte Energie in nahezu beliebiger Menge löst das Klimaproblem, löst – über Meerwasserentsalzung – das Trinkwasserproblem, führt in den Ländern mit geeigneten Wüstengebieten und das sind oftmals sehr arme Regionen zu Einkommen und Wohlstand über den Export der Energie und damit ergibt sich schließlich auch noch ein Beitrag zum Weltfrieden. Wen das nicht begeistert, dem ist nicht mehr zu helfen.

Welche Rahmenbedingungen müssen erst noch geschaffen werden, um eine planmäßige Umsetzung des Desertec-Projekts zu ermöglichen?

Wie jede neue Technologie bedarf es in der Anfangsphase der öffentlichen Unterstützung. Zum einen als politische Unterstützung, die gibt es in Europa etwa im Solarplan der Union für das Mittelmeer, aber das ist noch deutlich zu wenig. Wir brauchen einen EUMENA-Masterplan den alle betroffenen Länder gemeinsam entwickeln und dann in der Implementation auch gemeinsam mittragen. Auf der anderen Seite brauchen wir finanzielle Anreizmechanismen. Es wäre dringend notwendig, dass im Rahmen des nächsten Klimaprotokolls das Desertec-Konzept als besonders geeignet Berücksichtigung findet. Das heißt, dass Investitionen in die Umsetzung des Desertec-Konzepts besonders günstigen Bedingungen unterliegen.

Welche Bedeutung hat das Desertec-Projekt für die beteiligten Entwicklungsländer?

Es entsteht ein doppelter Nutzen: Zum einen lösen die beteiligten Entwicklungsländer ihre Probleme im Bereich einer zuverlässigen Stromversorgung zum anderen generieren sie Einnahmen durch den Export von Strom. Das unsinnige Gerede von grünem Kolonialismus zeugt hier nur von völliger Unkenntnis.

In den afrikanischen Ländern südlich der Sahara leben rund 500 Millionen Menschen ohne einen Anschluss an ein öffentliches Energieversorgungsnetz. Werden diese Menschen im Desertec-Konzept berücksichtigt?

Das Desertec-Konzept eröffnet gerade auch für diese Menschen eine realistische Perspektive auf Anschluss an eine öffentliche Stromversorgung. Die Kosten für Leitungen und Stromproduktion können durch Exporte finanziert werden. Mit Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen geht dies auch über mehrere 1.000 Kilometer ohne große Verluste.

Welche ersten Erfolge kann die Stiftung bereits verzeichnen?

Ein wichtiger Erfolg war sicherlich die Gründung der DII und das Commitment der beteiligten Unternehmen bis 2050 400 Milliarden Euro in das Projekt zu investieren. Aber auch der Solarplan im Rahmen der Union for the Mediterranean (UfM) wäre ohne unseren Einfluss so nicht gekommen. Bei den Bundestagsparteien stehen wir inzwischen auch ganz gut da, bei einigen sogar im Programm. Schwer tut sich noch die SPD, die sich nicht richtig entscheiden kann zwischen Kohle-Fraktion und Dezentralisten (die, die alles in Deutschland machen wollen und denen die entwicklungspolitischen Aspekte nicht so wichtig sind). Zuletzt hat das neu gewählte europäische Parlament seine Unterstützung des Desertec-Konzeptes bekräftigt. Das hat uns sehr gefreut.

Wie sehen Ihre nächsten konkreten Schritte aus?

Im Oktober soll es mit der DII jetzt richtig losgehen, bis dahin müssen wir noch die endgültigen Konditionen aushandeln. Dann wird es darum gehen, den neuen Bundestag zu überzeugen. Ein wichtiges Datum sind natürlich die Klimaverhandlungen in Kopenhagen im Dezember. Hier muss es gelingen, die erforderlichen CO2-Reduktionsziele verbindlich zu vereinbaren. Wenn das erfolgt ist, läuft alles Weitere ohnehin auf das Desertec-Konzept zu, denn wie sollen die Ziele sonst realistisch erreicht werden? Das geht nur mit Desertec.

Herr Dr. Timm, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Corinna Lang

Add comment