Der Trend zum Selbermachen

Decke

Stricken, Nähen und Gärtnern sind nur etwas für biedere Hausfrauen? Beobachtet man den derzeitigen Trend, so lässt sich vielmehr das Gegenteil beobachten: Immer mehr junge Menschen widmen ihre Zeit den handwerklichen Tätigkeiten.

Einer Studie des Rheingold Institut für qualitativ-psychologische Wirkungsforschung zu Folge entdecken immer mehr, vor allem jüngere Menschen, die doch eigentlich als bieder verschrienen Hobbys Stricken, Nähen oder Gärtner für sich. Die Ursache für den sich schon im Jahre 2011 abzeichnenden Trend sei die Sehnsucht nach einer heilen Welt. Ursache für diese Sehnsucht ist einerseits krisengetrieben: Eurokrise, Weltwirtschaftskrise, Bankenkrise verunsichern die Menschen. Terrorwarnungen und Klimawandel lassen die jüngeren Generationen an ihrem Lebenswandel zweifeln und unglaubwürdige Politiker verstärken die Orientierungslosigkeit.

So gründen sich immer mehr Einrichtungen, die Räumlichkeiten und Kurse für die handwerklichen Hobbies anbieten. Das “action house“ in Heidelberg konnte inzwischen einen regelmäßig stattfindenden Näh- und Strickkurs etablieren. Nähmaschinen, Faden, Schnitte, Spiegel und eine erfahrene Schneiderin: Alles ist bereits vorhanden, was man zum Nähen braucht und so kann jeder, der möchte, ob Anfänger oder Profi, sich hier zum dreistündigen Nähen oder Stricken treffen.

In der „Dingfabrik“ in Köln hingegen steht das Basteln an oberster Stelle. In vier Werkstätten einer ehemaligen Gasmotorenfabrik werden hier Stühle, Lampen oder auch einfach Origamis gebastelt. Ganz ohne unerwünschte Anweisungen eines Dritten, in angenehmer und entspannter Atmosphäre. In den Prinzessinengärten in Berlin hingegen wird gemeinsam gegärtnert, zunehmend werden Dachflächen mit kleinen Beeten und Blumen versehen.

Andererseits liegt in der Digitalisierung unseres Alltags die Antwort für die Sehnsucht nach einer heilen Welt. Durch Smartphones und das Internet ist heute jeder und immerzu erreichbar. Entspannung vom Arbeitsalltag ist dadurch beinahe unmöglich geworden, denn die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschmelzen zunehmend. Die Verlagerung von sozialen Kontakten und sinnlichem Erleben in die digitale Welt trägt ihren Teil dazu bei. Selbermachen und Herstellen bedeutet hingegen Freiraum. Wann gebastelt oder gestrickt wird bestimmt jeder selbst und kann in einer konsumorientierten Welt etwas ganz Eigenes und Persönliches herstellen. So lassen sich in anfangs nur kleinen Keimzellen neue produktive Entwicklungen erkennen, die langfristige Veränderungen mit sich bringen könnten.

Luisa Egenlauf

1 Kommentar

  • Danke für diesen Artikel. Schöner und wichtiger Trend. Habe leider eher zwei linke Hände, versuche aber möglichst wenig zu konsumieren und mache in der Küche möglichst viel selbst (bis hin zur Gemüsebrühe oder zum Pizzateig). Was ich wirklich brauche, kaufe ich nur neu, wenn ich es nicht leihen oder tauschen oder 2nd Hand erstehen kann.

    Viele Grüße,

    Christof